San Francisco, du bist die Blume in meinem Haar, die gefrorene Sahne unter meinem Eis, das perfekte Date für einen Reisenden, der ein bisschen Liebe sucht. Wo kann man die besser finden, als bei dir, wo die Bewegung der Homosexualität ihren Ursprung im Castro hat, einem nach dem Kino an der Ecke benannten Stadtteil. Einatmen, ausatmen, San Francisco lieben lernen.

Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es nicht glauben, aber den wirklich perfekten Travel-Music-Emotion-Altogether-Moment habe ich erlebt, als ich mit meiner Freundin im Auto Richtung San Francisco gefahren bin. Es war schon dunkel und ich sagte zu ihr, dass die Golden Gate Bridge jeden Moment auftauchen könnte und dass sie für diesen Moment bloß vorbereitet sein solle. Aber die ganze Landschaft war in dunkle Nebelschwaden verhüllt und wir konnten kaum etwas sehen.
Ich drehte das Radio auf, vertraute Klänge ertönten und wir konnte unseren Ohren kaum trauen. „Wish you were here“ kroch aus den Boxen unseres Mietwagens (Monica, so ihr Name). Ich schaute auf die Straße vor mir, dann zu meiner Freundin, sie zu mir, zurück zur Straße, ich zur Straße, wie auch immer, da tauchte sie auf – innerhalb von Sekunden befanden wir uns auf der schönsten Brücke der Welt und fuhren in die schönste Stadt der Welt mit einem der schönsten und poetischsten Songs im Ohr. Ich war kurz davor auszuflippen, aber ich wollte Pink Floyd nicht stören, also hielt ich die Klappe. Und heulte. Und schüttelte meinen Trennungsschmerz, den ich mit nach Kalifornien genommen hatte, von mir.

Die weiteren Tage vergingen wie im Traum. Unser Schlafplatz, den ich per Couchsurfing gefunden hatte, hätte nicht unterschiedlicher sein können zur Agenten-Villa in L.A.: Wir kamen bei den Brüdern David und Dan unter, die unglaublich warmherzig und nett waren. Der eigentliche Grund, warum ich von vorne herein überzeugt war, war allerdings, dass sie ihr eigenes Bier im Hinterhof brauten und im Wohnzimmer eine Zapfanlage stehen hatten. So gab es zur Ankunft erst mal ein Dunkles zum Zischen – und alle waren happy. Auch glaube ich, war ich ein bisschen in Dan und Dan ein bisschen in mich verliebt. Man weiß es nicht genau. Aber der Blickkontakt war schön. Sein roter Oldtimer auch. Hach.

Man kann in dieser Stadt Stunden dabei verbringen, die Golden Gate Bridge aus allen möglichen Perspektiven zu fotografieren – vorausgesetzt, man bekommt sie zu Gesicht, doch wenn sie halb in Nebelschwaden getaucht ist, wirkt sie sowieso am schönsten. Außerdem ist San Fran ein Mekka für alle, die Secondhand-Shopping lieben und Lust haben, in einer Hippie-Homo-Hochburg zu stöbern. Es gibt sehr viel zum Glucksen, Gucken und Augen aufreißen, gerade das schon oben erwähnte Castro und das danebenliegende Haight Ashbury sind Stöber-Plätze hoch tausend. Mucho Liebe zum Detail!
Außerdem ein Tipp: Alcatraz. Ja, wirklich! Bloß nicht abschrecken lassen und denken, das sei überflüssiger und überlaufener Tourismus-Kram. Die Führung mit Kopfhörern ist sagenhaft gut, denn man erfährt u.a durch die Originalstimmen und Aussagen von Insassen spannende Details, die direkt vor Ort sehr bekemmend, realistisch und authentisch wirken.
Und mit das Beste an der Stadt: Sie ist wie gemacht für Studenten und junge Menschen, denn die Kneipenszene platzt aus allen Nähten. Dave, der beste Gastgeber jenseits aller Vorstellungen, bestand jeden Abend darauf, mir und den mittlerweile drei anderen Couchsurfern (jeden Abend war jemand Neues im Wohnzimmer anzutreffen -> der Junge hat ein gutes Herz) jeden Drink am Abend auszugeben. Nicht ein Mal hat er mich zahlen lassen, also kam ich jede Nacht betrunken, glücklich und für damalige Verhältnisse immens reich nach Hause. Ein Jackpot in Jackpot-City.
Am letzten Urlaubstag machte die mittlerweile kleine WG einen Ausflug ins Umland. Wir fuhren die Route nach Bodega Bay, die damals auch schon Tipi Hedren in Hitchcock’s „Die Vögel“ nahm, um dann dort gegen den gefiederten Albtraum zu kämpfen. Weiß man nicht um diese Geschichte, bildet man sich wenigstens nicht ständig ein, sämtliche Möwen würden mordlustige Anschläge planen und binnen Sekunden umsetzen. Ich war jedenfalls leicht angespannt und auf meine Haare bedacht, ansonsten ist Bodega Bay ein sehr putziges, kleines Fischerdörfchen, unglaublich idyllisch gelegen im kalifornischen Norden. In Sonoma haben wir uns dann bei 40 Grad im Schatten eine Weinprobe nach der anderen eingeflößt und den Spuckeimer ignoriert. So gehört sich das.
Ja, was soll ich sagen. Zwar wird man in San Francisco nicht mit den typisch kalifornischen Temperaturen und der hohen Sonneneinstrahlung verwöhnt, dafür strahlt die Stadt an sich tausendfach zurück und hinterlässt auf jedem einzelnen Besuchergesicht ein Lächeln zurück und imaginäre Blumen im Haar. Haa-aaaar. Harr. Harr.







Wie schön…*schnief*…So wie du schreibst,möchte man am liebsten dabei gewesen sein…
<3
da hilft nur koffer packen!
[…] ging es nach San Francisco, die Stadt der Blumen, in die alle Amerikaner fliehen, die von der Scheinwelt nichts mehr wissen […]
[…] und wir merken, dass wir überhaupt nicht vorbereitet sind. Da ist auf einmal dieser Nebel, der San Francisco einhüllt. Eine unwirkliche Szene erstreckt sich vor uns, kommen wir doch gerade aus heißem […]
[…] Am nächsten Abend saßen meine Freundin und ich in der Villa. Wir spielten auf einer der vielen herumstehenden Gitarren, sinnierten über unser kaputtes Liebesleben und packten meinen Rucksack. Am nächsten Tag ging es nach San Francisco - und wie das war, könnt ihr hier lesen. Und hier. […]