kolumnen

the heart wants what the heart wants.

05/07/2013

Immer wieder stolpere ich über den Begriff „Kleinkünstler“ und merke: Ich mag ihn nicht.

Dieses Wort macht uns von vorne herein… klein. Nichts anderes. Bin ich Kleinkünstler, weil meine Kunst so klein ist? Bin ich nur so groß wie meine Kunst? Oder bin ich einer von denen, weil ich manchmal viel und dann gar nichts verdiene? Dann müsste es aber Mittelkünstler heißen.

Ich dachte oft und lange, dass wir „Kleinkünstler“ dafür aber die größten Herzenswünsche haben. Stimmt nicht, wir sind nur diejenigen, die wirklich dazu stehen, die sie nach außen kehren und sie offen leben. Ich lebe meinen Herzschmerz in meinen Rollen und wenn ich sarkastisch sein möchte, schreibe ich einen bösen Blog. Oder umgekehrt. So oder so, mein Herz ist groß.

Aber deins auch.

Wie ich darauf komme? In den letzten Wochen habe ich mich auf alle möglichen Stellenangebote beworben. Vom redaktionellen Volontariat bis hin zur Kinderbetreuung war fast alles dabei – alles, was ich mir übergangsweise oder wegweisend vorstellen konnte. Für viele der Ausschreibungen habe ich Zusagen bekommen, vor allem aber für die Dinge, die ich im Nachhinein nicht machen wollte. Mein Bauch bzw. mein Herz hat immer nein gesagt, ich habe es gespürt, in jeder Faser, nur mein Kopf, der pochte vor sich hin, erzählte mir was von Sicherheit, von finanziellem Überfluss, von ansteigenden Mieten und meinem teuren Fernweh.

Ja, das hatte alles Hand und Fuß. Aber mein Herz sagte nein und somit konnte ich den Weg nicht einschlagen. Ich finde, ich bin zu alt, um halbherzig irgendwelchen Jobs nachzugehen. In meiner Studienzeit habe ich gejobbt, einfach sinnlos vor mich hin, damit ich ein paar Euro weglegen konnte. Und sogar danach habe ich damit weitergemacht. Aber das ist nun zu Ende und so naiv und egozentrisch es klingen mag – aber ich bin nicht mehr bereit, unter meinem Wert zu arbeiten, etwas zu tun, was nicht in mein Aufgabengebiet fällt. Und ich möchte Spaß haben bei dem, was ich tue.

Schon viel zu oft in meinem Leben habe ich nicht auf mein Herz gehört, dabei hat es mich noch nie getäuscht. Ich spreche hier nicht von dem blinden Nachlaufen von Wünschen, sondern viel mehr davon, dass alles mit einem Kribbeln in der Bauchgegend beginnen sollte. Ein neuer Job sollte verheißungsvoll starten, schließlich gehen viele über kurz oder lang energetisch und euphorisch sowieso gegen null. Das ist genauso, wie mit einer neuen Liebe, man kommt ja nicht mit jemandem zusammen, den man nur ganz ok findet. Zumindest müsste man sich gehörig was vormachen, dazu fehlen mir persönlich die Energie und der Sinn.

Und ich rede auch nicht von Gewohnheit, die wir meist mit den Herzensangelegenheiten verwechseln. Viel zu lange steckte ich beispielsweise in einer Beziehung, die schon monatelang kaputt war. Ich verwechselte mein Klammern an Gewohnheiten und meine Angst vor dem Neu-Single-Sein mit Liebe, mit dem, was mein Herz angeblich wollte. Währenddessen rebellierte es jedoch sekündlich, es tat irgendwann so weh, dass ich es kaum ausgehalten hatte – auch körperlich. Ich hatte weggeschaut, ignoriert, wovor ich Angst hatte und bin in meinem eigens erbauten Käfig sitzen geblieben – bis ich zu meinem Glück gezwungen werden musste, sprich verlassen wurde, und mir innerhalb von Stunden mein Herz aufging… es brauchte nur Tage, um darüber hinwegzukommen.

Was ich damit sagen will ist, dass wir uns nicht einreden lassen dürfen, ein Beruf müsse in erster Linie Geld bringen. Wer ist glücklicher? Der, der nach 35 Stunden in der Woche und gutem Lohn ins Wochenende startet oder der, der 60 Stunden auf dem Buckel hat, im Geld schwimmt, jedoch keine Zeit, Muse und Energie findet, um es auszugeben?

Wir dürfen uns auch nicht einreden lassen, dass alles schlecht sei, dass niemand alles im Leben haben kann – selbst wenn es so ist, was bringt die Einstellung? Nur, dass wir uns vorweg schon die Hälfte unserer Wünsche gar nicht zugestehen. Und damit unsere eigene Entscheidung aus der Hand nehmen lassen. Die paar Optionen, die wir uns am Ende noch erlauben. Zum Beispiel eine Partnerschaft, die vor sich hin plätschert und eigentlich nur vor dem Alleinsein bewahrt. Oder nur ein Mal im Jahr Urlaub, weil mehr einfach grundsätzlich nicht drin ist.

Mein Herz sagt nein, das kann es mittlerweile ziemlich gut. Was ich gerade mache ist teilweise irrational. Manchmal verstehe ich es selbst nicht. Aber Fakt ist: Alles, was ich voller Überzeugung entschieden habe in meinem Leben, war am Ende immer richtig. Auch wenn ich es erst viel später verstanden habe.

Manchen fehlt der Mut dazu. Vielleicht haben wir Kleinkünstler (minus klein!) das denjenigen voraus, die in festen, sicheren Berufen stecken. Denn wer verliert schon gerne den Boden unter den Füßen? Aber manchmal muss man fallen, um da zu landen, wo man hin möchte. Ganzheitlich betrachtet.

Trotzdem ist es schon komisch, wenn man mal bedenkt, wie eogistisch der Mensch doch an sich ist. Man möchte selbst nie zu kurz kommen, alle lügen, manche gehen über Leichen. Wir essen Tiere und machen unsere Umwelt kaputt, alles Dinge, die uns selbst individuell bereichern. Und keine Gedanken an andere zulassen. Doch wenn man eine Umfrage zum Thema “Glück” oder “Erfolg” machen würde, dann würden immer die gleichen Antworten kommen: Niemand hat alles. Das kann ich nicht. Das gestehe ich mir nicht zu. Davor habe ich Angst. So etwas habe ich noch nie probiert. Ich bin arm. Früher war alles besser. Warum sollte mir das passieren? Ich glaube nicht an Wunder.

Kein Wunder, dass es so ist, wie es ist. Glücklicherweise ist das Herz anderer Meinung.

Schon Woody Allen wusste, dass das Herz will, was es eben will. Und der muss es ja wissen. Und damit ist alles gesagt.

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