Malawi on my mind (2): „Wir fahren da jetzt hin, da isses schön!“

Nicht dass Zomba nicht schön wäre. Im Gegenteil, es ist großartig. Aber langsam kommt der Winter hier oben auf 900 Metern und einem Plateau im Rücken, das auf 2000 Metern liegt und steil aus dem Erdboden schießt.

Da regnet es ein paar Tage, da fallen die Temperaturen auf knapp 20 Grad und schon geht’s los: Lass uns an den See fahren. Am Wochenende. Da ist’s warm, schau hier: Handydisplay, Wetterapp, 29 Grad und Sonne, alle gehen packen.

Die Fahrt, ein Traum, alles sowieso ein Traum hier. Eine tiefstehende Sonne, die den Himmel pink färbt und die Wolken pastellfarben. Die Landschaft, ein bisschen arg überwältigend. Grüne, satte Flächen wechseln sich ab mit vertrockneten Maisfeldern, der Regen kam zu spät. Dann kommt Steppe, mit blauen Gebirgen im Hintergrund, und dann sind da noch diese weichen Hügel, die mich seit meiner Ankunft an Irland erinnern.
„Das ist wie ein ungemachtes Bett, mit den kleinen Bergen überall“, sagt Simon und alle nicken und ich strecke meinen Arm aus dem Fenster. Die Luft wird immer wärmer.

 

Um Punkt 18 Uhr ist es dunkel, doch es sind unglaublich viele Menschen unterwegs, die meisten auf dem Rad, und jeder von ihnen taucht erst ein paar Meter vor unseren Scheinwerfern auf. Es ist so anstrengend, hier in der Dunkelheit zu fahren.

„Which car are you driving?“, fragt King Reggie, der Inhaber der Unterkunft, die ich für zwei Nächte gebucht habe.
„A Toyota RAV4“, antworte ich und stelle fest, dass ich zum ersten Mal wirklich weiß, in welchem Auto ich sitze.
„That’s fine, you’re gonna make it. You’ve got another 30 minutes and then you will have a look at the menu.“
„Great. We need pizza.“
„Great, we have pizza.“

Wir legen auf und fahren eine halbe Stunde später unter einem sternenklaren Himmel in stockdunkler Nacht auf das Gelände der Unterkunft. Erkenntnis: Wenn man von Tourismus in Malawi sprechen kann, dann wohl hier. Junge Schülergruppen aus England, Expat-Familien und vor allem Weltwärts-Mitarbeiter sitzen an der Bar und auf der Veranda. So viele Weiße habe ich schon lange nicht mehr gesehen, was eine seltsame Beobachtung ist, aber dazu später mal mehr.

Ich finde es unglaublich spannend, im Dunkeln an einen Ort anzukommen und somit nur eine Ahnung von ihm zu bekommen. Deswegen schlüpfe ich am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang aus meinem Bett, tapse im Halbdunkel barfuß über den Holzfußboden und stemme mich gegen die Bambustür. Sie öffnet sich quietschend und vor mir, das Meer. Na, so halb, der See. Unwirklich groß und schön. Ich lasse die Tür auf und die Spatzen fliegen herein und setzen sich auf die Holzbalken. Das letzte Mal, als ich in einem Holzbungalow am Strand geschlafen habe, ist viel zu lange her.

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CapeMclear ist der Ort, den ich an diesem Wochenende brauche. Es ist heiß, es ist entspannend und es ist unkompliziert. Jeden Morgen schallen Enrique Iglesias Schmachtfetzen aus den Boxen, es gibt Pfannkuchen (so gut wie bei Oma) und Omelette und Filterkaffee, die Wasseroberfläche glitzert und der Horizont taucht immer wieder unter. Ein Geburtstag, das einzige Mädchen, dafür zwei mittlerweile ziemlich gute Freunde und der Mann, ein Kleid vom Schneider aus Zomba und eine (erneut zerlaufene) Milka-Oreoschokolade.

 

Die Sache in Malawi ist folgende: Das Ziel ist wunderschön, doch noch schöner ist der Weg dorthin, weil man nie weiß, wohin man schauen soll und, sofern man nicht aus Versehen durch ein Schlagloch brettert, ein scharfes Foto macht. Klar, der Weg ist immer das Ziel, aber meist ist das gar nicht so klar. Bis man halt unterwegs ist.

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Malawisee – der Süden:

Unterkunft: Gecko Lounge am CapeMclear – sehr empfehlenswert, weil sauber, freundlicher Staff und leckeres Essen. Außerdem traumhaft gelegen. Leider, wie überall hier und vor allem am See, mit 60 Euro pro Tuckaway Lodge (Holzbungalows am Strand) inkl. Frühstück überteuert. Lange Wartezeiten aufs Essen, die beim Blick auf den See aber zu vernachlässigen sind. Das CapeMclear soll wesentlich schöner sein als die Strandabschnitte am Monkey Bay.

Bilharziose:

Es wird davon abgeraten, im See schwimmen zu gehen. Ich selbst habe es nicht gemacht und würde es nicht empfehlen. Der See ist ein Süßgewässer, in dem Pärchenegel (Würmer) leben, die über die Haut in den Körper eindringen können. Wird mit Antibitiotikum behandelt, an sich ungefährlich, es sei denn, es bleibt lange unentdeckt, nähere Infos hier. Manche Traveller litten an Bilharziose nach bereits fünf Minuten im See, also nein, lasst es bleiben, auch wenn so viele reingehen, was ich absolut nicht verstehen kann.

Der Ort – Chembe:

Chembe ist ein hübscher und lebendiger Ort. Die Menschen scheuen sich nicht davor, Reisende anzusprechen, sie sind den Tourismus gewohnt. Viele Beachboys unterwegs, hier einfach abwägen, ob man Interesse am Kauf hat oder nicht. Unterstützenswerte Projekte gibt es hier nachzulesen: www.chembeprojects.org

 

Gefallen? Könnt ihr euch vorstellen, mal nach Malawi zu reisen?

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