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Zu viel von allem, bitte. - Los Angeles

Der Moment, in dem man den Boden von L.A. betritt, ist relativ unbezahlbar. Los Angeles ist eine der Städte, über die jeder redet, so gut wie jeder einmal erleben möchte, um sich dann bei der Ankunft verdammt cool, lässig und #rich-bitch-like zu fühlen. Doch das hält nicht lange an, zumindest war das bei mir so.

Einer der vielen Boulevards.

Einer der vielen Boulevards.

Los Angeles hatte sich sehr spontan für mich ergeben, da ich nach meiner unbezahlbaren Liebe zu New York endlich mal die Westküste erleben wollte. Sand in den Haaren und trotzdem mitten in der Glitzerwelt der Traumfabrik, dort, wo die angeblichen Träume in bares Geld umgewandelt werden. Genau da wollte ich meinen Sommer verbringen. Nachdem mir ein Regisseur die Nummer eines Freundes von dort gegeben hatte, bin ich mit ihm in Kontakt getreten und er hatte mich gleich ganz typisch amerikanisch in seine Villa eingeladen. So am Rande hatte ich mitbekommen, dass er einer der größten Filmagenten der USA sei, aber spätestens, als ich vor seiner Villa stand und er mit Bruce Willis telefonierte, lächelte ich mir ins Fäustchen und dachte: mehr L.A. geht nicht.

Der Agent war trotz oder vielleicht gerade wegen seiner typischen Ami-Offenheit sehr unsympathisch. Ihm war total egal, wer ich war, woher und warum ich überhaupt alleine reiste, aber mich kümmerte das schnell nicht mehr, denn er verließ gegen 7Uhr morgens das Haus und ich konnte mich alleine ausbreiten, gemütlich in den Tag starten und mit seinem Golden Retriever kuscheln, der zwar ein bisschen dämlich, dafür umso liebenswürdiger war.

downtown

Los Angeles an sich ist die typische amerikanische Stadt, deren Weite, Absurdität und Größenwahn anfänglich ein Schock sind. Die Burger passen kaum in den Mund, niemand, absolut niemand fährt einen Kleinwagen, jeder hat mindestens einen Hund und joggt mit diesem oder mehreren vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Der Schönheitswahn ist die Hölle, aber wenn man sich daran gewöhnt und die Stadt als einziges (unsinniges), aber unterhaltsames Schauspiel betrachtet, kommen alle Sinnesorgane auf ihre Kosten.

Ich glaube, ich bin der einzige L.A.-Tourist gewesen, der alles zu Fuß erledigt hatte. Ich wollte nicht alleine mit einem Sprit fressenden Gefährt durch die Stadt fahren und lieber ein bisschen Geld sparen für die unzähligen Milkshakes, die ich mir jeden Tag gegeben hatte (den Zuckerschock und die 3-4 Kilo mehr sollte man übrigens vorab einplanen, so rein psychisch betrachtet).
Also lief ich pro Tag immer so an die 15 Kilometer oder mehr, eines Nachts habe ich mich mal so verlaufen, dass ich mit schmerzenden Füßen heulend zu Hause angekommen war. Aber auch das war eine Erfahrung und ich bin danach spät abends nicht mehr in Gegenden unterwegs gewesen, in denen ich mich nicht auskannte. Dreimal war ich am Meer, dorthin bin ich - wohlgemerkt als eine der ganz wenigen Weißen – im Bus mitgefahren. Was sich anfangs als eine eher unangenehme Situation darstellte, entpuppte sich als eine Art behind-the-scenes-happening, da man 45 Minuten durch die Stadt fährt, immens viel zu sehen bekommt und dafür lediglich ein paar Cents hinlegt.

nicht zum spazieren geeignet

Venice Beach ist großartig. Die Touristenattraktion schlechthin, jedoch habe ich mich dort total wohl gefühlt unter all den hängen gebliebenen Hippies, den Skater-Boys, die darauf warten, entdeckt zu werden und den Baywatch-Typen am Strand, die ich heimlich fotografierte. Ein Muss sind die von einer Pflanzenpracht überbordenden, angelegten Kanäle, wo eine Prachtvilla neben der anderen steht. Das kleine Venice eben, nur stinkt’s dort nicht, außer das Geld vielleicht.

dogtown boys!

dogtown boys!

Ganz L.A. ist eine Farce. Jeder, mit dem ich ins Gespräch gekommen bin, war unglücklicher Schauspieler oder ein trauriger Stand-Up-Clown, pardon, Comedian, der mir nach einem Small-Talk-Gespräch im Bus seine Visitenkarte gab – am Ende der Woche hätte ich mit denen mein Zimmer tapezieren können. Jeder zieht in die Stadt der Engel, um reich und berühmt zu werden. Ein Klischee, welches sich vor Ort in eine bittersüße Realität wandelt und an jeder Ecke ein anderes Gesicht trägt.

Drei Tage vor meinem Aufbruch nach San Francisco eröffnete mir der Agent, dass er nach Argentinien fliegen müsse und ob ich auf den Hund aufpassen könne. Also war ich die restliche Zeit komplett alleine in der Villa, die kaum eingerichtet war, dafür aber so viele Zimmer hatte, dass der Hund und ich Verstecken spielten. Bis auf den Tag, an dem ich die Haustür nicht aufbekam und über das große Tor einbrechen musste. Das war ein echt schmerzhaftes Erlebnis, aber ich hatte Glück, dass mich niemand bei meinen halbgaren Kletterversuchen beobachtet hatte. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert, wenn jemand beim Einbruch in eine Millionenvilla in einem der reichsten Viertel unterm Hollywood-Sign erwischt wird. „Excuse me, I live here… nicht.”

L.A. ist im Großen und Ganzen die USA in einer Stadt: Zu groß, zu viel, zu laut, zu unreflektiert und so oberflächlich, dass das Brodeln darunter ständig überschwappt.
Trotzdem ist die Stadt die klassische Metropole, die man irgendwann mal gesehen haben sollte und mit staunenden Augen und offenem Mund die Hände in die Abdrücke der Stars pressen, bis sie irgendwann genau passen und man vor Freude dümmlich kreischt. Der Hollywood-Boulevard ist magisch, keine Frage, und wer ein Filmfan ist, muss natürlich eine Tour durch eine der Studios machen, um dem Glamour der Filmwelt ganz nahe zu kommen. Übrigens kann man auch immer regelmäßig Tickets für Shows wie Jimmy Kimmel live etc. gewinnen. Ich habe das leider zu spät mitbekommen.

Ab nach San Francisco, die Stadt der Blumen, in die alle Amerikaner fliehen, die von der Scheinwelt nichts mehr wissen wollen. Der nebelverhangene Griesgram, der große Sympathieträger, das Zentrum der Schwulenbewegung - die Stadt, in der man einfach nur glücklich sein kann.

Sonnenuntergang Santa Monica Beach

Sonnenuntergang Santa Monica Beach

if you're going to San Fran-cisco...

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