Liebe Perlentaucher,
ich liebe Delfine! Kein Geheimnis, denn ich liebe alle Tiere. Außer Ratten, aber dazu kommen wir später.
Das mit der Delfintour, das war so: Um 7:30 Uhr ging es los, nur ein paar Minuten mussten wir fahren, um zu einem Platz zu kommen, wo vormittags zwei Delfingruppen anzutreffen waren. Je nachdem, ob die Tiere Lust auf ziellos umherpaddelnde Touristen haben oder nicht, entscheidet der Skipper, ob das Boot zurückfährt oder man sogar ins Wasser gehen darf. Das fand ich schon mal gut. Noch besser fand ich, dass die Delfine entweder Bock auf uns hatten oder wir ihnen komplett egal waren. So oder so befanden sich ca. 10 Motorboote dort draußen, auf denen Touristen saßen – die meisten Franzosen – und irrsinnig komisch dabei aussahen, mit Taucherbrille, Schnorchel und Flossen auf dem Rand des Bootes zu sitzen. Immer bereit zum Absprung.
„Go!“, rief der Skipper und wir sprangen ins Wasser, tauchten unter – und sahen meist nichts.
Die Delfine waren einfach zu schnell. Nur einmal sind sie unter mir hindurch geschwommen. Trotzdem war es ein tolles Schauspiel, wenn sie nah ans Boot kamen und wir sie begleiten durften. So schöne Lebewesen.
Auch ein Grund, warum sich so eine Tour auf Mauritius lohnt: Es ist witzig! So was von witzig. Mainstream-Tourismus par excellence, den ich in vollen Zügen genoss. Schneeweiße Touris mit Schlabbershirts, Asiaten, die so sehr mit sich selbst beschäftigt waren, dass sie die Delfine glatt übersahen, komplette Familien, die sich bei Go! in die Fluten stürzten. Herrlich, Freunde, herrlich. Ach, übrigens (der Fairness halber): Ich sah nicht minder bescheuert aus.
Am nächsten Tag fuhr ich mit meinem Nachbarn Adrien, der Tauchlehrer im Sofitel ist, nach Flic en Flac. Als ich ihm erzählt hatte, dass ich noch nie Tauchen war, weil ich seit Kindertagen an Probleme mit meinen Ohren und dem damit verbundenen Druckausgleich habe, lud er mich ein, eine Schnupperstunde bei ihm zu absolvieren. Den Rest der Zeit könnte ich am Pool des Sofitel verbringen. Ach was. Als würde ich nein sagen, auf Kosten eines Luxusressorts meine Beinchen ins Wasser zu halten.
Wir fuhren los und Adrien stellte sich sofort als ein witziger und kluger Kopf heraus. Selten so viel gelacht auf einer 20-minütigen Autofahrt. Wir unterhielten uns darüber, wie es ist, Vegetarier zu sein (nein, ich habe nicht mit dem Thema angefangen, das wollte er wissen) und dass das meiste Fleisch, das in Mauritius verzehrt wird, ironischerweise aus Indien kommt. Inklusive Rind.
„Oh Gott, hast du das gerochen?“
„Nein, was?“
„Was, du hast es nicht gerochen? Das riecht doch wie tote Ratte!“
Ich musste lachen. „Und was war es?“
„So ein getrockneter Fisch. Den essen hier viele. Ich hasse ihn.“ Verständnislos blickte ich ihn an.
„Um 7:30 morgens?“
„Der Typ hat ein Problem“, meinte Adrien trocken.
Wir gingen in den Hotelpool. Adrien, zwei Jungs aus Frankreich und ich. Ich absolvierte brav die Anfängerübungen und scheitere am Druckausgleich. Ich hatte es geahnt und verabschiedete mich von einem möglichen Tauchschein.
„Wir probieren das draußen nochmal“, meinte Adrien mit aller Ruhe. Mir wurde mulmig zumute. Auf dem Boot schaute ich sehnsuchtsvoll und ängstlich zurück ans Ufer, blickte auf die wunderschöne Anlage des Hotels.
„Tja Anika, du kannst nicht mehr zurück.“ Er lachte. Ich auch, aber nicht, weil ich es lustig fand, sondern, weil ich ein höflicher Mensch bin.
