ani-denkt-zugfahren-indien-gastbeitrag005-1600x1066
AsienIndienReisen

Mich von Mumbai zu verabschieden, das war gar nicht so leicht. Ich hatte mich in die Stadt genauso schnell verliebt wie in das gesamte Land. Zwar war ich wie jeder andere Tourist wohl auch übermannt von dem Chaos, dem Dreck und den Farben Indiens, aber trotzdem oder vielleicht genau deswegen war ich vollkommen ruhig und entspannt. Ich saugte alles in mir auf und lies meine Eindrücke in Form von Glücksgefühlen wieder frei.

Mumbai ist eine im Verhältnis zum Rest Indiens sehr westliche Stadt. Hier werden die Bollywood-Streifen gedreht, hier gibt es eine Müllabfuhr, hier findet man Coffee-Shops mit Pancake-Auswahl. Das braucht man zwar alles nicht unbedingt, wenn man das reine Indien kennenlernen möchte, ist aber trotzdem charmant. In Mumbai habe ich einfach mal durchgeatmet. Und mich in den Schatten spendenden Alleen ausgeruht.

Trotzdem hieß es vorerst Abschied nehmen, denn der Zug stand um 23 Uhr bereit auf seinem Gleis Richtung Goa. Ich hatte schon in Deutschland aus einer verrückten Idee heraus beschlossen, in der dritten Klasse des Zuges nach Goa zu reisen.

Warum dritte Klasse, wenn man auch die erste haben kann? Weil ich so viele Horrorgeschichten über die niedrigste Klasse gehört hatte, dass ich mich unbedingt selbst davon überzeugen wollte. Da Indien meine erste große Reise war, wollte ich einfach alles mitnehmen. Leider bin ich mit der Internetseite der indian railway von Deutschland aus überhaupt nicht zurechtgekommen, also bat ich einen Mann aus Delhi, den ich später dort traf, mir zwei Tickets zu buchen. Ich entspannte mich, dachte mir noch großspurig so macht man das und nahm vor Ort die Tickets für meinen Freund und mich dankend entgegen. Der größte Anfängerfehler, den man hätte machen können…

Das indische Buchungssystem für Züge ist sehr komplex – aus dem fast schon charmanten, aber nicht nachvollziehbaren Grund heraus, dass die Inder es lieben, komplizierte Bürokratie zu betreiben. Und – dieser Grund ist verständlicher – weil das ganze Volk per Zug reist. Diese Massen müssen erst mal transportiert werden. Und genau deswegen wurde beschlossen, Touristen aus anderen Ländern bei der Ticketbuchung den Vortritt zu lassen. Und die Inder selbst müssen warten. Darauf, dass früh gebuchte Tickets storniert werden und man nachrücken kann. Am Tag der Abfahrt geht also die indische Familie mit Sack und Pack an das Gleis und liest auf einer Liste, ob sie dabei ist oder nicht. Wenn nicht, kann man nach Hause gehen (macht keiner) oder steigt trotzdem ein (macht jeder). Ohne Platz zu reisen heißt, auf dem Boden zu liegen oder sitzen. Das wird vom Schaffner zwar nicht gerne gesehen, jedoch toleriert.

Aber zurück zu mir und meinem brillanten Plan, der sich als dämlich herausstellte: Wir waren durch die Buchung des Einheimischen natürlich geparkt auf der Warteliste. Und der nette Herr aus Delhi hatte gut und gerne darauf verzichtet, uns das zu kommunizieren. Letztendlich hatten wir riesiges Glück, im letzten Moment als zwei von wenigen Plätzen noch nachrücken zu dürfen und dadurch zwei Schlafliegen ergattern zu können.

