Neulich an der Supermarktkasse. Ein etwa gleichaltriges Mädchen legt ihr Essen auf das Band. Und mit jedem neuen Artikel werden meine Augen immer größer und ich bin kurz davor, mich zu übergeben.
Ich kann es manchmal nicht glauben, was manche Menschen ihrem Körper antun. Bevor ich hier nun aufzähle, was sich darauf befand, möchte ich klarstellen, dass es hier nicht um Vegetarier vs. Fleischesser geht. Es geht um den übermäßigen Konsum von qualitativ immens schlechten Gütern. Das, Freunde, ist eine ganz neue Materie.
- Eier aus Bodenhaltung.
- H-Milch, ultrahocherhitzt, 1,5% Fett
- Nestlé-Joghurt 6er Pack
- abgepacktes Fleisch, reduziert (da vorher schon billig, quasi verschenkt)
Woran liegt das? Haben die meisten keine Ahnung, was sie ihrem Körper tagtäglich antun? Denken sie immer noch, dass eine halbwegs gesunde Ernährung zu teuer sei? Oder – und das mag das Schlimmste sein – ist es ihnen egal?
Eier aus Bodenhaltung, meine Güte, da kommt mir ja schon alles hoch. Haltbare Milch von einer Kuh, die im Akkordtakt Milch produzieren muss, damit der Mensch seinen Hunger nach Milchprodukten stillen kann – wir sind übrigens die einzigen Lebewesen, die Muttermilch von einer anderen Spezies beziehen. Kurz mal drüber nachdenken, warum sie jeder zweite nicht verträgt. Ach ja, das Kälbchen wurde natürlich geboren, um direkt zu sterben, denn an sich ist es ja nach der Milchproduktion der Mutter nutzlos. Aber Stopp! Da ist der Mensch ganz clever und das zarte Kalbfleisch liegt abends auf den Tischen der High-Society, die denkt, der Bauer im Allgäu hätte es erst ganz lange gestreichelt und dann sanft im Schlaf erstochen. Oder ein bisschen zu fest umarmt. Oder so.
Nestlé? Ernsthaft? Wer immer noch keine Ahnung von diesen Verbrechern hat, wer nicht mitbekommt, auf welche Weise und mit welchen Gütern die ihr Geld verdienen, der darf muss diesen Artikel nun schließen und sich informieren.
Abgepacktes Fleisch aus dem Kühlregal. Sagen wir mal, Lamm, 500 Gramm für 3,99 Euro und dann noch richtig geizgeil reduziert auf schlappe 2,50 Euro. Wenn da bei niemandem was klingelt, hat den Schuss nicht gehört.
Heute habe ich gesehen, dass eine Bekannte auf Facebook ein Bild hochgeladen hat. Da stand irgendwas von wegen „fuck my liver“. Pünktlich zum Wochenende. Ich meine, ich hab ja Humor. Und ich trinke auch mal zu viel und was weiß ich noch alles. Aber ernsthaft? Mädchen, das ist dein Körper. Du magst groß gewachsen, schlank und hübsch sein, aber das bist du leider nur noch schätzungsweise zehn Jahre, denn dann rächt sich das. Wen willst du damit beeindrucken? Ach, wenn der Spruch wenigstens lustig wäre, dann würde ich ja drüber hinwegsehen…
Ich bin echt immer wieder schockiert. Die schlimmsten Meldungen des Tages kennt das gebildete Studentenvolk meines Bekanntenkreises in- und auswendig. Jeder ist belesen, scheint zu wissen, was wirklich hier und auf der Welt abgeht, alle sind sie kleine Weltretter oder hätten zumindest das Wissen, sämtliche Krisen abzuwenden… aber wenn es um die größte Krise ihres Lebens geht, ihrem eigenen Körper, dann haben sie alle keine Ahnung. Schnell wird irgendwas hineingestopft, mit widerlichen Zuckersäften heruntergespült und abends wird mal schön auf die Leber gefuckt. Wahrscheinlich, weil sie denken, das wäre das Organ, von dem wir zwei hätten. Ups.
Ich habe selbst große Schwachstellen. Zum Beispiel sitze ich fast jeden Tag über acht Stunden am Laptop und könnte ohne Probleme zwischendurch eine halbe Stunde Yoga machen, um einem schmerzenden Rücken vorzubeugen. Mache ich es? In einem aus zehn Fällen, ja.
Oder ich esse way too much Schokolade. Zwar versuche ich, die Fair Trade zu erwischen, aber Kakao und Zucker bleiben eben Kakao und Zucker. Nur frage ich mich, was in den Menschen vor sich geht, die einfach um nichts einen Bogen machen? Rauchen, trinken, fressen Billigfleisch und machen keinen Sport. Ich fühle mich in deren Umgebung wie eine uncoole Mutter, die den Zeigefinger hebt.
Als ich mich beispielsweise letzte Woche in London lange mit einem Amerikaner unterhielt, wurde ich wiedermal darin bestätigt, dass das mächtigste Land der Welt nach wie vor die dümmsten Menschen hervorbringt. Sogar die, die ausgewandert sind, weil sie keine Lust mehr auf den Tunnelblick der Landesgenossen haben. Selbst um die macht die Dummheit und Ignoranz keinen Bogen. Ich schweife ab. Was ich erzählen wollte: Der Gute versuchte mich anzubaggern. Das war schon ein großer Fehler. Aber als er dann mitbekam, dass ich Vegetariern bin, musste ich mich unbedingt rechtfertigen und zwar so penetrant, dass ich ausrastete und ihm sagte, dass unsere Erde wegen Menschen wie ihm zugrunde gehen würden. So viel zu dem Thema, dass Vegetarier das immer jedem auf die Nase binden und missionieren würden. Ich missioniere nicht, ich rege mich nur gerne mal auf. Weil niemand versteht, dass es nicht darum geht, dass etwas konsumiert wird, sondern wie viel und in welcher Qualität.
Jedenfalls war schon lange nicht mehr so wütend und außer mir. Warum? Weil er alle Fakten wusste. Er wusste um die Umweltbelastung von Massentierhaltung. Er wusste von den Grausamkeiten, die den Tieren angetan werden. Und als ich ihm erklärte, dass es nur darum geht, ein Bewusstsein zu schaffen, auf einzelne Dinge zu verzichten oder zumindest nicht jeden Tag (!) Fleisch zu konsumieren, da hatte er immer nur eine Antwort parat: No, that is not a solution!
Ich war fassungslos. Traurig, wütend. Und: beschämt.
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