Von heute auf morgen.

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich ganz gewöhnlich um acht Uhr morgens aufgestanden, habe mir einen Kaffee gemacht und dazu die Internetlandschaft durchstöbert. Das mache ich jeden Morgen. Doch an diesem Tag hatte ich beschlossen, dass ich etwas ändern musste. Ein neuer Job sollte her, nicht nur, weil das Bankkonto mir meine letzten Auszüge demonstrativ ins Gesicht schleuderte, sondern auch, weil ich auf einmal lustlos war, ich fühlte mich getrieben und doch gleichzeitig absolut antriebslos.
Daraufhin folgten zwei Stunden digitale Suche nach einem neuen Job, in dem ich Erfahrung hatte, der mir aber doch bitte mal wieder ordentlich den Kopf verdrehen sollte.
Ich fand nichts.
Frustriert und mit schmerzenden Augen kroch ich um halb 12 zurück ins Bett. An einem Montagmorgen. Und ich erinnerte mich an die Zeit zurück, direkt nach dem Abschluss an meiner Schauspielschule. Als der Schweiß, der sich mit Theaterschminke vermischt hatte, vom Gesicht gewaschen war und wir alle einsam im Pyjama vor dem Laptop saßen, irgendwie unschlüssig, wie es nun weitergehen sollte, in einer kaum zu ertragenden Warteposition.
Scheiße, und wer ruft uns jetzt an?
Damals war ich eine der wenigen, die eine unbändige Motivation hatte. Die letztendlich belohnt wurde mit zwei Drehtagen für ein Format des ZDF. Und genau so sollte es an diesem Montagmorgen auch werden. Mir fielen die Augen zu, mit einem Stoßgebet, dass ich doch bitte etwas finden würde, was mich wieder ein bisschen mehr glücklich macht, in den Zeiten, in denen ich nicht durch fremde Länder streifen könnte.
Ich wachte auf mit einer Idee, schrieb eine Bewerbung, ohne diese großartig zu überdenken (DAS kann, nein MUSS ich jedem empfehlen, der wie ich ein eigentlich totaler Kopfmensch ist), und zwei Tage später trat ich meinen neuen Job an. Weil sich alles gefügt hatte.
Und nun bin ich - das ist auch der Grund, warum es hier in letzter Zeit etwas stiller wurde - in der Chefredaktion eines kleinen Magazins aus München. Unter meiner Leitung bringen wir gemeinsam Mitte September die dritte Printausgabe heraus und während mir der Angstschweiß von der Stirn perlt, freut sich die Macherin in mir. Wir kriegen das hin.
Und was passierte dann? Natürlich folgte auf die Zusage auch ein Rollenangebot. Das war schon immer so. Wenn ich unfreiwillig das Schauspiel-Dasein pausiere und es mir immer schwerer fällt, auf die Frage, was ich denn so mache, wirklich zu antworten, ich sei Schauspielerin, wird mir natürlich keine Tür geöffnet. Nein, da passieren nur solche Dinge, dass ich die Bunte aufschlage und mir mein Exfreund entgegengrinst, der damals beim Casting für eine Biermarke die Männerrolle bekommen hatte, während ich ohne Zusage nach Hause stapfte. Sowas passiert dann. Schön, dass der immer noch daran verdient. Ach, ich freue mich.
Aber wenn mein Leben dann wiedermal randvoll ist mit Arbeit - und damit meine ich nicht leidige Nebenjobs, um die nächste Reise zahlen zu können - dann kommt auch wieder die Schauspielerei.
Ich habe abgesagt. Nicht nur, weil es für mich derzeit nicht möglich ist, knapp 40 Seiten Text in einer Woche zu lernen, sondern auch, weil ich beim Lesen des Drehbuchs merkte, dass es mich so gar nicht erfüllen würde. Und das ist wiederum etwas, was mich nicht nur traurig, sondern auch glücklich macht: Ich kann und darf nun auswählen, was ich wirkliche machen möchte. Ich kann ruhig schlafen, weil ich am Ende des Monats mir immer noch etwas zu essen kaufen kann, obwohl ich ein Angebot ausgeschlagen habe.
Am Wochenende habe ich einem Freund an der Hff zugesagt, eine Rolle in seinem Musikvideo zu übernehmen, welches er für eine Münchner Band dreht. Natürlich ohne Gage. Früher hätte ich das zähneknirschend gemacht und auch heute mache ich das nur, weil er ein Freund ist. Und weil ich Lust drauf habe, Teil eines Projekts zu sein, von dem ich jetzt schon weiß, dass es großartig wird. Und ich mich nicht hinter den Zeilen verstecken muss.
