[Gina und ich sind beide große Fans von Kaffeekränzchen mit Sojamilch und Schoki. Deswegen gibt es ab jetzt unsere #Kaffeesätze: Wenn eine von uns etwas beschäftigt und unbedingt über eine Angelegenheit ihren Senf dazu geben möchte, dann tut sie das. Die Andere zieht nach, ob sie will oder nicht. Und trinkt dabei genüsslich ein Käffchen. Wir sprechen uns weder ab, noch wissen wir, welches Thema auf uns zukommt. Das Resultat sollen zwei kleine Kolumnen sein, auf die sowohl Leser als auch wir selbst gespannt sind. Unter dem Hashtag könnt ihr uns finden und mit diskutieren.]
Gina erzählt:

Ich krame im Kopf nach Gedanken, die ich verwerfe in dem Moment, in dem sie sich an die Oberfläche meines Bewusstseins kaempfen. Jeder getippte Satz wird noch in der selben Sekunde durch energisches Drücken auf die Löschen-Taste wieder zurückgenommen. Und eigentlich bin ich einfach nur müde und träume mich im fahlen Scheine meines Computerbildschirms an weit entfernte Orte. Es ist (wieder mal) soweit: Ich habe eine Schreibblockade.
Manchmal fragen mich Menschen, wie ich auf die Ideen komme, für Artikel oder Blogposts oder Geschichten. Ich weiss nicht, ob es dir da ähnlich geht, liebe Ani, aber ich muss dann oft schmunzeln. Spannende, beschreibenswerte Dinge lauern doch selbst im Alltag hinter jeder Ecke, denke ich, da muss man ja eher Filtern, als sie mühsam zu suchen. Und mit einer guten Idee ist dann an guten Tagen der Rest auch ganz einfach: Die Finger fliegen über die Tasten und es entsteht etwas Lesenswertes, nach dessen Fertigstellung man dasitzt mit so einem glücklichen, leicht debilen Ausdruck auf dem Gesicht, ähnlich als wäre man frisch verknallt.
Derzeit nützt das aber alles nichts: Ich habe eine Krise. Grobe Themenumrisse wollen einfach nicht zur konkreten Umsetzung kommen. Keine der hastig in mein Notizbuch gekritzelten Ideen inspiriert. Und wie ich jetzt schon seit Tagen dasitze und der Muse nachjage, da mache ich mir plötzlich Sorgen. Weil ich merke, wie abhängig man als Kreativer doch ist, von den Launen der Inspiration - und wenn sie morgen ganz weg wäre, dann könnte ich nichts tun.
Statt kreativ sein also lieber „kreativ sein“ googeln. Da gibt es tolle Tipps, etwa, man solle die Schreibsession stets mit einem angefangen Satz beenden, damit man am nächsten Tag leichter wieder in den Text findet. Andere sagen, bloß nichts erzwingen, wer die Muse jagt, der kriegt sie nicht. Das nützt allerdings herzlich wenig, wenn in der Ferne schon die Deadlines winken.
Stattdessen versuche ich es jetzt mit der Haudraufmethode - einfach weiterschreiben, auch wenn’s erstmal nicht behagt. Es entsteht: Ein durch Schreibblockade motivierter Text über Schreibblockaden. Das trifft tatsächlich schon wieder meinen Geschmack.
Ani erzählt:
„Wenn jeder andere Mensch einer zu viel ist.“
Ein Satz aus dem Roman „Jeder Tag, jede Stunde“, den ich gerade lese und mich währenddessen frage, warum nicht mir diese Worte einfallen konnten. Jetzt kann ich mich nur von ihnen inspirieren lassen, aber nicht behaupten, sie seien meiner kreativen Ader entsprungen.
Ach, verdammt.
Ja, Schreibblockaden: Inspirationslöcher, schwarze.
Es ist nicht die Frage, ob jemand diesen Zustand kennt, sondern eher, wann jemand diesen Zustand nicht kennt.
Natürlich gibt es Zeiten, da flitzen meine beiden Zeigefinger über die Tastatur und ich komme kaum hinterher, meine Gedanken in den Bildschirm hinein zu brennen. Und erst kürzlich lag ich nachts eine geschlagene Stunde wach und schrieb in Gedanken einen Artikel nieder. Ich stand nur deswegen nicht auf und hielt ihn wirklich fest, weil ich bei solch nächtlichen Überfällen weiß, dass das meiste am nächsten Tag noch da ist.
Aber, um ehrlich zu sein, ist es natürlich nicht die Regel, sondern im Schreiber-Dasein eher die Ausnahme.
In Kolumbien hatte ich mir vorgenommen, fieberhaft an meinem Roman zu arbeiten. Ich stellte mir vor, am Strand zu sitzen und voller nicht enden wollender Inspiration zu schreiben, zu schreiben, zu schreiben… nichts ging. Zwei Kapitel habe ich in zwei Monaten geschrieben, das war’s. Woran es lag? Ja, woran liegt es eigentlich, wenn sich die Muse hinter jeder Ecke versteckt? Vielleicht stehen einfach andere Dinge an, vielleicht hat etwas Vorrang, vielleicht… ich habe keine Ahnung, Gina.
Das Zauberwort, wenn man nicht auf die launische Muse warten kann, weil die Deadline an der Tür klopft, ist meiner Erfahrung nach: Struktur.
Klingt furchtbar, ist man aber durch, fühlt es sich an wie ein Segen. Im Konkreten heißt das – und ich steuere gleich mal eine halbgare Lebensweisheit hinterher – sich an der Ordnung entlanghangeln, bis man sich im Chaos der Inspiration wieder verlieren kann. Und darf. Doch bis dahin heißt es, Sätze, Gedanken, Kapitel strukturieren, Inhalte niederschreiben, alles ganz faktisch und ohne Schnörkel auf’s Blatt bringen. Einen äußeren Rahmen schaffen, damit der Innere entstehen kann.
Klingt wie im wahren Leben, oder? Deswegen haben to-do-Listen auch wirklich einen Platz in meinem Herzen!
Meine bescheidene Meinung: „Write drunk, edit sober.“ (Ernest Hemingway)
Safe travels!
Marco
jaaaaaaa!