Liebe Alle,
ich möchte wieder ab und an Tagebuch schreiben, so richtig, im klassischen Stil. Und wo eignet sich das am besten, als auf einer Insel mitten im indischen Ozean, wo man alleine den Sonnenuntergang betrachten kann und Muse hat, seine Gedanken auf Papier zu bringen?
Ich bin mittlerweile in Mauritius angekommen. Doch bevor ich mit meinen Eindrücken beginne, möchte ich mit ein paar Gedanken aus dem Zug zum Flughafen anfangen.
Es gibt da eine Szene in der letzten Staffel von Gilmore Girls, als Rory ihren Freund Logan verabschieden muss, weil sie mitten in einer Fernbeziehung stecken. Sie verfängt sich in einem Monolog darüber, wie kurz die gemeinsame Zeit war, warum es sie gestört hat, den letzten Abend nicht alleine mit ihm verbringen zu können und dass sie am meisten davon genervt ist, dass sie dieses Thema überhaupt anspricht und nicht fähig ist, die kurze Zweisamkeit einfach zu genießen.
Logan antwortet mit einem verschmitzten Lächeln und dem Satz, dass sie ganz schön viele Worte brauche, um ihm zu sagen, dass sie ihn vermisst. Daraufhin meint sie, etwas verzweifelt und emotional in der Luft hängend, ob er etwas darauf antworten könne.
Und Logan sagt: „I miss you too, ace.“
Ich bin nicht gut im Verabschieden. Um ehrlich zu sein, ich bin katastrophal schlecht. In der einen Minute nörgele ich herum und in der nächsten Sekunde klebe ich an dir wie ein Koalababy - kann nicht loslassen, muss einfach festhalten. Und jedes Mal, wenn der Wecker am Morgen des Grauens klingelt, ist mein erstes Wort: „Nein.“ Mal belustigt, mal ängstlich. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann es mal nicht so war.
Aber immer, wenn ich mich wieder mal sehr bescheiden vor, am und nach dem Tag des Abschieds verhalten habe, denke ich darüber nach, wie spannend das doch ist:
Da gibt es Menschen in deinem Leben, die von guten Freunden zu guten Bekannten werden, irgendwann in eine andere Stadt ziehen, du dir gegenseitig über dem dritten Glas Wein versprichst, in Kontakt zu bleiben, während bereits in Gedanken die Telefonate zu SMS werden und du nach einem Jahr (wenig überrascht) feststellst, dass du dich seit dem „Auf bald!“ nicht wieder gesehen hast.
Das fällt für mich nicht in die Kategorie, dass Freundschaft doch eigentlich keine Kilometer kennt, sondern steckt in der Schublade, dass mancher einfach aus deinem Leben verschwindet und mancher so tiefe Fußspuren auf deiner Herzoberfläche hinterlassen kann, dass selbst die Trennung von ein paar Wochen etwas ist, auf das du verzichten könntest. Möchtest. Alles dafür tun würdest, dass es nicht so ist.

Ich übe ganz oft, im Abschied nehmen besser zu werden. Es ist nicht einfach. Jeder hat seine Schwäche und das hier ist eben meine. Doch jedes Mal, nachdem Tränen getrocknet oder zumindest der Kloß im Hals schmerzhaft hinuntergewürgt wurde, jedes Mal, nachdem ein paar Tage vergangen sind, spüre ich die Nähe zu denen, die auf einmal weit entfernt sind. Ich spüre dann, dass es uns gut tut, mal auf Abstand zu gehen, um überhaupt wieder die Feinheiten und Umrisse der Beziehung nachzeichnen zu können.
Die, auf die es ankommt. Die, die unter den Gedankenkonstrukten liegen.
Was ist schon einfach im Leben, sobald wir emotional darin verstrickt sind? Und warum gehen wir trotz dieser Erkenntnis mit unseren Schwächen so reißerisch und kompromisslos ins Gericht? Ich mache hier mal den Anfang, ein bisschen netter zu mir selbst zu sein:
Ich bin gut im Verabschieden, so gut, ich kann’s kaum glauben, so gut. Weil mir immer und genau dann auffällt, welche Menschen mein Leben bereichern und was sie für mich tun, mir bedingungslos zur Seite stehen, mich lieben, vor allem auch meine Schwächen.
Deswegen bin ich für sie gerne diejenige, die immer als Erste heult. Die für den letzten Lacher sorgt.
Ich bin lieber randvoll mit Emotionen und schwappe gelegentlich über, als irgendwann auf einen ausgetrockneten Flaschenboden blicken zu müssen. Und ich finde, dass eine späte Erkenntnis immer besser ist als gar keine. Vor allem, wenn sie so regelmäßig an meiner Tür klopft und mir jedes Mal eine neue Chance gibt.
Das Schöne ist ja, dass jeder von uns Menschen in sein Leben zieht, deren Stärken die eigenen Schwächen ausgleichen. Und umgekehrt. Menschen, die bleiben. Und der Grund dafür ist die perfekte Symbiose, die wir gemeinsam bilden.
Ihr seid die andere Hälfte unserer Symbiose. Danke dafür.
Mucho Liebe aus dem Paradies,
Ani
Das ganze Tagebuch aus Mauritius gibt es hier zu lesen.
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[…] ist gerade auf Mauritius und schreibt schöne Texte über Emotionen und Abschiede, auf dem Spotted Blog gibt es Gründe, warum das Leben mit 25 bergauf geht. (Von denen ich […]