Fünf Gründe, warum Peking was kann.

sonneuntergang

Laut Katie Melua gibt es neun Millionen Fahrräder in Peking (Beijing). Kann gut sein, denn in der Hauptstadt Chinas findet sich so ziemlich alles in Superlativen wieder. Wie China selbst. Die Stadt war eins der Highlights meiner 16-tägigen Reise. Da ich nur vier Tage dort war, kann ich nicht wirklich mit Insidertipps dienen, versuche aber mit den folgenden Punkten zu überzeugen, warum Peking der Oberkracher ist. Und so anders sein kann, als man von diesem Land doch irgendwie erwartet.

1. Hutongs

hutong_neu

An den kleinen, teilweise an das mittelalterliche Beijing erinnernden Gassen – den sogenannten Hutongs – kommt man nicht vorbei, wenn man sich durch die Metropole treiben lässt. Überall laden die verwinkelten und engen Seitenstraßen dazu ein, einfach abzubiegen und verloren zu gehen. Es warten heruntergekommene und von Armut beherrschte Hutongs auf die Besucher der Stadt sowie restaurierte Shoppinggassen mit kitschigen (und auch schönen!) Souvenirläden, Musik, Streetfood und Menschen, die einfach nur draußen sitzen, Spiele spielen und was trinken.

Von 6000 auf ca. 1000 runter. Das ist die erschreckende Entwicklung der beliebten Gässchen seit den 50er Jahren. Immer mehr werden platt gemacht und die alten Stadtteile werden daraufhin neu aufgezogen. Dabei steckt in diesem Straßennetz so viel Tradition: Fast alle verlaufen in Ost-West-Richtung, sodass die Haupteingänge nach Süden zeigen können. Feng Shui wird hier groß geschrieben, somit ist Sonnenschein garantiert und der Schutz vor negativen Einflüssen aus dem Norden unterstützt.

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2. Cafés und Shopping
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Café Barista Coffee. Man beachte die Kommunikation der Chinesen.

Ich bin eine Kaffeetante. Und schöne Souvenirs weiß ich ebenfalls zu schätzen. In beiden Punkten hat mich China und vor allem Peking absolut positiv überrascht. Die Cafészene ist up-to-date und neben ganz miesen Espressoshot-auf-einen-halben-Liter-Kuhmilch-aus-der-Bäckerei-nebenan folgt ein detailverliebtes Café dem nächsten. Hinter dem Tresen stehen entweder super coole Hipster oder nervös lächelnde Barista, denen man so oder so die Freude ansieht, dir gleich den weltbesten Kaffee präsentieren zu dürfen. Von der Wissenschaft des Brühens ohne Filter, dafür mit Thermostat und mehreren Aufgüssen, bis hin zum klassischen Cappuccino mit festem Milchschaum gibt es alles, was das Herz begehrt. Und mein Kaffeeherz begehrt viel.

Tipp für den kurzen Stop: Barista Coffee, Wudaoying Hutong.

Zum Espressoshot am frühen Nachmittag gehört natürlich das Shoppen. Und obwohl ich Letzteres auf Reisen grundsätzlich nicht groß schreibe und meist auf den allerletzten Tag hinausschiebe, bin ich in Peking nicht daran vorbeigekommen. Die Hutongs quillen über mit einem Designerladen nach dem anderen, teilweise komplett verrückt und ohne massentauglichem Konzept, aber auch irre schön, günstig, voller Details und guter Spürnase für neue und absurde Trends. Ich habe neben einer kuscheligen Wolljacke, die ich derzeit zu fast jedem Outftit kombiniere, Postkarten mit altchinesischen Drucken, Notizbücher, Tassen, Tee und eine vergilbte National Geographic Weltkarte gekauft (siehe Bild unten).

