Malawi On My Mind (5): Der NGO OneDollarGlasses über die Schulter schauen

Ich habe ziemlich gute Augen. Obwohl ich jeden Tag rund zehn Stunden vor dem Laptop verbringe, habe ich bisher keine Probleme, scharf und schmerzfrei zu sehen. Ich glaube, das ist der Hauptgrund, warum ich mir nie wirklich Gedanken zu Brillen gemacht habe, schon gar nicht, dass es 150 Millionen Menschen gibt, die dringend eine brauchen.

Keine Brille zu haben, vielleicht nicht mal zu wissen, dass man schlecht sieht, diesen Zustand jedoch tatsächlich verbessern könnte, ist ein großes Problem in armen Ländern. Nicht nur, weil die grundsätzliche Lebensqualität dadurch eingeschränkt ist, sondern auch, weil Kinder die Schultafel nicht scharf sehen oder Erwachsene nicht mehr die Arbeit machen können, die sie gelernt haben. Schneider, Haushälterinnen, Verkäuferinnen, Mechaniker.

Hier in Malawi bleiben Kinder, die schlecht sehen, automatisch auf der Strecke. Sie können sich im Unterricht nicht so beteiligen, wie sie möchten, fühlen sich eingeschüchtert, weil sie das, was in ihren Büchern steht, nicht lesen können. Weil auf sie keine beziehungsweise kaum Rücksicht genommen werden kann, werden in manchen Fällen Kinder mit Sehschwäche in Klassen für benachteiligte Kindern versetzt, eine Art Sonderschule. Das heißt, dass ein Kind, das lediglich eine Brille braucht, sich in einer Sonderschule wiederfinden kann.

Es braucht nicht viel, um zu erkennen, dass diese Lösung keine ist, sondern vielmehr dem Kind alle Chancen verbaut, die es eigentlich hat.

Bei der NGO OneDollarGlasses, die ich in Malawi bei der Arbeit begleite, gibt es ein junges und motiviertes Team, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Problem im eigenen Land anzugehen. Auf einem großen Grundstück mit ansässigem Shop werden Brillen in einem malawischen Team nach deutschem Standard hergestellt, von einem Mitarbeiter einer Qualitätskontrolle unterzogen und dann im Shop oder durch Vertreter verkauft. Abgesehen davon gibt es noch Büroangestellte, die sich um den Ablauf von Strategien kümmern, Werbepartner gewinnen oder – und das ist manchmal das Wichtigste – uns Deutsche mal wieder darauf hinweisen, dass wir keinen Stromausfall haben, sondern lediglich out of strom seien. Alles prepaid!

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Celestine

An einem Freitagnachmittag kurz vor Feierabend haben wir spontan entschieden, eine Bending Competition zu machen. Wer biegt am schnellsten, aber vor allem, wer biegt gleichzeitig auch am besten? Es ging eben nicht nur um die Zielgerade vor Augen (pun intended), sondern, ob die Brille danach auch tatsächlich verkauft werden konnte. Für mich war es nicht nur interessant, den Prozess des Biegens an der patentierten Maschine mal wieder im Detail zu beobachten, sondern auch lustig zu sehen, wie lautstark man sich hier gegenseitig anfeuerte und, im Kontrast dazu, wie ruhig und fokussiert jeder Einzelne bei der Arbeit war.
Das Tollste an der Maschine, und damit am ganzen Vorgang (also vom Draht bis zur fertigen Brille) ist für mich übrigens, dass sie komplett ohne Strom auskommt. Somit ist es möglich, die Brille überall herzustellen.

Gewonnen hat natürlich jeder was, es gab vor allem Lieblingsgetränke und der gewünschte erste Preis war der Malawi Gin, der hier sehr beliebt ist. Meistens mit Tonic, nach einem langen Arbeitstag. Kenn‘ ich gut – Cheers!

 

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Betty, die im Büro arbeitet, und ich

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Der glückliche Gewinner in der Mitte: Chilungamo
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Thoko, Geoffrey, Faith (v.l.)

Die Brille

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Anmerkung: Ich begleite OneDollarGlasses ehrenamtlich, dieser Artikel stellt keine Kooperation dar. Weitere Infos unter www.eindollarbrille.de oder facebook.com/onedollarglasses

 

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