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arbeitseinblick

Derzeit schreibe ich an meinem ersten Roman, der Arbeitstitel lautet

“Und alles zurück auf Anfang.”

Unten stehend sind Auszüge zu finden (Gegenwart und Flashback), auf Anfrage schicke ich gerne das Exposé und Teilmanuskript (ca. 100 Seiten) heraus.

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Früher konnte ich still sitzen. Heute laufe ich selbst beim Telefonieren unbewusst so lange im Kreis, bis mir schlecht wird. Ich weiß es. Ich weiß, was es ist, es ist die Furcht, die Zeit könnte zu schnell an mir vorbeiziehen. Also veranstalte ich einen Wettbewerb. Ich laufe gegen sie, was so sinnlos ist, wie einem Frutarier einen durchwachsenen Schweinebauch anzubieten. Verlorene Zeit.
Ich habe Angst vor meiner Zukunft. Und deshalb renne ich ihr im Eiltempo entgegen. Um mich nicht machtlos zu fühlen. Ich renne gegen die Zeit und am Ende gegen eine Wand. Das ist so typisch für mich, dass ich schon fast lachen muss.

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„Ach, der Idiot macht doch nichts. Und wenn es dich nervt, dann ruf doch die Polizei.“
„Und was soll ich denen sagen?“, fragt Laura und gießt einen offenen Rotwein in zwei Gläser.
„Da steht jemand unter einer Straßenlaterne und schaut in mein Fenster? Die haben doch keine Lust, wegen so ´nem Scheiß überhaupt aufzustehen und hierherzufahren. Und solange er nichts macht, kann ich auch nichts machen. Vielleicht sollte ich einfach mal auf ihn schießen.“ Sie setzt sich zu mir und reicht mir eins der beiden Weingläser. „Cheers, el niña. Auf uns.“ Sie kreiert sehr gerne andere Bezeichnungen aus meinem Namen, um eine Szene dramatischer erscheinen zu lassen.
Ich proste ihr zu und trinke einen großen Schluck. Ein samtiges Gefühl macht sich in meinem Mund breit und mir wird auf der Stelle warm im Kopf.

„Und mit welcher Waffe willst du das anstellen? Dir ist bewusst, dass du keinen Waffenschrank besitzt, um deine nicht vorhandene Ranch in Kansas zu verteidigen?“
„Der braucht nur ein paar Platzpatronen in seinen schlaffen Hintern und schon würde er davonrennen.”

——

Und als ich da stand im Türrahmen und mich nicht regen konnte, war es einzig und allein mein Herz, das innerlich rannte und rebellierte. Laura und Moritz schauten mich an mit einer Mischung aus vollkommener Verwirrung und… ja. Mitleid. Das war es. Keiner rührte sich. Ich blickte mich um und scannte das Zimmer innerhalb von Sekunden nach etwas, das mir sagen konnte, dass es sich um ein verdammtes Missverständnis handelte. Dass es gar nicht sein Zimmer war und dass sie sich geirrt hatten. Aber es war sein Zimmer. Und ihre Mienen hellten sich nicht auf. Niemand sprang hinter dem Bett hervor und rief „Reingelegt!“. Wie sehr wünschte ich mir, es würde sich um einen geschmacklosen Scherz handeln.
Nichts passierte. Ich hielt so viele Ideen und Lösungsansätze bereit, aber nichts passierte. Mein Blick fiel auf den Tisch. Eine fein säuberlich und in Lukas’ krakeliger Handschrift verfasste Notiz lag darauf. Kein Stift daneben. Keine Ahnung, warum mir das sofort auffiel. Vielleicht, weil es genau so wenig Sinn ergab, wie alles andere in diesem Moment. Aber ich musste es verstehen. Ich wusste, dass ich es begreifen musste, damit ich nicht untergehen würde. Also trieb mich irgendetwas an, irgendetwas schob meinen angespannten und zitternden Körper zum Schreibtisch und ich nahm den Zettel in die Hand.

——

Möchtest du mich loswerden?“
„Was? Nein, ich freue mich nur für dich. Also, darf ich dich besuchen kommen?“
„Nein.“
Stille.
„War das jetzt ein Witz?“
„Nein.“
Stille.

Natürlich war es ein Witz. Aber das muss er ja noch nicht wissen.

——

Vielleicht war es falsch gewesen, sie rauszuschmeißen. Es schien mir selbst in dem Moment nicht richtig, ich hatte es einfach getan. Und was ist schon richtig oder falsch, wenn dein Freund dich verlassen hat. Dich und eigentlich auch sich selbst. Für mich war die Welt aus den Angeln gehoben. Ich konnte mich nirgendwo festhalten, um mir einen neuen Überblick zu verschaffen. Oben war auf einmal unten und links wurde zu rechts – nichts hatte mehr eine Wahrheit für mich.
Wir schwiegen eine Weile. Dann streckte sich Caroline und rieb sich die Augen. Sie richtete sich auf und fragte:
„Wie geht es nun weiter? Was willst du tun?“ Ein paar Sekunden musste ich überlegen, um eine Antwort darauf zu finden. Die Erste seit zwei Wochen.
„Versuchen zu überleben.“

——

Alle oben zu lesenden Ausschnitte aus dem Roman unterliegen - wie alles Geschriebene und Fotografierte auf diesem Blog - dem Copyright © von Anika Landsteiner. Siehe Impressum. Macht keinen Schabernack. Ich wollt’s nur nochmal gesagt haben.




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