Tipp zum Shoppen: Rund um den Trommelturm, Nanluogu Xiang

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3. Vegane/vegetarische Szene
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Copyright Deniz Ispaylar

In China essen sie Hunde? Darauf möchte ich lieber nicht eingehen, aber wer Lust auf einen experimentellen Kochkurs oder Ausflüge in traditionell chinesische Märkte hat, kann mal bei Clemens von Anekdotique vorbeischauen. Der ist definitiv abenteuerlustiger als ich.

Ich hatte mich in den ersten Tagen in China wacker geschlagen, habe abseits von Fleisch und Fisch viel probiert und neue Geschmäcker aufgenommen und abgespeichert. Es gibt definitiv tolles und sehr vielfältiges Essen zu entdecken, nur wenn man nicht von vorneherein ein Riesenfan von chinesischem Essen ist, kann es einem schnell zum Hals heraushängen. So ging es mir, nachdem ich in Tai’an händeringend nach Essbarem gesucht habe und nach einem Stück Fleisch in meinem Wrap vom Straßenstand zwei Tage lang innerlich würgen musste, sobald ich die Gerüche der Garküchen wahrnahm. Es war Zeit, zurück in die Großstadt zu flüchten, und Peking empfing mich mit offenen Armen. Ich war absolut entzückt. Von Falafel über Pasta bis hin zu Cappuccino mit Kokosmilchcremé, dicken Waffeln mit hausgemachter Marmelade und lauwarmen Croissants… her damit!

Tipp: The Veggie Table im Wudaoying Hutong, nahe dem Lamatempel, war das erste vegane Restaurant in der Stadt und ist am meisten ökologisch ausgerichtet. In diesem meinem Lieblings-Hutong gibt es außerdem noch viele weitere Schätze zu entdecken!
Auf der Seite von HappyCow gibt es wissenswerte Adressen für Veganer und Vegetarier.

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The Veggie Table
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Copyright Deniz Ispaylar
4. Die große Mauer

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Atemberaubend. Das ist sie, die große (oder chinesische) Mauer. Mao Zedong hat mal gesagt: „Wer die Große Mauer nicht bestiegen hat, der ist kein richtiger Mann.“ Nicht, dass ich ihm da zustimmen würde, aber es ist definitiv ein umwerfendes Gefühl, auf ihr entlangzulaufen, die Weite zu spüren und die sich durch die Landschaft schlangenförmig ziehenden Mauerabschnitte zu bewundern; für ein paar Stunden zeitreisen.
Die Geschichte, die ich zu diesem Tag zu erzählen habe und welche Tipps ich mitgeben kann, könnt ihr hier nachlesen. Und noch mehr Bilder gucken.

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5. Parks und Seen

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Grün, grün, grün… ist Peking. Vorausgesetzt, der Smog lichtet sich und man kann was sehen. Dann glitzert die Sonne auf den Wasseroberflächen und das Grün der Parks schüttelt seinen Grauschleier ab. Überall gibt es Enten, Boote, Künstler und Fischer zu beobachten, Familien machen Picknicks und Pärchen rücken auf den Bänken näher zusammen. Schade nur, dass manche der Parks (geringen) Eintritt kosten, was mein Verständnis zur Natur und dem Sinn des Allgemeinwohls übersteigt.
Jingshan-Park mit 360° Blick über die ganze Stadt, Himmelstempelpark, Beihai-Park, die Houai-Seen… wertvolle Oasen inmitten einer staubigen 20-Millionen-Metropole.

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Hutong am Qinhai-See (Shichahai) – voll, laut, chaotisch.

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Tiananmenplatz in der Abenddämmerung bei der alltäglichen Flaggenparade
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Aussicht vom Jingshan-Park
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Süßkartoffel-Verkäufer in einem Hutong

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Der Kanal an der Verbotenen Stadt beim Sonnenuntergang

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Sicht auf die Verbotene Stadt

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Welche Tipps hast du für Peking?

15 comments

  • Hey Anika, danke für die Erwähnung meiner Abenteuerlust – sollte ich mal wieder auf die Probe stellen 😉 Tolle Fotos machst du übrigens!

