reisen, stadt

Schnee im Kopf und Öl auf der Haut

Sobald es November ist, leide ich unter absoluter Wintermelancholie, Herbstdepression, nenn es, wie du willst. So ging es mir auch gestern, obwohl ich den Tag zusammen mit meiner Mama in einem unglaublich tollen Hotel verbracht habe. Beziehungsweise im SPA des Hotels, denn wir wollten uns anlässlich ihres 50. Geburtstages etwas gönnen und das lässt sich von München aus am besten mit einem Aufenthalt an einem der vielen Seen in den Bergen bewerkstelligen.

vorher...

vorher…

...nachher

…nachher

Dort angekommen, verkroch ich mich so schnell es ging in einen dieser flauschigen weißen Hotelbademäntel, legte mich nach einem Gang im Dampfbad auf eines der Betten (ja, wirklich, keine Liegen, sondern Betten) und schlief selig ein. Während es draußen immer dunkler wurde und eine Mischung aus Regen und Schnee einsetzte, wachte ich auf und lief etwas benommen durch die ganze Pool-Anlage. Ich bin jemand, dem es schwer fällt, so schnell abzuschalten, zu genießen und einfach mal nichts zu tun. Stattdessen habe ich mir die Finger wund geknipst, um auch nur ansatzweise diesen tollen Ort ein bisschen mit nach Hause zu bringen. Irgendwann hatte ich mich dann regelrecht dazu gezwungen, einfach nur dazuliegen und die Aussicht auf den Tegernsee zu genießen - und schon überrollten mich die typischen Gedanken und Gefühle, die meist aufkommen, wenn der Körper ruht und es einem dankt. Über was soll ich nur schreiben? Was wird nächstes Jahr auf mich zukommen? Schaffe ich es weiterhin, glücklich zu sein? Warum überkommt mich so eine innere Traurigkeit, wenn ich doch eigentlich alles habe? Ich weiß nicht, ob ich damit ein bisschen allein dastehe, aber in vielen Momenten, in denen pure Glückseligkeit herrschen sollte, kommen meine Gedanken und Gefühle aus allen Ecken gekrochen und machen sich richtig Platz. Mittlerweile kann ich ganz gut damit umgehen, weil ich sie nicht mehr verteufle oder wütend auf mich und meine Unfähigkeit zu entspannen werde. Ich lasse sie sein und gut ist. Wird schon werden.

SPA

SPA

Am Nachmittag wartete dann eine Detox-Anwendung auf mich, auf die ich sehr gespannt war. Ich hatte noch nie in einem Hotel irgendeine Anwendung machen lassen und dann gleich so was, was anscheinend mittlerweile jeder ausprobiert und viele ein Liedchen von singen können, war für mich totales Neuland. Zwar habe ich ein bisschen Ahnung von Ayurveda und durch meinen Indien-Aufenthalt weiß ich, dass Detox keine Möchtegern-Bewegung von uns unwissenden Westlern ist, sondern eine tief verwurzelte und alte Reinigungsweise, aber ich bin bis gestern nicht wirklich damit in Berührung gekommen. Erst ein Peeling, dann ein Öl auf den Körper und während alles herrlich warm wurde, bekam ich in der Ruhephase eine sagenhafte Kopfmassage und fühlte mich wie im Himmel. Doch auch da ratterte mein Kopf, ich dachte mir ständig Sachen wie vergiss dies und das nicht, darüber musst du berichten, das ist total interessant bla bla bla…
Was für ein Luxusproblem.
Wenn ich reise und Menschen sehe, die ihr ganzes Leben lang neben ihrem Obststand liegen oder sitzen und die Leute beobachten, die an ihnen vorbeilaufen, frage ich mich immer, ob die entspannter sind als ich. Die schauen einfach nur. Beobachten. Oder, wie man so schön sagt, sie lassen das Leben auf sich regnen. Und weil ich jemand bin, der sehr multitasking-fähig ist, kann ich mir das kaum vorstellen: Einfach mal nur eine Sache oder gar nichts zu tun. Deswegen scheitert auch derzeit so ziemlich jede Meditationsmethode an mir. Oder ich an ihr. Aber auch hier: Wird schon werden.

Am nächsten Tag lag die Landschaft in den ersten Schnee des Jahres gehüllt. Alles sah neugeboren aus und die Sonne schien durch die Nebelwolken hindurch und verlor sich im Glitzer der Tautröpfe. Hach seufzen, durchatmen. Alles ist gut.

Und wann hast du das letzte Mal etwas nur für dich getan, so ohne wenn und aber…? Hm?

le Pool.

le Pool.

Die letzte der Willkommens-Pralinen!

Die letzte der Willkommens-Pralinen!

Ich gehe mit meinem Rotwein...

Ich gehe mit meinem Rotwein…

Eins (!) von vier Frühstückbuffets

Eins (!) von vier Frühstückbuffets

Süß.

Süß.

Die Aussicht.

Die Aussicht.

romaaaantisch

romaaaantisch

Vielen Dank an das Hotel Tegernsee für die freundliche Unterstützung!

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