Behörde mit neun Buchstaben…?

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Heute morgen im Gespräch mit meinem zukünftigen Steuerberater (es war Liebe auf den ersten Klick):

„Ich habe hier auch noch ein Formular bekommen, das ich mit Mühe und Not ausgefüllt habe. Kann ich das auch mitbringen?“
„Klar, diese Formulare kann kein Normalsterblicher verstehen und richtig ausfüllen.“
Da lacht er. Und ich auch.
„Ja, ich habe schon wirklich an mir selbst gezweifelt!“
„Das sollten Sie grundsätzlich nie tun!“

Ach. Warum sagt das mal kein Regisseur am Set, anstatt zornig und wild fuchtelnd durch die Gegend zu rennen? Warum steht das in kaum einer E-Mail, die sich als gemeingefährliche Absage herausstellt? Einfach unten dran, ein erheiternder und netter Spruch.

Dieses Gespräch heute Morgen war nach meinem Wochenende der reinste Balsam für die Seele. Steuererklärung ist ja so eine Sache, so ein Wort, das beispielsweise nie im Glücksrad aufgetaucht ist. Oder im Kreuzworträtsel. Will keiner wissen, will sich keiner mit beschäftigen. Machst du deine Steuer? Äh, wie bitte? Eben. Killt jede Stimmung.

Ich hatte mich mit meinen wirren Einkünften aus freiberuflichem Schaffen, Drehen in Österreich auf Lohnsteuerkarte und Ausflügen in die normale Angestelltenwelt an eine Dame gewandt, die mir empfohlen wurde. Kompetent sollte sie sein und äußerst zuverlässig. Aha. Vier Monate und drei Anrufe meinerseits später landete meine Steuererklärung 2012 in meinem Briefkasten. Unter einem völlig anderen Nachnamen. Ich bin fast explodiert. Daraufhin habe ich meinen falschen Nachnamen handschriftlich ausgebessert und ein Schreiben dazugelegt. Nun gut, abwarten und Tee trinken, dachte ich, während ich mich innerlich auf ein beträchtliches Sümmchen freute.

Pustekuchen. Am Samstag flatterte ein Bescheid ein, dessen Zeilen mich zu Tränen rührten. Zu einigen. Ich setzte mich vollkommen bemitleidenswert auf mein Bett und breitete mein Dokumentenchaos vor mich aus. Drei ??? an, denn dort ist die Welt noch in Ordnung, und versuchte, auch in mein Zahlenleben ein bisschen Ordnung zu bringen. Also sortierte ich die Blätter in kleine große Stapel, der Stapel „Weiß ich nichts mit anzufangen“ ist übrigens der Höchste. Wie dem auch sei, ich kämpfte mich durch eine schwarz-weiß-bedruckte Welt, die mir in diesem Fall so gar nicht gefällt, und habe mich abends ordentlich mit Weißwein betrunken. Und bin noch vor Mitternacht eingeschlafen. Der Klassiker.

Heute Morgen habe ich dann meinen zukünftigen Steuerberater angerufen. Und jetzt bin ich ein bisschen glücklicher.

Warum ich das hier alles schreibe, ist aus folgendem Grund: Ich kenne niemanden, der eine Ahnung hat, wie er seine Steuer erledigen soll. Gut, vielleicht liegt das daran, dass viele meiner Freunde irgendwie freiberuflich sind, Berufsanfänger oder in verschiedenen Tätigkeiten ein Bein in der Tür haben, aber die Frage ist doch die: Wie kann es sein, dass niemand das Kauderwelsch des Finanzamtes versteht? Wie kann es sein, dass ich jemanden dafür bezahlen muss, damit er mir hilft, mein Geld rechtmäßig und ehrenbürgerlich abzutreten? Ich sollte dafür bezahlt werden, damit ich es überhaupt mache.

Ich als Freiberufler fühle mich nicht nur alleingelassen, sondern komplett verarscht. Keiner nimmt mich mal kurz an die Hand und erklärt mir, wohin ich mich zu wenden habe. Da kriege ich in unregelmäßigen Abständen tonnenweise Briefpapier vom Finanzamt, auf welchem seitenweise Sätze stehen, bei denen definitiv alle Verben fehlen und durch sachliche Begrifflichkeiten ersetzt worden sind, die die Damen und Herren der Abteilung wohl selbst nicht verstehen. Aber hat einer, auch nur einer, mal die Muse, einen Zweizeiler mit anzuheften, in dem etwas steht, wie „Leider sind wir hierfür nicht zuständig, bitte wenden Sie sich an xy“…? Damit wäre mir sehr geholfen. Zu viel verlangt? Ich bitte dich, zu viel verlangt ist, meine Briefe mittlerweile übersetzen lassen zu müssen, und zwar in eine mir verständliche Sprache. Sagt ja auch mein Steuerberater.

Liebe Künstler, Freiberufler, Selbstständige, lasst euch bloß nicht unterkriegen und wehe, ich sehe einen von euch aus purer Frustration irgendwann ein mal in einem nine-to-five Job sitzen, der euch keinen Spaß macht, nur, damit ihr nächstes Jahr keine Probleme mit eurer Steuer habt. Pah!

Für mehr Liebe zwischen den Zeilen und nette Worte unter den E-Mails! Naiv? Geht nicht? Was ich mir dabei eigentlich denke?

Dass nur damit die Welt wirklich funktioniert.

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