Der allerbeste Superlativ – Liebesbrief an den Atlantik

Es folgt ein Gastbeitrag von Isabelle Karlsson – Lieblingsschwedin, Fernwehgeplagte im Herzen, Freundin der analogen Fotografie und allen Geheimnissen, die Einwegkameras mit sich bringen. Ein Liebesbrief mit Atlantikbildern.

Lieber Atlantik!

Du warst für mich schon immer etwas besonderes, aber irgendwie habe ich das einfach nie so richtig realisiert.
Zur Zeit verbringe ich jeden Tag viele Stunden in der Bib und schreibe eine Hausarbeit nach der anderen, weshalb ich öfter mal ins Sinnieren komme über dies und das – am liebsten darüber, was ich an der Welt da draußen mag. Ich muss gestehen, dass du da recht häufig und vor allem mit einer ziemlich stringenten Präsenz durch meine Gedanken gestreift bist…

Okay, ich muss anders anfangen. Ich habe ein sensibles Gespür für Gerüche. Mit ihnen verbinde ich Erinnerungen an Orte und Begebenheiten.

Lass dir gesagt sein: Du riechst einfach unglaublich gut! Wirklich, ich kenne nichts, das so sehr nach Freiheit riecht wie du.

Mit dieser salzigen, frischen, windigen Luft, die dich umgibt, verbinde ich ausnahmslos nur Gutes.
Auch deine Lebendigkeit, oder der besser gesagt deine Wandelbarkeit, ist absolut faszinierend. Du bist mir immer und immer wieder begegnet, auf den verschiedensten Reisen. Oder vielleicht hast du mich eher begleitet – whatever, viele einprägsame Erlebnisse hängen mit dir zusammen.

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Irland

Als ich ein Jahr alt war, haben wir uns kennengelernt am Strand von Lanzarote, wo ich kleine Vulkansteinchen gesammelt hab, die du ausgespuckt hast. Dann, mit 16, war da dieser Man-sieht-sich-immer-zweimal-Moment, als du in Maine die Arme ausgebreitet hast, während ich auf dich zugerannt bin – total überwältigt von deinen dunkelgrauen  Riesenwellen. Im Jahr darauf habe ich mich dir wieder von der Europäischen Seite genähert, diesmal mit einem Brett unterm Arm zur Unterstützung. Ehrlich, ich habe eine Menge blauer Flecken davongetragen, aber das war nicht weiter schlimm, weil ich währenddessen high auf Endorphinen war.
Es hat drei Jahre gedauert, bis ich dir wieder mit Brett und größerem Respekt gegenübertreten konnte. Und wie du mir dabei den Muskelkater meines Lebens zugefügt hast! Ich war außerstande, den Reißverschluss meines Zeltes zuzumachen, weil ich den Arm nicht höher als 10 cm heben konnte.

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Frankreich

Außerdem hast du mir echt Angst eingeflößt. Zuerst wollte ich mich gar nicht mit dir anlegen, weil du einfach so abgegangen bist – aber irgendwie habe ich darin auch die ultimative Herausforderung gewittert. Challenge accepted und im Nachhinein nicht bereut, denn das war die beste Angsttherapie überhaupt.
Ein halbes Jahr später haben wir uns dann in Marokko getroffen, und du warst superzahm – im Gegensatz zu deinen aggressiven Haustieren, den Möwen. Und die starke nordafrikanische Sonneneinstrahlung hat dafür gesorgt, dass nach jeder Berührung eine leckere Salzkruste auf der Haut zurückblieb…

Letzten Oktober hast du dich mir von deiner durchtriebenen Seite gezeigt, an der irischen Westküste mit ihren zerklüfteten Riesenklippen. Du warst wild, schäumend und temperamentvoll, und hast mich dabei mal wieder komplett in deinen Bann gezogen.

Es ist beeindruckend, wie facettenreich dein Charakter doch ist. Manchmal hatte ich Angst vor dir, manchmal hast du die schönsten Sonnenuntergänge überhaupt gespiegelt – aber immer konnte ich dich stundenlang betrachten, ohne dass mir langweilig wurde. Und eigentlich bist du mein liebster Reisebegleiter. Atlantik, ich mag dich echt gerne – nein Quatsch, also Atlantik, du bist… der allerbeste Superlativ von allem!

Bis hoffentlich bald,

deine offensichtliche Verehrerin.

PS: kannst du eigentlich Menschen zu Meerjungfrauen machen?

 

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Marokko
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Frankreich
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Irland

Falls ihr jetzt auch Fernweh (oder Heimweh) nach dem Atlantik habt, dann könnt ihr gerne die Kommentarfunktion nutzen und Isabelle fragen, wo genau sie in Maine, Frankreich, Marokko und Irland unterwegs war. Ahoi!

 

3 comments

  • Eine schöne Liebeserklärung!! Die beiden Bilder aus Irland gefallen mir besonders. Wo genau warst du in Irland, Isabelle, und was empfiehlst du? Ich werde mir vor allem den Süden und den Südwesten im Sommer anschauen und freue mich schon sehr drauf.

    • Freut mich, dass es dir gefällt! Ich war im Westen, erst in Ennis, dann in Kilrush, Kilkee und Doolin am Meer. Das sind supersüße kleine Orte, von denen aus du direkt am Meer und an den Klippen entlangwandern kannst! Galway soll auch schön sein, da hab ich es nur leider nicht hingeschafft….

  • Was für ein schöner, einfühlsamer Text!
    Mit den Irlandbildern muss ich mich Michael anschließen! Ich war vor einigen Wochen im Westen und Südwesten an der Küste unterwegs, wild, schäumend und temperamentvoll sind die perfekte Beschreinung dafür 🙂 Ach, wie war das toll! Und ja, Doolin fand ich auch sehr süß, Galway war mit seiner tollen Kunstszene auch definitiv ein Highlight!

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