Wo „keine Schuhe“ zum Dresscode gehört – die Red Monkey Lodge

Wenn ich morgens meine Zimmertür geöffnet habe, musste ich blinzeln. Weil ich nichts sehen konnte, alles war so hell. Der weiße Sandstrand und das Wasser, am Horizont lapislazulifarben. Ich brauchte jeden Morgen ziemlich lange, um mich an diese Farben zu gewöhnen. Das Herz war natürlich schneller.

Mit einem schweren Rucksack und keinem Restfunken an Energie kam ich am Abend in Jambiani an.
Und ich mochte das. Ankommen, wenn alles dunkel und alles lediglich zu erahnen war. Das Meer konnte ich nur hören, aber das Rauschen war vertraut. Der Sand, der sich in meine Turnschuhe verlief, blieb dort noch eine ganze Weile.
Mein Anlaufpunkt war die Red Monkey Lodge. Und weil sie so hübsch und der Empfang so herzlich war, war dieser Ort sehr schnell der perfekte, um ein bisschen Ballast abzuwerfen und meine Füße im Sand zu vergraben. Das tat ich dann sieben Tage lang. Viel mehr ging nicht. Nicht mal schreiben. Die Erkenntnis, dass das vollkommen okay ist, hat mindestens genauso lange gedauert.

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Am Morgen dann dieser Moment, den jeder durchlebt, wenn er an einem der schönsten Strände der Welt steht. Versprochen. Natürlich ist der puderfeine, weiße Sand genau so, wie aus dem Katalog und natürlich ist das Meer genau so hellblau, wie auf den Fotos, die man eigentlich nicht schön finden mag, weil man davon überzeugt ist, dass da wieder jemand mit seinem Bildbearbeitungsprogramm nicht zurecht gekommen ist.
Ne.
Es sieht genau so aus. Deswegen ist das Nichtstun und das Aufs-Wasser-Gucken auch so einfach. Es braucht nicht viel mehr. Ich bin jeden Tag barfuß gelaufen, das letzte Mal geschminkt hatte ich mich vor Wochen. Ich liebe die Natürlichkeit auf Reisen, sie stellt einen so wichtigen Kontrast zu meinem Alltag, wo ich viel zu oft vermeintliche Makel übertünche und zu viel Zeit vor dem Kleiderschrank verbringe.

Wie einfach das Leben ist, wenn keine Schuhe zum Dresscode gehört.

Die Tage waren schön, denn sie folgten einem schönen Ablauf, den ich gerne als Alltag im Urlaub empfinde:
Morgens schlief ich aus, ging kurz ins Bad und zog mir ein Kleid an. Ich ging ohne Frisur nach draußen, setzte mich barfuß an den Tisch, der den Blick auf das Watt bot, trank Kaffee und aß Früchte, Omelette, Toast und Pfannkuchen.

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Danach las ich stundenlang und ging baden, sobald die Flut kam. Oder lief am Vormittag ins weiche Watt. Die Füße sanken leicht ein, der starke Wind trug die Hitze hinweg. Vorbei an den Seegrasplantagen*, die kurze Zeit später vom warmen Wasser des Indischen Ozeans überdeckt sein würden.

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Nachmittags saß ich mit einer french press wieder an meinem Lieblingsplatz. Die Wellen reichten nun direkt bis an die Häuserfassaden, das helle Wasser umspülte die erste Stufe der Treppe, die von der Lodge an den Strand führte. Die Kinder, die den halben Tag dort gespielt hatten, waren längst zurück im Dorf. Jetzt hörte ich das Meeresrauschen so laut, als wäre es in meinem Ohr und würde sich nicht am Riff, sondern an meinem Trommelfell brechen.

Wer würde hier wieder gehen wollen? Wie sollte ich jemals wieder Socken anziehen können und meine Füße einer möglichen Klaustrophobie aussetzen?

Sansibar wurde mit jedem Atemzug ein Stückchen mehr Rückzugsort, wo ich nicht auf die Uhr, sondern auf den Wasserstand des Meeres blickte und nicht mehr tat, als schlicht und ergreifend zu existieren. Obwohl mein Kopf verrückt spielte, irgendwo hing zwischen Malawi und diesem Fleckchen Erde vor mir, Bücher schrieb, Tweets verfasste, sich fragte, ob die Alkohollieferung gekommen war, damit mir der Barkeeper am Abend einen White Russian mixen konnte.

 

Ich war noch lange nicht so entspannt, wie ich sein wollte. Aber um mich zu entspannen und nicht bloß auf Fotos so zu tun, musste ich endlich damit anfangen, es einfach nicht mehr zu wollen.

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*Das Seegras wird auf den Feldern im Watt gepflanzt. Mit den Holzpflöcken und den dazwischen gespanntem Nylongarn sind das kleine Gärten mitten im Ozean. Das Seegras, das am Garn befestigt ist, ist auf den Weltmärkten begehrt. Es wird in der Kosmetikindustrie genauso verwendet wie bei der Rum- und Medizinherstellung. Leider sind die Preise dafür mittlerweile so gering, dass die Frauen viel weniger damit verdienen als vor einigen Jahren.

Weitere Infos zu Preisen, Ausflügen und Spezialangeboten der Lodge gibt es hier. Simone war übrigens auch schon dort und hatte mir die Lodge empfohlen. Infos zu Sansibar generell folgen.
Fotocredit: Ispaylar Photography

 

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