logo

Wenn die Seele Striptease lernt

Es war wohl auch die Hitze, die mich in letzter Zeit so verkopft gemacht hatte. Natürlich kann man das nicht einfach auf sie schieben, aber sie hat zu meiner Lethargie in Kopf und Körper beigetragen. Nichts funktionierte, alles stagnierte. Ich hoffe, ich bin bei diesen Zeilen nicht die Einzige, die sich manchmal fragt, wo das Leben denn nun hinführen soll. Wo ich mich leiten und einfach mal vertrauen kann und was ich unbedingt selbst in die Hand nehmen muss.

Kennen wir das alle? Die Sehnsucht nach einem Sommersturm, der die staubtrockenen Gedanken aufwirbelt und wieder Klarheit schafft?

Ich bin persönlich sehr schwer zu ertragen, wenn ich das Gefühl habe, dass nichts so läuft, wie ich möchte. Wie sollen andere meine Launen weglachen, wenn ich mich am liebsten selbst in ihnen ertränken würde? Es kann ein Teufelskreis sein, diese Unzufriedenheit. Man erkennt sie ja oftmals schon, bevor sie da ist, aber meistens lässt man sie trotzdem zu, obwohl man weiß, dass sie einem nicht viel bringt.

Ich habe in letzter Zeit sehr halbherzig die Dinge verrichtet, die mir eigentlich Spaß machen. Bei einem Drehangebot war ich kurz davor abzusagen, weil ich keinen Text hatte, sondern nur ein kurzes Mimikspiel. Lieber wäre ich im Bett liegen geblieben, als für eine 10-Sekunden-Szene kurz das Land zu verlassen und mich den Tag an einem heißen Set herumzudrücken. Und auch bei dem ein oder anderen Blogtext quälte ich mich an den Zeilen entlang. Ich hatte keine Lust zu schreiben, ja, irgendwie hatte ich auf nichts Lust, außer schlecht drauf zu sein und mal zu sehen, was mir das so bringt.

Dann kam die Wut. Die Wut auf die Umstände, aber Gott sei Dank auch auf mich selbst. Vor allem darauf, dass ich (wohl aus meiner Widdernatur heraus), erst Mal richtig leiden und jammern muss, um den Spieß umzudrehen, die Energie, die ich eigentlich habe, richtig einzusetzen – und mit voller Wucht durch die Wand zu brettern. Das, was ich doch eigentlich so gut kann.

Doch manchmal brodelt es so vor sich hin, direkt unter der Oberfläche, so stark, dass es an den Nerven zehrt und doch so versteckt, dass man es nicht greifen kann. Anders ausgedrückt: Mann kann wegschauen, so lange man will.

Heute ist das Ende der Ignoranz gekommen. Mit unglaublich pochenden Kopfschmerzen lag ich flach. Ich spürte die Traurigkeit in mir, die mir zeigte, dass einiges so ist, wie ich es nicht möchte. Ich spürte die Angst vor der Zukunft in mir, weil ich nur erahnen kann, was in den nächsten Monaten auf mich zukommen wird. Keine Kontrolle zu haben ist ein Zustand, den ich herzlich wenig schätze, weil ich mit ihm am wenigsten umgehen kann. Schon ironisch, dass ich am meisten damit konfrontiert werde.

Nachdem ich meinen Schmerz im Kopf überwunden hatte, folgte dieses unglaubliche Sommergewitter und am liebsten hätte ich mich auf die Straße gestellt, die Augen geschlossen und all den Gedankenschlamm der letzten Wochen hinwegwischen lassen. Und mit ihm meine Unsicherheiten, die schon lange nicht mehr so unüberwindbar im Raum standen, wie sie es derzeit tun. Ein großer, grauer Elefant, der nicht weiß wohin und auch eigentlich nichts kaputt machen will, steht in der Mitte des Zimmers und schaut mich ein bisschen verwirrt an. Ich schaue verwirrt zurück. Wir beide sind gerade deplatziert und fehl am Platz. Er seufzt. Ich auch. Hach, ich weiß es doch auch nicht.

So ein Gewitter im Kopf ist der große Knall, der hoffentlich den unvermeidbaren Richtungswechsel ankündigt. Ein Paukenschlag, der nötig ist, alles andere scheinen wir ja zu überhören.

In knapp zwei Wochen ziehe ich in dieses Zimmer. Ich ziehe bei einem Menschen ein, von dem ich weiß, dass er meine Launen, Gewissensbisse und Verwirrtheit mit stoischer Ruhe ertragen kann. Anscheinend können sich die Dinge wohl doch ändern, wenn man einfach nur vertraut.

Und was das Gewitter in meinem Kopf angeht, so merke ich, dass alles in mir auf Anfang steht. Außer meine Frisur, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Ich will Neues erleben, obwohl ich die Basis nicht verlieren möchte. Und das ist der Clou. Ist es möglich, die Zeichen auf Anfang zu setzen und doch nur das zu ändern, was man ändern möchte? Und was ist das eigentlich? Wo setze ich an? Wem übergebe ich meine Wunschliste?

Ja, ich will. Nur was?

und das passierte in München währenddessen:



Hinterlasse eine Antwort


Get Widget