In der dritten Klasse angekommen, zog ich mich nach oben auf meine Liege und beobachtete still das Treiben unter mir. Das Zugabteil glich in seiner Art und Weise einem typisch indischen Mikrokosmos: Herumrennende Kinder, Erwachsene, die ihre Plätze suchten, alte und verwirrte Menschen, Chai-Verkäufer, die in monotonen chai-chai-chai-Rufen das heiße Getränk im Minutentakt anboten. Es war ein einziges Gewusel und ich fragte mich, wie ich da schlafen sollte. Nachdem ich meine in verschiedenen Brauntönen dreckige Liege mit einem Desinfektionsspray abgewaschen hatte und verblüfft bemerkte, dass diese ja blau war, rollte ich meinen Schlafsack darauf aus. Ich legte meinen kleinen Rucksack mit den Wertsachen in den Schlafsack zu meinen Füßen und verschloss ihn mit einem kleinen Vorhängeschloss. Dann zog ich den Reisverschluss des Schlafsacks bis zu meinem Kinn zu, setzte meine Schlafbrille auf und steckte mir Ohropax in die Ohren. Und befasste mich mit meinem größten Problem beim Reisen: den öffentlichen Toiletten. Im Fall von Indien: Generell allen Toiletten.

Das Land hatte mich mit seinem Dreck auf den Straßen und in den Tempeln, der Kakerlake im Zimmer und Haaren im Essen nicht in die Knie gezwungen. Ich war vorbereitet und gewappnet gewesen. Aber diese eine Sache, diese Sache mit den öffentlichen Toiletten macht mich einfach wahnsinnig. Wahnsinnig vor Angst, pinkeln zu müssen. Erst kommt der Gestank, der die unvermeidbare Wahrheit prophezeit. Dann kommt die Tatsache, indem man durch halb geschlossene Augen schielt und um sich blickt. Und dann kommt die eigentliche Aktion, gefolgt von einer unausweichlichen Akzeptanz der Latrinensituation.

Der Vorteil meiner Attitüde: Niemand kann so lange einen Gang zum Klo aussitzen wie ich, die Prinzessin mit Panikattacke. Somit war meine eigens aufgebürdete Herausforderung für die Nacht entstanden: Ich würde nicht zur Latrine gehen. 12 Stunden seien ja wohl machbar. Also trank ich nichts mehr und aß noch ein paar Vollkornkekse. Ich machte die Augen zu und wachte am frühen Morgen wieder auf.

Alles tat weh. Auch meine Blase. Nachdem die Fahrgäste um mich herum langsam wach wurden, bekam ich mit, dass wir normal-indische drei Stunden Verspätung hatten. Ich glaube, ich wurde in dem Moment leichenblass.

Es war eine Mischung aus Faulheit, Dummheit und purer Angst, die dazu führte, weiterhin das Klo zu meiden. Entgegen meiner Gedanken, denn die kreisten wie Aasgeier um das Loch im Boden. Also lenkte ich mich ab mit weiteren Keksen und dem Zusammenräumen meiner Sachen. Gefühlte hundert Stunden später fuhr der Zug in den Bahnhof von Margao ein. Meine zusammengekniffenen Beine schleppten mich hinaus, dort suchte ich mit irrem Blick eine Toilette, fand sie, öffnete die Tür – und dachte mir, dass ich doch verdammt noch mal lieber im Zug gegangen wäre.

Für die Rückfahrt nach Mumbai zwei Wochen später hatte ich Plätze in der zweiten Klasse gebucht. Sie war kaum sauberer und Ungeziefer gab es in rauen Mengen. Auch eine kleine Maus, der ich schnell eine gute Fahrt wünschte, bevor sie im anderen Zugteil Platz nahm.

Während diesem Rückweg sprang ich über meinen Schatten. Ich ging auf die Zugtoilette und stellte ernüchtert fest, dass sie nicht dreckiger war, als die der Deutschen Bahn.

Wie ich es liebe, mich auf Reisen überraschen zu lassen.