Denn mittlerweile schreibe ich meine Eigenen. Schreibe fleißig weiter an meinem Roman, träume mich immer noch in Hauptrollen. Und während ich nun endlich den Mut und das Kleingeld habe, ein Angebot abzulehnen, weiß ich, dass das nächste kommen wird. Ich merke, dass ich ganz woanders stehe. An einem verdammt richtigen Plätzchen, wo mehr möglich ist, als eine Sache.
Vor ein paar Tagen habe ich mir die Zeit und Muse genommen, einem alten Bekannten lang und breit und sehr ausführlich zu erklären, was ich beruflich gelernt habe und welche Jobs ich mittlerweile ausübe. Dass das alles sehr wackelig ist und gleichzeitig einen festen Alltag bekommen hat. Mit zwei Standbeinen auf dem Boden.
„Ich finde dich bewundernswert“ hat er gesagt. Gerade heraus und ehrlich. Einer der wenigen, der mich nicht versucht hat umzustimmen oder gefragt hat, ob mich das glücklich macht. Vielleicht genau deswegen, weil man mir mittlerweile ansehen kann, dass es das Richtige für mich ist.
Und das wünsche ich euch allen genauso.
Ich würde mich unglaublich freuen, wenn ihr mit mir teilt, in welchen kuriosen Ideen ihr steckt und wie es möglich ist, mit all diesen Dingen das Bio-Roggen-Vollkorn-Brot zu kaufen und es mit Bergkäse aus der Theke zu belegen.
P.S. Am Wochenende geht mein erster Newsletter heraus. Es gibt u. a. eine kleine Geschichte eines Lesers, die nicht nur fantastisch geschrieben ist, sondern mich auch sehr berührt hat. Wer sich noch nicht eingetragen hat (ganz unten oder ganz rechts bei “News! News! News!”), kann das gerne noch tun, ich freue mich drauf!


Follow




Oh wie schön! Freut mich für dich. Alles Gute! Wie heißt denn das Magazin?
Danke!
Das mucbook in der Printausgabe
Und bei der digitalen Version werde ich auch bisschen mitmischen.
Oh man, oh man, das war jetzt ein wichtiger Text für mich und vielleicht ein notwendiger Tritt in den Hintern (ähem, Kopfmensch hier, der vor lauter Zerdenken gerne mal zur Salzsäule erstarrt!);)
Ich drücke dir die Daumen für alles was jetzt kommt! Ich bin mir sicher, das wird grandios!
Und noch eine Frage: Wird die Printausgabe nur in/um München erhältlich sein oder gäbe es eine Chance, auch hier daran zu kommen?
Danke dir, Gina!
Ich glaube nur in München. Aber ich schicke dir gerne eine hoch, denn die Inhalte der Printausgabe beziehen sich dann doch eher aufs Leben, während die Inhalte der digitalen Ausgabe nur ums Kulturelle und Geschehen in München gehen
Keine kuriosen Ideen hier, einfach Alltag: Sommerferien … Filius wach gekitzelt … er hat mir seine Lieblingssongs auf seiner neuen (ur-alten, von Opa abgestaubten) Stereoanlage vorgespielt … ich dazu getanzt (Filius meint, ich solle das lieber lassen) … ich ihn gefragt, ob wir mal zusammen in die Disco sollen … Filius dazu nur mit den Augen gerollt … kein Bio-Roggenbrot heute früh, aber am Donnerstag wieder Kartoffeln & Co. vom hiesigen Bauern … Filius möchte dann sofort Kartoffelsalat … Freu mich, dass ich meinen Filius habe, auch wenn meine Uhr eher nach seinem Rhythmus tickt, als nach meinem : )
ohhh! wie toll.
Danke für den schönen Einblick in einen so schönen Alltag!
Ich werde gerne darauf zurück kommen
Liebe Anika,
herzlichen Glückwunsch zu diesem Schritt! Toll, wenn man so schnell für sein Engagement belohnt wird und sich die Dinge fügen, wenn man schon so gar nicht mehr wusste, wie es weitergeht.
Ich bin auch so ein wackelig-fester Mensch. Ich arbeite als Flugbegleiterin, ich blogge und bin freie Mitarbeiterin in einer Marketing-Agentur. Klingt chaotisch, und ist es manchmal auch - aber so erfüllend wie nichts anderes. Für mich. Ich stoße immer wieder auf Unverständnis und muss mindestens einmal die Woche erklären wie ich denn nun eigentlich Geld verdiene, was ich überhaupt mache und wie viel davon. Das ist manchmal nervig. Aber mich macht es glücklich, und ja, es füllt meinen Kühlschrank.
Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg und freue mich immer, wenn es hier was Neues von dir zu lesen gibt!
Lisa
ach.
das klingt total spannend!
so schön, danke.
Oh Glückwunsch, was für schöne Neuigkeiten!
Liebe Ani,
vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich bin erst vor kurzem durch Zufall auf Deinen Blog gestoßen. Ich bin sehr erleichtert zu hören, daß auch andere Menschen da draußen so ähnlich ticken wie ich. In meinem Bekannten-und Freundeskreis werde ich auch immer nur schräg angeschaut….und von meiner Familie will ich gar nicht reden. Ich habe noch nie den “klassischen” Weg gemocht. Ich wollte es immer irgendwie anders machen. Geld war mir nie sehr wichtig. Reichen musste es bloß. Ich habe eine Ausbildung gemacht, bin danach direkt ins Ausland und habe etwas total anderes gemacht, dann ins nächste Land und wieder komplett anders funktioniert. Ich habe viele Länder bereist und hatte nie vor mich festzulegen. Viele beneiden mich, aber tauschen wollen sie auch nicht. Ich finde mein Leben eigentlich toll und bereue zurzeit nichts, aber manchmal habe ich so Momente wo ich denke: Wäre es nicht schön etwas mehr Sicherheit zu haben? Ein festes Zuhause? Und wie ist es im Alter? Solltest Du Dein Leben langsam ändern? (Bin jetzt 31) Ein hin und her. Aber ich denke, daß ich erst Ruhe gebe, wenn mir meine Seele sagt, daß ich hier uns jetzt stoppen soll, um zu bleiben. Vorher nicht…..Nach Jahren in Indien, versuche ich jetzt mal für länger wieder mal Australien. Mal sehen. Werde auf jeden Fall fleissig darüber bloggen
Finde toll was Du alles machst. Super, daß Du auch Bücher schreibst. Habe mir auch Deine Radiosendung angehört. Du wirkst sehr sympathisch. Alles Gute.Gruß aus Wien
Liebe Mascha,
was für ein toller Kommentar von dir, ich freu mich sehr, dass du dir so viel Zeit nimmst, mir hier zu schreiben und meine Frage zu beantworten.
Ach, 31 ist doch kein Alter, mach dein Ding. Was gibt es Schöneres, als das Gefühl zu haben, alles richtig zu machen?
Ich wünsch dir ganz viel Spaß in Australien und behalte jetzt mal deinen Blog im Auge : )
Alles Liebe und danke für die Blumen!
Ach Anni, immer wieder auf den Punkt! Du machst alles richtig! Immer aus dem Herzen! Das kann nur gut gehen!
Julia! Du bist ein Goldstück.
Mensch anni!
das ist ja super das du jetzt auch geld mit deiner schreiberei verdienst! ich hab oft deine beiträge/blogs gelesen und finde du hast es verdient dafür entlohnt zu werden… das mit den standbeinen scheint aber in unserer generation schon fast standard zu werden, kaum einer kann sich in dieser unglaublich teuren, aber auch nicht zuletzt deswegen so wunderschönen stadt, allein auf eine einkommensquelle verlassen…
bleib dran sweet- du rockst das schon!
viele grüsse aus dem lehel
Ralfi! Ich hab dich letzt auf dem Radl gesehen, aber du warst so schnell : ))
DANKE für deine lieben Worte, ich freu mich so, dass du das hier gelesen hast. Yeah.
Ich komm dich auf der Wiesn besuchen, as always. Grüße aus der Maxvorstadt!
Ich freu mich für Dich! Und es ist super, wenn das Schreiben auch genug für´s Roggenbrot und den Käse aus der Käsetheke, nicht den faden Eingeschweißten
abwirft!
Und, ja, diese Fragen! Stefan und ich grübeln beinahe täglich, was, wie und überhaupt kommen soll- auch wenn wir noch lange nicht Daheim sein werden. Manchmal stöber ich -zur Beruhigung und aus Neugierde- Jobbörsen durch. Das war heute wieder der Fall, und tataaa da lese ich Deinen Post und denke mir: wird schon werden
Danke, liebe Ani!
Bitte : )
Ich freu mich echt über jeden, dem es ähnlich geht. Habt ihr denn schon einen groben Plan, wann ihr zurückkommen werdet? Ich durchstöbere so oft Jobbörsen, hab aber bisher die meisten Jobs bekommen, indem jemand auf mich zugekommen ist. Auf die absurdesten Weisen. Also vielleicht auch einfach mal zurücklehnen und das Universum machen lassen.