Vorhang auf für die belustigenden, nervigen und seltsamen Unterschiede zwischen Deutschland und Südamerika (und vielen anderen Teilen dieser Welt):
*alles, irgendwie alles verläuft in geraden Linien und Bahnen
Autos fahren brav nebeneinander her, manche Straßen scheinen mit dem Lineal gezogen, genauso wie Gärten oder Anlagen
*Stellen, auf die man erst im Ausland so wirklich achtet, sind sauber: Kabel, Steckdosen, Zimmerecken, Abflusssiebe, Duschvorhänge, Matratzen…
ach ja. Sobald ein vom Dreck verkrustetes Kabel aus irgendeinem Elektrogerät guckt, ist es von Vorteil, eher nichts anzustecken. Manche Abflusssiebe, die mir in den letzten Wochen begegnet sind, waren so verstopft, dass ich „Schiffe versenken“ in der Dusche hätte spielen können. Und Matratzen sollten zu einem geschützten Begriff deklariert werden, denn eine Holzpritsche ist keine Matratze. Fragt mal meine blauen Flecken und Augenringe. Ich bin auch nicht mehr die Jüngste, Schätzelein.
*das Internet funktioniert i.m.m.e.r.
„Haben Sie W-LAN?“ Die angeblich meist gestellte Frage von Reisebloggern. Kann sein. Die Antwort „Ja“, heißt aber nur, dass ein Internetzugang installiert ist, nicht jedoch, dass er funktioniert. Manchmal nur nachts, manchmal reicht es nur für eine einfach aufgebaute Seite, auf der jegliche Fotos oder Videos fehlen. Zum Glück gibt es meist den Strand zur Aussicht und das Tippen offline, um die W-LAN-Flaute zu überstehen
*wenn auf den Straßen gehupt wird, dann nicht, um sich zu begrüßen, sondern, um sich anzuschreien
gerade in Indien hupt man, um „Hallo“ zu sagen. In Kolumbien hupt man, um auf sich aufmerksam zu machen. Alles ein bisschen viel für die Ohren, aber schon okay. Schlimmer ist der deutsche Fahrer, der erstmal gut und gerne 10 Sekunden die Hand auf dem Horn gedrückt hält, wenn 10 Kilometer vor ihm ein Stau entstanden ist. Man muss eben einfach seinem Unmut Ausdruck schenken.
*der Bus kommt wirklich
Man kann planen, denn das öffentliche Nahverkehrsnetz funktioniert in Deutschland auf den Punkt. Abgesehen von der Bahn, aber die macht ja ihre eigenen Regeln. In vielen anderen Ländern entscheidet der Bus, ob man eine Verabredung einhält – oder eben nicht.
*keine Kakerlaken-Parties
Kakerlaken können fliegen und überleben alles. Einfach alles. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
*Taxis sind nicht zu Discos umgebaut und haben keine Halterungen für Handys, um während der Fahrt zu whatsappen
In Cartagena bin ich in ein Taxi eingestiegen, wo auf dem Boden Kunstrasen ausgelegt wurde und die Decke einlud, sich wie in einer schlechten Großraumdisco zu fühlen. Ich musste allerdings wieder aussteigen, weil der Fahrer nur seinen Wasserkanister transportieren wollte. Verstehe.
In Medellín hatte ein fahrender Zeitgenosse seine Handyvorrichtung so an der Windschutzscheibe installiert, dass er SMS schreiben konnte, im Übrigen Liebesbekundungen, denn es störte ihn wohl nicht, dass man mitlesen konnte. Egal, ob an einer grünen Ampel oder mitten auf dem Stadtring, es wurden Herzilein geschickt – bis mir der Kragen geplatzt ist.
*wenn es regnet, ist es automatisch kalt
Es ist definitiv ein Geschenk, wenn es nicht sofort auf gefühlte Minustemperaturen abkühlt, sobald es regnet. #wtfissommerregen
*Hühnchen gehört zum Überbegriff Fleisch und vegetarisch bedeutet NICHT italienisch
Hierzu eine kleine Konversation:
Ich: „No carne, no pescado, por favor“ (Kein Fleisch, kein Fisch, bitte)
Kellner: „Sí. Y no pollo?“ (Ja. Und auch kein Hühnchen?)
Ich: „Äh.“
Pause. Ich frage mich, ob das ein Scherz ist.
Pause. Es ist kein Scherz.
Ich: „Sí, no pollo. Tienes una comida vegetariana?“ (Ja, kein Hühnchen. Haben Sie ein vegetarisches Gericht?)
Kellner: „Ah, italiano!“ (Achso, italienisch!)
Ich: „Äh.“
Ich: „No, ve-ge-ta-ri-ano?“
Kellner: „italiano?“
Ich verlasse das Restaurant.
Was habe ich vergessen? 