 

goa
AsienIndienReisen

Mumbai. Bombay. Wie auch immer, ich habe mich verliebt. Die Stadt am Meer, verteilt auf mehreren Inseln, ist kosmopolitisch und die Architektur durch den einzigartig schönen Kolonialstil der Portugiesen geprägt. Im Herzen ist sie indisch und doch irgendwie anders als alles, was ich bisher im Norden gesehen hatte. Es ist schon fast so sauber hier, wie in einer abgelegenen, spanischen Stadt – als doch tatsächlich eine Müllabfuhr meinen Weg kreuzt, kann ich meinen Augen kaum trauen.

Colaba
Street Art zwischen den Vororten

Im Bankerviertel legen sich die geschäftigen Inder mittags in die schattigen Parks oder verspeisen Köstlichkeiten an den Straßenständen. Hier wird mit den Füßen abgestimmt, d.h. je mehr Menschen an einem Stand stehen, desto leckerer und vertrauenswürdiger ist es dort. Für umgerechnet 37 Cent bekommen wir eine riesige Portion Reis mit was auch immer. Nachschlag? Gerne. Kostenlos. Wenn man fast drei Wochen lang morgens und abends essen geht und dann an einem solch nichtig aussehenden Straßenstand die kulinarische Erfüllung seines Lebens findet, kann man sich nur wiedermal Eines denken: typisch Indien. Und so schlendern wir durch die von üppigen Pflanzen und riesigen Bäumen umrahmten Straßen, atmen die Meeresluft ein und weichen regelmäßig den hupenden Tuk-Tuks und Taxis aus. Für eine ca 16. Mio. große Stadt ziemlich relaxt.

 

Am India Gate I Mumbai

Man vergisst schnell, dass über die Hälfte der Einwohner von Mumbai in Slums leben, z. B. in Dharavi, einem der größten Slum Asiens und Schauplatz von „Slumdog Millionaire“. Also setzen wir uns für ca. 30 Minuten in einen mit Menschen vollgestopften Zug und fahren dorthin, zum echten, rohen Indien, wie manch einer sagen würde, der Mumbai nichts abgewinnen kann.

Wer denkt, es könnte in Dharavi gefährlich zugehen, der liegt falsch. Zumindest ist das meine Erfahrung in den Teilen, in denen ich war. Die Menschen dort erwarten nichts von Touristen, es gibt keine Schlepper oder aufdringliche Verkäufer. Niemand schaut uns neidisch oder gar argwöhnisch an. Hier ist alles echt und deswegen auch so angenehm authentisch. Mitten reingeworfen in die Armut und den Dreck, erkenne ich wiedermal die Farben. Alles ist bunt, auch die kleinen Häuser, sofern es keine Lehmhütten oder Zelte sind. Die Kinder sind nicht von den Eltern auf das Betteln trainiert, sondern strahlen uns nur an, geben uns die Hand oder rufen fröhlich „hey, how are you?„.

Es kommen uns junge, muslimische Mädchen entgegen, die adrette Schuluniformen tragen. Eine Gruppe Kinder spielt Cricket auf der Straße, während die Älteren im Schatten schlafen. Unglaublich schön ist es hier, die Nähe zum unverfälschten Leben, zum greifbaren Glück und dem puren Sein. Leider bleiben uns aus Zeitgründen nur drei Tage für diese tolle Stadt und so steigen wir um kurz vor Mitternacht in den Nachtzug nach Goa.

 

Die Sitzplatzreservierungen der 24 Zugteile sind eine Kunst für sich. Da die Züge immer restlos ausgebucht sind, haben Ausländer den Vortritt. Blöderweise wussten wir das nicht, als wir unser Ticket von einem Einheimischen haben kaufen lassen, und somit erfahren wir am Gleis, dass wir doch ernsthaft auf der Warteliste stehen würden. Ein paar Konversationen später, findet ein sehr hilfsbereiter Zeitgenosse heraus, dass wir den Wartepositionen 94 und 95 zugeteilt sind, allerdings schon über 100 Tickets storniert wurden (was wohl total normal ist). Und somit haben wir sie sicher: zwei mehr oder weniger harte Pritschen in einem großen, offenen Zugabteil. Gute 12 Stunden liegen vor uns, das reinste Abenteuer: Wenig Schlaf, schmerzende Körper, minütliche, monotone „Chai-Chai-Chai“-Rufe der Verkäufer und die längste Zeit meines Lebens, in der ich nicht auf der Toilette war (insgesamt knapp 14 Stunden, ich muss das mal mit dem Guinness-Buch der Rekorde abklären)
Doch voller Hoffnung (und immenser Vorfreude auf eine Dusche) kommen wir da an, wo wir unsere letzte Woche verbringen wollen: im Paradies.

