Ode an Fleischklops
Ist es verwerflich, Bat out of hell von Meat Loaf während dem Joggen in einem stillgelegten Friedhof zu hören? Der Park ist einer meiner Lieblingsplätze in München, weil er eine unglaubliche Ruhe und angenehme Kühle ausstrahlt. Das Lied ist eines meiner Lieblingslieder, es steckt so viel drin, jedes Mal ein bisschen mehr, wenn ich es höre. Außerdem war es das Einzige, was mir durch leidvolle Tage nach meiner Zahn-OP letzte Woche geholfen hat. Und es hat mich getröstet, als ich letzten Freitag mein Macbook aufklappte und mich ein blinkendes Fragezeichen vorwurfsvoll anglotzte.
Oh Baby, you’re the only thing in this whole world
That’s pure and good and right
And wherever you are and wherever you go
There’s always gonna be some light
Nein, das ist nicht gut, dachte ich mir, schließlich hat mein Laptop keine Fragen an mich zu stellen, sondern wenn überhaupt ich an ihn. Das Ende der Geschichte: Ein Garantiefall mit Verlust aller Dateien. Stichwort: Bin nicht so der Backup-Typ. Angesichts der vielen Verluste von Elektronikgeräten in meinem bisherigen Leben muss ich leider eingestehen, dass ich nur teilbegabt bin, was das Lernen aus Fehlern angeht.
Nun ist endlich eine neue Woche angebrochen, meine ganze Hoffnung lag auf den schweren Schultern eines verregneten Montags: Und nichts Tolles passierte. Früher war der Montag ja mal mein Glückstag, der immer eine fabelhafte Nachricht parat hielt – und ich damit alle in den Wahnsinn trieb, für die der Montag immer der manic day oft the week bleiben würde.
Ach herrje, wenn nicht mal mehr der Glückstag hält, was er verspricht, dann ist es wohl vorbei mit dem tollen aufregenden Leben. Dachte immer, dass ich als Schauspieler und Autor, kombiniert mit tausend verschiedenen Nebenjobs, ein unglaublich abwechslungsreiches Leben führen werde. Pustekuchen, mache genauso wie jeder andere meine Steuer (na gut, ich lasse sie machen), führe nervende Telefonate mit nervenden Ämtern oder ziehe um, im Schnitt alle zwei Jahre, wie sich nun kürzlich herausstellte. Außerdem mache ich ca. 2,5 mal Urlaub im Jahr, was deutlich über dem Durchschnitt liegt, aber man gönnt sich ja sonst nix.
Ich bin gelangweilt. Von so vielen Dingen. Viele meiner Freunde haben schon längst das beschauliche München verlassen und sind ausgeflogen in die weite Welt. Oder zumindest mal nach Bonn, aber da liegt ja der Hund begraben und irgendwas hängt über’m Zaun oder wie man so sagt. Jedenfalls formen sich die meisten gerade ihre Zukunft, und zwar so richtig. Der eine wandert nach New York aus, der andere hat eine Wahnsinnsidee. Und ich sitze da und denke mir: Mein Gott habe ich es satt, immer die zu sein, die da sitzt.
Und jetzt geht’s los.
I gotta break it out now
Before the final crack of dawn
Ildikó von Kürthy lässt ihre Figur in einem meiner Lieblingsbücher sagen: „Ich habe eine gute Figur und einen schlechten Charakter“. Ha, eigentlich ist es bei der lieben Protagonistin genau umgekehrt, sie hatte nämlich nur geträumt. Anscheinend muss man sich entscheiden, und wenn ich mir Heidi Klum so ansehe, dann nicke ich zustimmend. Baby, du kannst nicht alles haben, aber du kannst dir alles nehmen. Har har. Und die Haare wehen im Wind. Der BMI ist fabelhaft, der Charakter bedrohlich. Endlich verwegen und kühn, mit mir ist nicht mehr zu spaßen! Ab jetzt stehen die Leute am Flughafen und wehen kleine Fähnchen oder weiße Taschentücher durch die steife Brise. Und ich bin weg.
Ein mal war ich in New York, der Rückflug ging am Tag bevor das World Trade Center einstürzte. Ab diesem Zeitpunkt, als ich vor dem Fernseher saß und mit großen, weinenden Augen betrachtete, was da vor sich ging, dort, wo ich noch ein paar Tage zuvor stand und der schwarze Junge mich am Eingang begrüßte, hatte ich eine Verbindung zu dieser Stadt aufgebaut. Ich wollte immer unbedingt wieder zurück und zwar für längere Zeit. Mich mal wie ein waschechter New Yorker fühlen. Soll ich es wagen? Mir die Nase platt drücken bei Tiffany’s und den Zuckerkakao bei Dunkin’ Donuts trinken, bei dem ich das Gefühl hatte, ich würde an einem Herzversagen sterben?
Ich möchte mich auch mal verabschieden. Nicht immer andere verabschieden und eine gute Reise wünschen. Möchte mich auch mal so arrogant darauf verlassen, dass jeder meinen Werdegang verfolgen wird und wenn ich zurückkomme, alles beim Alten ist, die Leute mich umarmen und sagen: „Mensch, es war so langweilig ohne dich!“.
So we gotta make the most of our one night together
When it’s over you know
We’ll both be so alone
Like a bat out of hell
I’ll be gone when the morning comes
When the night is over
Like a bat out of hell I’ll be gone gone gone
Manche Menschen muss man einfach ziehen lassen. Viele Reiseblogger berichten, dass es ohne ihre tolle Homebase, also die funktionierende Vernetzung eines fabelhaften Freundeskreises, gar nicht klappen würde, im Jahr mehr unterwegs als in den eigenen vier Wänden zu sein. Wenn keiner zu Hause sitzt und wartet, macht das Wegsein oftmals weniger Spaß. Wer soll schließlich die Bilder liken und kommentieren? Neidisch dem Winter die Stirn bieten, während sich andere unter schattige Palmen retten? Nur mag ich nicht mehr der sein, der da sitzt. Und wartet. Kann ab heute jemand anders machen. Ab jetzt wird alles neu und kein Jahr eignet sich besser dazu, als dieses seltsame, verrückte und eigenartige 2013.
Ein gute Freundin schrieb mir zu meiner letzten Kirchen-Kolumne die Zeilen:
P.S.: Jemand der so liebt und fühlt wie du, kommt sowieso auf jeden Fall in den Himmel.
Hatte Tränen in den Augen, als ich das gelesen habe. War mir gar nicht bewusst, aber danke! Dafür, dass manche so über mich denken und meine Artikel lesen. Dann ist mir allerdings eingefallen, dass ich gar nicht in den Himmel möchte, denn ich glaube nicht dran, und wo lande ich dann am Ende? Ich glaube doch an Wiedergeburt, daher bin ich ja immer so brav gewesen. Bis jetzt. Alles wird anders, Freunde. Nennt mich bloß nicht mehr Ani, ich bin nun erwachsen. Ich bin nicht klein, ich bin groß und ich kann tun und lassen, was ich will.
Darauf nun erst mal eine Woche Kreta-Urlaub buchen. Verrucht. Und dann schauen wir mal, ob ich nach der Woche zurückkomme oder nicht vielleicht bis ans Ende meiner Tage von einem bis jetzt unerforschten Eiland im Mittelmeer Kolumnen schreiben werde!
And I know that I’m damned if I never get out
And maybe I’m damned if I do
But with every other beat I got left in my heart
You know I’d rather be damned with you
Well, If I gotta be damned you know I wanna be damned
Dancing through the night with you


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