Grandios glücklich war ich dieses Jahr. Aber auf meine Winter-Weihnachts-ich-mag-es-kaum-aussprechen-DEPRESSION-ok-ich-hab-es-getan ist eben Verlass.
Kurz vor Weihnachten hatte ich ein paar wirklich schlechte Tage, die allerdings Gott/Buddha/Allah/whoever sei Dank auch ihren Ursprung hatten: Ich fühlte mich komplett unsichtbar. Ich bitte darum, dass das wer kennt, ansonsten packe ich hier virtuell ein und räume diesen Blog mit einer weißen Fahne schwingend.
Ja, ich habe mich verdammt nochmal so richtig unsichtbar gefühlt. Warum? Ich war während der letzten Wochen auf verschiedenen Veranstaltungen unterwegs und bin dort entweder passiv oder aktiv untergetaucht. Entweder, weil ich merkte, dort nicht hinzupassen. Fair enough. Oder aber auch, weil Menschen dort waren, die beim ersten Wimpernschlag die Aufmerksamkeit bis zur Damentoilette sicher hatten. Das ist schon fast ein bisschen Kunst, denn es waren nicht unbedingt die Menschen, die sie sich einfach nehmen, sondern die, die es gar nicht merken. Paradiesvögel, die nicht anders können. Frauen, die morgens genauso perfekt aussehen wie tagsüber oder verkatert am nächsten Morgen. Und wenn ich dann mittendrin sitze und anfange zu beobachten, merke ich, wie ich mich zurückziehe in mein Schneckenhaus, das ich für den Notfall immer mit mir herumtrage. Also rollte ich mich (r)ein und schaute raus. Und sah, dass es manchmal verdammt komisch ist, wenn man nichts zu sagen hat. Wenn man an einem Platz, an dem man sich eigentlich wohl fühlt, auf einmal so verdammt fehl am Platz ist.
Ich bin persönlich kein Mensch, der Aufmerksamkeit auf sich zieht, weil er besonders viel dafür tut. Entweder ich stehe im Mittelpunkt oder ich tue es eben nicht. Aber das sind beides verschiedene Begebenheiten, die nichts damit zu tun haben, sich wirklich unsichtbar zu fühlen.
Eine Freundin von mir meinte Letzt, dass sie es bewundere, wie ich immer alles so ehrlich herunterschreiben würde und was ich mittlerweile mit meiner Arbeit erreicht hätte. Und dass ich ein Vorbild sei. Daraufhin habe ich ihr eine lange E-Mail geschrieben und ihr davon erzählt, dass ich so oft das Gefühl habe, komplett übergangen und nicht gesehen zu werden. Doch im Laufe meiner Erklärungen und halbherzigen Rechtfertigungen, welche nur die Unfähigkeit, ein Kompliment annehmen zu können, übertünchen sollten, habe ich allerdings gemerkt, dass ich mir dieses Gefühl selbst gebe. In Zeiten, in denen man zweifelt und denkt, alles, was man tut, würde nicht reichen. Für was oder wen (man selbst) auch immer. Man baut sich den Käfig selbst, beeindruckt von allem, was angeblich außerhalb so abläuft. Man vergleicht so gerne die Schwächen von einem selbst mit den Stärken der Anderen. Dann darf man es sich auch bequem machen im Käfig. Und gold ansprühen. Finde ich.
Das Schöne an meinen wirren Gedankengängen war, dass ich mich daran erinnerte, dass mein Lehrer an der Schauspielschule mal meinte, ich sei ein Alpha-Männchen. Das war bis damals das größte Kompliment für mich, weil es mir half, viele Unsicherheiten zu überwinden. Und jetzt, ein paar Jahre und einen halben Teelöffel Weisheit später, wird mir eben klar, dass sich jeder sein eigenes Nest selbst baut. Jeder kann ein verdammtes Alpha-Tier sein, wenn er nur will. Und jeder kann sichtbar sein, wenn er nur will. Das hat nichts damit zu tun, sich in den Mittelpunkt zu drängen. Manchmal wird man gerade dann beachtet, wenn man aufmerksamkeitshaschenden Zeitgenossen den Vortritt lässt und damit jedem die Chance gibt, zu sehen, dass diese Attitüde generell gar keinen Platz hat. Und dann schauen die sich mal um und sehen den kleinen aber feinen Stern im verschwommenen Lichtermeer, der immer glasklar leuchtet. Das bin dann ich. Oder du. Vielleicht auch zusammen. Von mir aus können wir das gerne ausprobieren.
Und… wenn alle Stricke reißen… dann gibt es mindestens einen Menschen, bei dem du im Licht stehst. Für den du leuchtest. Und dir absolut niemand das Wasser reichen kann. Diese Welt zählt dann. Alles andere sowieso nicht.
Ich umarme Dich aus Kopenhagen und rufe laut: Du bist nicht allein💕!
Hach!
Du leuchtest, wenn du schreibst, das kann ich von hier aus sehen. Ich finde, da kann man sich im öffentlichen Leben ruhig mal ein wenig in den Käfig setzen, ich mache das auch so.
oh, Caroline! Danke. Ich kann das nur zurückgeben. Ich hoffe, wir treffen uns mal irgendwann! Ich bring meinen Käfig mit und stell ihn zu deinem
Machen wir genau so!
Für mich bist du immer das größte Licht!
schön. ich freu mich, hergefunden zu haben. liebst. mia.
liebe mia, dann freu ich mich auch.
Deine Worte sind herzzerreißend ehrlich und dafür möchte ich Dir danken!!! Es geht - denke ich - allen hin und wieder so, dass man sich “ungesehen” fühlt. Im Grunde genommen ist das Leben ein Kampf, sich davon zu befreien, unbedingt gesehen werden zu müssen. Meine Erfahrung ist, dass man sich selber wieder “sehen” und “spüren” muss und sich von dem Verstand, zu “des”identifizieren. Habe seit Ende Oktober auch so n richtiges Tal durchlaufen dürfen, aus dem ich mich nun hoffentlich so langsam befreie. Ist das nicht auch wieder schön, diese einzelnen kleinen Schritte wieder von einem anderen Standpunkt aus zu reflektieren???
Ich freue mich noch auf weitere wunderbare Beiträge von Dir!
Alles Liebe
Zorica
Liebe Zorica (was für ein interessanter Name!),
nicht nur ich spreche dir anscheinend aus dem Herzen, sondern auch du mir. Ich kann dir in allem nur zustimmen. Und das Schöne ist: Wenn man unten ist, gehts nur noch bergauf.
Alles Liebe dir fürs neue Jahr, ich freue mich, dass du hier liest!
Anika