Süd-Goa mit seinen teilweise verlassen wirkenden Stränden bietet abseits vom Trubel alles, was ich mir nun wünsche: Einen Ort, an dem die Zeit still steht. An dem ich immer das Meeresrauschen höre – scheinbar führen auch in Indien alle Wege ans Meer.

Es macht unglaublich Spaß, dieses einfache Leben zu leben: Wäsche mit der Hand waschen und in der Brise des Meeres trocknen lassen. Mit dem Roller das Hinterland erkunden und sich mit Einheimischen unterhalten. Den lokalen Bus nehmen und in sich hineinlachen, weil der Fahrer auf einmal 90er-Schnulzen von Celine Dion und Enrique Iglesias aufdreht. Ein bisschen Feilschen um die letzten Schnäppchen… bei alledem muss ich immer wieder an den Satz von Daniel denken, einem unglaublich sympathischen Rastafari aus Australien, den wir mit seiner Freundin in Mumbai kennengelernt hatten. Nach 10 Jahren „on the road“ ist ihm nämlich eine Sache klar:
„It’s so much fun missing your flight on purpose!“

Und ich möchte jetzt auch meinen Flug verpassen. Für immer hier am Meer sitzen. In die großen Wellen blicken und den überraschend starken Wind die Hitze davontragen fühlen.

Aber Deniz sagt, dass es so schön war, weil es einen Anfang und ein Ende hat. Also packe ich meinen Rucksack zum allerletzten Mal. Und verpasse meinen Flug nicht. Zumindest diesmal.

Kühe everywhere // Agonda Beach

Sonnenuntergang // Agonda Beach, Goa

 

Reiseroute und Tipps:

  • Flug von Delhi nach Mumbai, zu empfehlendes Hostel: Sea Shore Hotel, unbedingt Zimmer mit Meerblick buchen!
  • wer auf Nummer sicher gehen möchte, der schaut sich in Colaba um, ein sehr schönes Fleckchen mit viel gängigem Tourismus und dem berühtem Four Seasons, zu dem Marianna vom Weltenbummlermag hier ein paar tolle Fotos gemacht hat)
  • die Straßenstände, an denen man das oben erwähnte, fantastische Essen bekommt, befinden sich alle in kleinen Seitenstraßen südlich des Hauptbahnhofes.
  • Achtung: In Dharavi keine Fotos machen!
  • Zugfahrt von Mumbai nach Margao (Goa): Meine zwei Lieblingsstrände (Agonda Beach, nahe dem bekannten, meist überfüllten Palolem Beach, und Benaulim Beach)
  • Wahnsinnig gutes, hochwertiges, veganes und vegetarisches Restaurant in Agonda: Blue Planet.
  • wer Ruhe und Erholung sucht, sollte den Norden Goas generell meiden. Der komplette Ministaat ist sowieso schon überfüllt mit ballermann-ähnlichen Touristen aus Russland, die einen überall mit abgefahren schlechtem Techno taub spielen und dem Koch ihren Hummer mit „make it yummy yummy!“ entgegenstrecken. Südgoa ist sehr relaxt und vor allem abseits der Hochsaison findet man hier einen Platz ganz für sich.

-> unbedingt einen Roller mieten, das ist in Indien so unglaublich einfach, billig und reibungslos. Man kommt damit gut in Goa voran und die Fahrt durch das Grün mit einem warmen Wind in den Haaren ist unbezahlbar!

Hast du noch weitere Tipps?

