Malawi On My Mind (7): Das unbekannte Chilwa-Becken

Der beißende Fischgeruch liegt messerscharf in der Luft. Nur, wenn der Wind dreht oder man weit genug von den Auslagen des Fischangebots steht, wird es angenehmer zu atmen. Ich laufe zum Ufer des Sees und versuche, Mosambik zu sehen. Es heißt, man könne das Nachbarland am Horizont erkennen, doch der Chilwa-See ist größer als gedacht.

Fast eine Stunde hat die Fahrt von Zomba hierher gedauert. Sobald wir von der Hauptstraße abgebogen waren und der Geländewagen nur noch über rote Erde voller Steine fuhr, wurden wir immer langsamer. Doch zum Chilwa-See wollten wir an diesem Wochenende im April fahren, das Areal ist schließlich seit 2006 als UNESCO-Biosphärenreservat ausgewiesen und für malawische Verhältnisse schnell zu erreichen.

An diesem zweitgrößten See Malawis ist ganz stark zu erkennen, wie in vielen armen Regionen die Menschen versuchen, mit der Natur zu arbeiten, es allerdings unterm Strich um das Überleben geht und sich dadurch die Arbeit manchmal gegen die Natur richtet. Das wiederum macht es schwer für Hilfsorganisationen sowohl im humanitären als auch im Umweltschutz angesiedelten Spektrum, Kompromisse zu finden: Im Durchschnitt werden aus dem fischreichen Chilwa-See 15.000 Tonnen Fisch jährlich gezogen, was laut Wikipedia zweiundzwanzig Prozent des gesamten Ertrages in Malawi ausmacht. Der Kompromiss, das Gebiet nicht als Naturreservat auszuschreiben, sondern die Bewohner in den Schutz des Chilwa-Beckens einzuweisen und sie trotzdem Ackerbau und Fischerei betreiben zu lassen, klingt nachvollziehbar, nachhaltig – und irre schwer.

 

Zum riesigen Fischbestand kommen rund 200 Vogelarten, die hier leben. Zu den Brutzeiten herrscht unter den Anwohnern auch Jagdzeit auf die Vögel – sie werden zum Eigenverzehr hergenommen oder auf lokalen Märkten verkauft.

Nach einigen Gesprächen und mit den ersten vom Himmel fallenden Regentropfen steigen wir wieder ins Auto. Ich habe keinen Fisch gekauft, weil ich keinen esse – denke aber noch lange daran, wie wichtig es ist, ganzheitliche Lösungen für unbekannte Schätze wie dieses Becken in Malawi zu finden. Für die Menschen, die dort leben und die Natur, die hervorbringt, was sie brauchen, um zu überleben.

 

 

 

 


Die Fotos hat Deniz Ispaylar gemacht.

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