  • Die Chinesische Mauer wollte ich schon immer einmal entlanglaufen. Nicht zwangsläufig, um ein richtiger MANN zu sein, sondern einfach so : ) Leider habe ich außer Hongkong bisher gar nichts von China gesehen. Dabei habe ich tatsächlich einmal begonnen Chinesisch zu lernen, um für die ersehnte Reise gewappnet zu sein. Alles Gute zum neuen Jahr übrigens! Jutta

    • Mich reizt Hongkong ja total! Musste mich damals entscheiden, ob Peking oder Hongkong wegfällt und da dachte ich, Hongkong wird sicherlich eher nochmal angesteuert… so aus dem Bauch heraus.
      Hut ab fürs Chinesisch lernen! Ich konnte einen Tag lang den Satz „Ich bin Vegetarier“, sofort danach wieder vergessen. So irrsinnig schwer.
      Frohes Neues zurück! :)

  • Oh, wie unerwartet hübsch, warum wurden mir von Peking bisjetzt nur so doofe Sachen erzählt? Wahrscheinlich wieder von Leuten, die nie selbst da waren. Kommt auf den Reisewunschzettel :)

  • Sehr schön geschrieben und tolle Hutong-Fotos. Ich liebe die Spaziergänge durch die Gassen. Im Mai fahre ich nach 9 Jahren Abwesenheit mal wieder nach Peking und bin sehr gespannt. Werde es vermutlich kaum wiedererkennen…

  • Das Veggie Table ist nicht das erste vegetarische, sondern das erste vegane Restaurant in Beijing. :) Und komischerweise fand ich das bisher eher immer so lala… es gibt so so viele Restaurants, die zumindest unglaublich viele vegetarische Gerichte anbieten. Auch wenn irgendwie immer anderes behauptet wird: Vegetarier sein ist hier super einfach…

    • Hi Stefanie,

      danke dir für die Korrektur – so stand es im Reiseführer.
      Hm naja, also ich habe mir in China schon sehr schwer damit getan und den Vegetariern, die ich so kenne, ging es ebenfalls so. Vor allem in kleineren Orten. Aber in Peking wars einfach, da gebe ich dir Recht.
      LG
      Anika

  • Diesen Post werde ich speichern!
    Ich habe am 1.1.2015 nach einem Flug gesucht und plötzlich ein super Angebot für China gefunden. Und ehe ich mich versah, hatte ich die Kreditkarte in der Hand!
    Im Mai geht es also nach Peking und Hong Kong!!!

    Y.

    • das freut mich! Dann wünsche ich dir viel Spaß in Peking und lass mich wissen, wie es dir gefallen hat bzw. kannst du gerne meine Tipps dann noch erweitern.

      LG
      Anika

  • Hallo,
    per Zufall auf deinen Blog gestoßen, musste ich doch gleich einmal schauen, was du von meiner Lieblingsstadt schreibt. Es freut mich, dass du sie positiv empfunden hast. In meinen Augen hat Beijing so viel zu bieten und einiges, was man entdecken kann.
    Empfehlen würde ich auf jeden Fall den Besuch der verbotenen Stadt. Mich hat es beim ersten Mal sehr beeindruckt.
    Lg Thomas

    • Hi Thomas,

      ich war in der Verbotenen Stadt, aber sie hat mich null beeindruckt, deswegen habe ich sie ausgelassen. Allgemein haben mich die Tempelanlagen in China nicht wirklich berührt, vielleicht, weil ich mein Herz in Indien verloren habe und die Tempel dort der absolute Wahnsinn sind. Trotzdem fand ich Beijing super!

      LG

  • […] vorne auf der Liste. Doch China und vor allem diese Metropole, der im industriellen Aufschwung des Landes immer wieder Vorrang vor anderen Städten gewährt wurde, hatten mich auf wundersame Weise […]

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