 

delhi
AsienIndienReisen

Wir steigen in ein Auto am Flughafen von Delhi und vor uns liegen erst einmal zwei Wochen Sightseeing durch Rajasthan bis hoch in den Punjab an die pakistanische Grenze. Das Erste, das ich erlebe, ist ein kleiner Junge, der an die Fensterscheibe klopft und mich bittet, ihm Geld für Essen zu geben. Abgesehen davon, dass ich noch überhaupt keine Rupien in der Tasche habe, atme ich tief durch und nehme mir vor, niemandem einfach so Geld zu geben, weil es einfach zu viele sind, die betteln. Allerdings die Erlaubnis, von mir Bilder zu machen. Das ist nämlich so eine Sache hier, die ich noch nie woanders erlebt habe: Die Menschen starren mich an. Als käme ich nicht aus Europa, sondern von einem anderen Planeten. Sie bitten höflich, Fotos mit meinem Freund und mir machen zu dürfen, Babys werden mir in den Arm gelegt. Ich verstehe es nicht, aber schnell wird klar: Hier gibt es wenig zu verstehen, hier geht es um Gefühle. Um Eindrücke. Berührungsängste waren.

Mir geht es in den ersten Tagen genau so, wie es mir prophezeit wurde: Ich bin wie ein Schwamm, der alles aufsaugt, erst mal die Ereignisse rein in den Kopf und ins Herz, verarbeiten kann man später. Das Ganze zusammenzufassen ist nicht so leicht, aber es gibt besonders nachwirkende Erlebnisse:
Da wären die skeptischen Blicke von gleichaltrigen Mädchen. Und wenn ich sie dann anlächle, strahlt ihr ganzes Gesicht.
Das Licht, das ich so noch nie gesehen habe. Es ist durch den Dunst über den Städten unglaublich weich und je nach Tageszeit taucht es den Himmel in verschiedene Orange-Töne.

Und die Tempel der Sikh, wo jeder willkommen ist und kostenlos ein Essen bekommt. Man sitzt in Reihen auf dem Boden, bekommt Daal, Brot, Wasser und manchmal eine Art Milchreis, bis man satt ist. Egal, ob man Tourist ist oder einer anderen Religion als der des Sikhismus angehört: Jeder kriegt Essen und keiner muss zahlen. Danach werden die Blechschüsseln in Asche gewälzt und abgewaschen. In den goldenen Tempel von Amritsar - dem wichtigsten Tempel der Sikh - pilgern zig Tausende pro Tag. Die Ruhe und Harmonie, die Gesänge in diesem Tempel sind unglaublich friedvoll und strahlen etwas Magisches aus. Wer nicht zum Beten kommt, kommt wenigstens zum Essen. Das Kochen, Servieren und Spülen für Millionen von Menschen im Jahr funktioniert übrigens reibungslos und nur auf der Basis freiwilliger Arbeit sowie Spenden.

Der Goldene Tempel // Amritsar
Anstehen am Goldenen Tempel

Auf der anderen Seite ist es nicht möglich, die Müllberge, den Dreck und die beispiellose Armut zu übersehen. Auch der Verkehr bleibt unvergessen. Binnen Sekunden werden alle Regeln gebrochen, die es an sich gar nicht gibt. Während ich unterwegs auf schlechten Strassen betend im Auto sitze und hoffe, dass das Überholmanöver des Fahrers gut ausgeht, kommt uns ein vollkommen surreal überladener LKW entgegen. Er rast so schnell auf uns zu, dass er erst gefühlte 10cm vor dem Aufprall wieder auf die eigene Spur wechselt. Die heiligen Kühe, die mitten auf der sogenannten Autobahn stehen, tun ihr Übriges dazu. Hier sagt man daher, dass man auf den Straßen nur drei Dinge braucht:
good horn, good break, good luck.

