Malawi On My Mind (4): Bushman’s Baobabs & das Leben

Ich lege den Kopf in den Nacken und staune. Das Stadtkind kann plötzlich die Sterne sehen. Der Himmel sieht aus wie mit Photoshop bearbeitet und die Milchstraße wurde wohl ins Bild gepackt, denn das hier, das kann kein echter Himmel sein. Aber vielleicht habe ich ihn all die Jahre einfach nicht gesehen.

Am Lagerfeuer sitzen wir, eine Flasche Wein zwischen uns, und das Holz knistert. Jetzt, wo der Winter beginnt, sind die Tage angenehm warm, die Nächte aber kühl. Ich ziehe den Reißverschluss meiner Jacke bis unter mein Kinn, ein paar Meter weiter höre ich einen jungen Elefanten rufen.

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„That’s a teenager, they’re all the same, eh? Don’t panic and run away, he will think you’re gonna play with him. You’ll be fine“, antwortet der Bushman und trinkt sein Bier leer.

Ich hätte schwören können, er sei Australier, mit seinem breiten Akzent. Aber er ist Malawier, hier geboren, zehn Jahre in Botswana verbracht, eins davon als mobiler Guide im Busch. Er baute das Camp dort auf, wo die Touristen hinkamen, machte Touren mit ihnen, baute es wieder ab. Er hat als Koch, Bootsbauer, Automechaniker und in so vielen anderen Jobs in den USA gearbeitet, dass ich bei der Aufzählung nicht mehr zuhöre, zu sehr bin ich mit dem Gedanken beschäftigt: Menschen wie ihn, faszinierende Persönlichkeiten, trifft man meist immer abseits der Stadtlichter. Und irgendwie immer genau dort, wo man sie vermutet. Unter Sternenlichtern.

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Überall knackt es, die Elefanten sind bereits im Camp. Sie reißen das Elefantengras aus dem Boden und fressen den unteren Teil, weil er süßlich schmeckt. Der Rest bleibt liegen. Wir sitzen da, ganz ruhig. Wo ich am ersten Tag Respekt mit Angst verwechselte, schaue ich jetzt einfach ins Feuer und freue mich, dass sie da sind.

„When I sit here at night under the stars I can see them actually moving. Sure I have some drinks but they’re still moving. Because the earth is moving. And then I think: man, that’s life.“

Er sagt das einfach so, vielleicht hat er es in ein paar Minuten bereits vergessen. Aber er sagt es so, dass ich gar nichts antworten kann.

Am nächsten Tag überall Spuren der Elefanten. Bäume liegen quer, ich kann genau sehen, wo sie gelaufen sind, wo sie gefressen haben. Wir fahren mit dem Landrover tiefer in den Park. Vorbei an Antilopen zur Goldenen Stunde, Affen, einem 4000 Jahre alten Baobab. Ich habe mal gesagt, dass ich mich der Natur noch nie so nahe gefühlt habe, wie in Bahia Solano in Kolumbien, aber das muss ich nun revidieren.

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Zum Sonnenuntergang dann rund dreißig Elefanten, die im Wasser stehen. Grasen, trinken, mit den Ohren wackeln. Wir haben so verdammt viel Glück.

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Bushman’s Baobabs

Ich kann dieses Camp aus vollem Herzen empfehlen. Zwischen Chalets, Luxuszelten und schönen Dorms gibt es hier für jeden Geldbeutel die perfekte Schlafmöglichkeit.
Außerdem ist die ganze Anlage liebevoll gestaltet, es gibt eine schöne Aussichtsplattform mit Blick auf den Fluss, wo man Elefanten und Antilopen beobachten kann.
Das Essen ist phänomenal, ich habe hier die beste vegetarische Linsenlasagne ever gegessen, der Salat wird im eigenen Garten angebaut und auch die Fleischgerichte sahen sehr gut aus.

Verschiedene Touren werden angeboten, u.a. Game Drives und Canoe, beides habe ich gemacht, jeweils knapp drei Stunden. Letzteres war toll, würde ich aber nicht nochmal machen, weil es einfach zu gefährlich war. Im Fluss leben einige Krokodile und mit denen gab es schon mehrere Unfälle, die tödlich ausgingen, meist mit den Fischern, die im Nationalpark illegal fischen.

Der Bushman ist natürlich das Highlight, mit all seinen unglaublichen Geschichten und der warmen Atmosphäre, die von ihm ausgeht. Er wollte übrigens nicht vor die Kamera, da er nach eigener Aussage in drei Ländern gesucht werden würde. Das verstehen wir natürlich.

Infos unter: bushmansbaobabs.com

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Liwonde Nationalpark

Im Park leben Elefanten, Nilpferde, verschiedene Antilopen, Krokodile, Affen und natürlich sehr viele, schöne Vögel, zum Beispiel der Kingfisher.
Eins meiner Highlights: Die riesigen Termitenhügel und all die Infos, die der Guide zu ihnen hatte – wirklich sehr faszinierende Tiere, also auch auf die Kleinen achten.
Dazu kommt eine unglaublich schöne, fast unwirkliche Natur. Steppe und Flusslandschaft, Berge im Hintergrund, sattes Grün nach der Regenzeit und die vielen Baobabs, die mich immer an Tim Burton-Filme erinnern.
Eintritt: Rund 9 Euro für Touristen (Stand Mai 2016), falls ihr aber ein TEP (Temporary Employment Permit) habt, müsst ihr nur rund 6 Euro zahlen.

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Fotos: Ein Teil ich, ein großer Teil von Deniz.

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6 comments

  • Wundervoll. Wäre ich nicht schon unterwegs, müsste ich mich dringend auf den Weg machen…

    Gesendet vom Flughafen 🙂

  • Hi Ani,

    ich hab deinen Artikel unheimlich gern gelesen. Das wollt ich nur loswerden 🙂 War letztes Jahr in Botswana unterwegs und Malawi klingt bei dir ganz ähnlich (und sieht auch ähnlich aus – schöne Bilder!!).

    Viele liebe Grüße
    Jocy

    • Danke Jocy!

      Botswana steht bei mir mittlerweile auch weit oben auf der Liste, weil so viele davon schwärmen. Ich dachte auch, dass ich aus Malawi mehr herumreisen werde, aber hier gibts einfach zu viel zu sehen.

  • Wunderschöne Fotos! Besonders das mit den beiden Nilpferden ist herrlich!
    Und natürlich grandios geschrieben, liebe Anika! Ich freue mich schon so darauf in deinem Buch zu schmökern!

    Lieben Gruß,
    Sarah

    • Danke dir, liebe Sarah, ich geb das gerne an Deniz weiter. Und ich freu mich auch, wenn es tatsächlich dann fertig ist, dieses Buch schreiben ist ja echt kein Zuckerschlecken, also danke auch für deine lieben Worte! 🙂

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