Nachdem uns die Rolle rückwärts erklärt wurde, ließen sich Adrien und die Jungs nach hinten aus dem Boot fallen. Ich war der felsenfesten Überzeugung, dass mich die 25 Kilo schwere Flasche auf den Grund des Meeresbodens ziehen würde. Mit oder ohne Luft, mir war es völlig gleich, ob meine Angst Sinn ergab.
„Na, los!“, rief Adrien mir zu. Alle schauten mich an. Ich schüttelte meinen Kopf. Nein, nein, nein.
„Los!“ Okay. Ich atmete zweimal tief ein und lies mich fallen.
Whoaaa !! In Zeitlupe fiel ich einmal um mich herum, drehte ich mich im Wasser und tauchte automatisch auf.
„Kann ich das bitte nochmal machen? Das macht so viel Spaß!“, rief ich glucksend.
Wir schwammen zum Seil, an dem der Anker befestigt war, und ich fing langsam an, mich daran nach unten zu hangeln. Ich versuchte den Druckausgleich erneut und diesmal funktionierte er sofort. Mehr davon! Und so kam es, dass ich unverhofft für 30 Minuten tauchen war. Vorbei an den schönsten Korallen, die ich mir hätte vorstellen können, auf Tuchfühlung mit Nemo, ich kitzelte die Fühler eines riesigen Hummers, spähte in die Löcher der Riffe und konnte am Ende sogar den Sandboden durch meine Finger rieseln lassen.
Ich fand das alles großartig, mal abgesehen davon, dass ich mir sämtliche Schürfwunden mit nach Hause genommen hatte, weil ich noch nicht genau einschätzen konnte, wie weit sich die spitzen Korallen von mir weg befanden. Ist das jemandem von euch auch schon passiert? Bitte sagt ja.
Ich war begeistert. Am Ende waren wir 12 Meter tief und ich stolz wie Bolle.
Dank Adrien und seiner Ruhe, Gelassenheit und positiven Ausstrahlung weiß ich nun ganz genau, dass ich tauchen kann und das auch tun werde. Der Schein ist anvisiert.
Den Rest des Tages verbrachte ich an der Poolanlage. Mit Cappuccino und feinstem Clubsandwich. Natürlich. Weil, man gönnt sich ja sonst nichts.
Ein meerjungfraeulicher Kuss,
Ani











Wow wie wunderschön und so viele Delfine. Ich bin ganz hin und weg <3
danke! Es war wirklich toll
Liebe Anika
Gerade habe ich deine 3 Mauritiusberichte gelesen. Fernweh plagt mein Herz und ich bin begeistert von deiner Schreib-Art. Es macht Spass dir zu folgen. Mein Fernweh muss noch warten, aber vielleicht kommt ja bald wieder ein Bericht von dir. Liebe Grüsse Erika
Liebe Erika,
vielen Dank, das freut mich sehr. Es kommen noch weitere Berichte von Mauritius, dein Fernweh bleibt also gut versorgt!
[…] Mauritius Tagebücher: Drei Stunden. Ich bin hier bloß Tourist Piraten. Die perfekte […]
Hi Anika,
sehr schöner Bericht. Mir gefällt deine Schreibweise und Witz in den Texten.
Ich werde Anfang Juni nach Mauritius fliegen und wahrscheinlich aufgrund deines Berichtes auch nach einem Delfin Tour Ausschau halten.
LG
Dorothee
Danke dir! Oh, ich wünsche dir so viel Spaß, ich vermisse Mauritius! Ein kleiner Tipp zu den Delfintouren: Je professioneller die Leute sind, desto mehr gehen sie auch auf die Delfine ein. Das heißt, wenn sie beispielsweise anbieten, am Nachmittag aufs offene Meer zu fahren, würde ich das nicht machen, denn da gehen die Delfine raus zum Jagen und werden somit nur gestört. Am besten vormittags im niedrigen Wasser
Aber du kannst dir sicherlich dort was empfehlen lassen.
Hi Anika,
wow! Tolle Bilder, tolle Gechichten… da bekomme ich gleich Lust zu reisen, obwohl ich meinen tauchschein noch nicht in der Tasche habe 😉
LG Alexa