Jodhpur

Einen Tag vor dem Holi-Festival kommen wir in Jodhpur an. Und auch hier überrascht dieses Land und somit befinden wir uns innerhalb von Sekunden auf einem Hausdach, wo auf einmal schon groß gefeiert wird. Mit meinen Lieblingsklamotten an, beschließe ich, nur Fotos zu machen, aber diese Rechnung geht nicht auf. Die Kinder klatschen mir die verschiedenen Farbpulver ins Gesicht und ein alter Mann zieht mich auf ein Podest, wo ich mit Blumen beworfen werde und anfange zu tanzen. Wie ironisch, dass ich eigentlich extra alte Kleidung für dieses Farbenfest eingepackt hatte. Aber so ist das hier - alles spontan, alles schnell, alles laut. Und alles möglich.

Apropos alles möglich: Aufgrund einer allergischen Reaktion von Deniz wissen wir nun auch, wie ein indisches Krankenhaus von innen aussieht (ein kleines bisschen sauberer als von außen) und dass ein Antiallergikum stolze 43 Cent kostet. Wir fragen nach und bekommen zur Antwort, dass es sich um ein privates Krankenhaus handele, das für die ganz Armen der Region gebaut wurde.
Ich glaube mittlerweile, wir nehmen hier alles mit, was wir kriegen können. Und kommen trotzdem - oder gerade deswegen - wieder heil heraus.

Holy // Jodhpur
Ich wurde von einem Fernsehsender namens ANI zum Holi-Festival interviewt.

Mausoleum // Jaipur
Sonnenaufgang Taj Mahal // Agra

Reiseroute:

Wir sind mit einem Fahrer plus Auto von Delhi durch Rajasthan bis in das nördliche Punjab gefahren und haben auch die pakistanische Grenze besucht. Wer mehr als zwei Wochen dafür Zeit hat, kann auf die billigen Züge zurückgreifen und Indien hautnah erleben. Allen anderen empfehle ich ebenfalls ein Auto, denn die Strecken sind schnell unterschätzt.
Unsere Orte auf der Route: Delhi - Agrar, Taj Mahal, Jaipur (die rote Stadt), Pushkhar (600 Tempel!), Jodhpur (die blaue Stadt), Amritsar, Chandigarh, Delhi)

Tipps:

  • Generell gilt: Inder sind freundlich und höflich. Trotzdem kann es schnell nerven, wenn sie statt einem Foto auf einmal 10 mit dir haben möchten. Im Allgemeinen fährt man am besten mit der Weise, ebenfalls höflich, allerdings immer bestimmt zu sein. Sag nein, wenn du etwas nicht möchtest, auch, wenn dein Gegenüber dann traurig oder niedergeschlagen wirkt. Du kannst nicht zu allem und jedem ja sagen, das ist unmöglich.
  • Sobald jemand Geld fordert für Dinge, die ganz klar kostenlos sind (Reiseführer beachten) oder gesagt wird, man würde einen Ort „entweihen, wenn man nicht spenden würde“, dann ganz klar verneinen und sich zurückziehen bzw. nicht auf die Forderungen eingehen. So spirituell und gläubig das Land ist, so oft wird der Tempelkult und die vielfältige Kultur im Allgemeinen ausgenutzt. Vor allem in Pushkar aufpassen, hier sind viele Abzocker anzutreffen!
  • In den Templen immer angemessen kleiden, sprich Textilien tragen, die sowohl übers Knie, als auch über die Schultern reichen. Wegen der Hitze sowieso zu empfehlen. Oftmals sind die Böden sehr heiß: Socken parat haben.
  • Zugtickets nicht von Indern buchen lassen! Einheimische kommen wegen der Überfüllung in den Zügen auf Wartelisten, während Touristen der Vortritt gewährt wird. Also ruhig trauen, sich durch die teilweise sehr unsinnige Bürokratie zu kämpfen.
  • absoluter Must-do-anidenkt-Tipp: Nach Wagah gehen! Das muss man gesehen haben, es wird dich umhauen!

 

Hast du noch Tipps für Nordindien?

(Fortsetzung: hier entlang)