Die Rettung des Konjunktivs
…oder:
Wer wäre ich, wenn ich nicht ich wäre und warum bin ich nicht anders?
Immer, wenn ich auf eine öffentliche Toilette gehe und schon Schwierigkeiten habe, die Tür zu verschließen, frage ich mich, was passiert, wenn ich sie nicht mehr aufbekomme.
Und wie das so ist mit der self fulfilling prophecy, habe ich mich diese Woche unfreiwillig in der Toilette eines Cafés eingesperrt. Das Blöde war, dass ich da überhaupt keine Lust drauf hatte und dieses stille Örtchen der kleinste Platz der Welt war (stilistisch wichtige Übertreibung für einen detaillierten Einblick in die Szenerie).
Ich weiß auch nicht. Manchmal komme ich in die absurdesten Situationen und wenn ich dann drinstecke, bin ich der eine aus 100 Menschen, der sich dämlich verhält und nicht fähig ist, logisch zu denken oder sich galant aus der Situation zu lösen.
100 Leute haben wir gefragt, nennen Sie uns einen Menschen, der zu taktisch unklugen Entscheidungen tendiert…
Zur Zeit laufe ich stundenlang durch die Straßen. Ich lasse mich nicht nur außen treiben, sondern auch innen. Und merke, dass ich gerade so gar nichts mit mir anzufangen weiß. Einmal habe ich tolle Ideen im Kopf, die mir Gänsehaut bereiten, obwohl es heiß ist. Dann wiederum schwappen nur noch Reste meiner Gedanken trostlos über den Beckenrand meines Hirns… und weg sind sie. Und dazwischen frage ich mich immer wieder: Wer bin ich eigentlich? Und warum mache ich das und entscheide mich gegen jenes?
Fragst du dich manchmal bezüglich einer ganz speziellen Situation, wie du reagieren würdest? Aber du weißt es einfach nicht, weil du es noch nie erlebt hast und vielleicht auch nie erleben wirst? Beispielsweise bei einem Überfall auf der Straße, einem Besuch im Swingerclub oder beim Auto fahren unter LSD-Einfluss?
Oder, anders gefragt, du verstehst nicht, warum du dich einfach genau so und eben nicht anders verhältst? Welcher Mensch wärst du, wenn du am anderen Ende der Welt leben würdest? Wie wärst du, wenn du arm wärst? Wie wärst du, wenn du 10 Geschwister hättest?
Wer bist du eigentlich wirklich – denkst du, dass du das weißt?
Ich bin launisch. Ich bin sprunghaft und nachtragend. Ich bin neugierig. Ich bin skeptisch, ich bin leichtgläubig. Ich bin höflich, ich bin spirituell.
Ich bin voller Gegensätze und habe manchmal gar keine Ahnung, warum ich etwas tue und warum eben nicht. Und du?
In der Toilette habe ich Panik bekommen. Sinnlos, ich weiß, denn realistisch betrachtet hätten meine Freunde nach spätestens 15 Minuten nach mir gesucht. Das Schlimmste, das hätte passieren können? Einer der Café-Angestellten hätte die Tür aufbrechen müssen, um mein tomatenrotes Ich aus den Fängen der Mini-Latrine zu befreien. Wie war das früher gleich nochmal in den Mädchenzeitschriften auf der letzten Seite? Geschichte mit Peinlichkeitsfaktor DREI.
Ich werkelte an dem Schloss herum und je mehr ich begriff, dass es sich einfach nicht öffnen würde, desto mehr Gewalt habe ich angewandt. Nichts passierte. Also fing ich zaghaft an zu klopfen. Ich wäre am liebsten im Boden versunken. Ich klopfte lauter. Ich hämmerte gegen die Tür. Ach, das hätte doch echt nicht sein müssen. Vielleicht hätte ich mich einfach auf den Klodeckel setzen und meditieren sollen. Wann wird uns schließlich noch Zeit geschenkt? Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht so reagiert hätte, wie ich eben reagiert habe. Meine Güte.
Irgendwann kam jemand und hat die Tür innerhalb weniger Sekunden von außen geöffnet. Warum das so einfach ging, habe ich nicht hinterfragt.
P.S. Ich denke darüber nach, ein Buch über meine Erfahrungen mit öffentlichen Toiletten zu schreiben.
P.P.S. Dieser Song sollte in jedem Klo auf dieser Welt laufen.
(Bildquelle: Ton Haex (flickr) via cc by-sa-2.0)




So ein Buch über öffentliche Toiletten könnte doch sehr interessant werden
vielleicht sollte man dazu noch eine Menge andere Leute einladen. Die Erfahrungen sind bestimmt ganz unterschiedlich. Mach eine Blog-Parade! Dann ein E-Book, das man per QR-Code auf öffentlichen Toiletten herunterladen kann ♡
LG, Marlene vom Verrückten Huhn
jahaaa! Das klingt gut.
Love it. Ich lese gern vollgeschriebene Klotüren, manchmal stehen da ganz ähnliche Fragen drauf wie deine, nur die Antworten fehlen, was sehr bedauerlich ist…
wir machen die Antworten!