Schwarz/Weiß – 9 Vorurteile gegenüber Afrika

Afrika, der Kontinent, der in unseren Köpfen ein exotisches und wildes Land ist. Und dort wohnt der Afrikaner, der ganz gut in der Fortpflanzung ist, ansonsten aber ziemlich faul. Darüber zu schreiben, was die Vorurteile mit uns machen und wo sie ihren Ursprung haben, würde ein bisschen lang werden.

Deshalb gibt es vorerst eine Auflistung der für mich absurdesten Vorurteile und Handlungen.

anidenkt_vorurteile_afrika7Na, wie war’s in Afrika? Der Klassiker. Puh, keine Ahnung, wie ist es denn in Europa?
Ihr wisst, was ich meine. Und ich bitte alle, die eine Reise nach Afrika planen, bereits in ihrer Sprache schon etwas Acht zu geben. Schließlich sprecht ihr doch auch von eurer Reise nach Vietnam und nicht nach Asien. Differenzieren ist nicht so schwierig, hilft aber enorm dabei, Vorurteile abzubauen! Es gibt 54 verschiedene Länder, die Afrika ausmachen. Und jedes ist anders. Also, wohin fliegt ihr? Nach Namibia vielleicht? Nach Simbabwe?

anidenkt_vorurteile_afrika9Afrikaner = Schwarzer = Krimineller: Eine einfache Formel. Das Gedankenkarussell geht, vor allem in der heutigen Zeit, schneller, als uns vielleicht lieb ist. Ja, viele der Länder haben ein Korruptionsproblem und in einigen Gegenden ist es auch sehr gefährlich. Das ist aber auch in Ländern Südamerikas der Fall, genauso wie überall dort, wo der Tourismus hoch und die Armut groß ist. Der sogenannte Schwarzafrikaner (?!?) ist nicht per se kriminell und gefährlich – es ist schließlich absurd, einen Charakter oder eine Handlung auf Basis der Hautfarbe einzuordnen.

anidenkt_vorurteile_afrika3In Afrika ist es heiß und trocken. Ich war überrascht, wie viele Menschen überrascht waren, als ich vom malawischen Winter berichtet habe. Das Land hat Regen- und Trockenzeiten und sieht dementsprechend zu jeder Jahreszeit anders aus. Als ich dort ankam (März), war das Klima heiß, die Landschaft grün. Derzeit (August) ist es (noch) kühl und trocken. Afrika ist riesig – ziemlich logisch, dass dort unterschiedliche Klimaverhältnisse und Vegetationen herrschen.

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Flüge stornieren wegen Ebola. Speaking of Größe: Manche Reisende stornierten ihre Flüge nach Südafrika, weil in Westafrika ein Ebola-Problem herrschte. Das ist ungefähr so, wie wenn man nicht nach Portugal reist, weil in Finnland eine Epidemie wütend. Leider auch aus der Kategorie: Überhaupt nicht mit der Größe des Kontinents auseinandergesetzt.

anidenkt_vorurteile_afrika5Hilfsarbeit hilft. Nicht automatisch. Denn bei einer NGO zu arbeiten, kommt manchmal auch einem Freiwilligentourismus gleich. Privilegierte, junge Menschen (manchmal zu jung und zu unvorbereitet, um in die ärmsten Länder der Welt zu reisen) knipsen Fotos mit schwarzen Kindern, die Hungerbäuche (Kwashiorkor) haben, stellen das online und denken, der Welt zu zeigen, wie sehr sie sich engagieren. Sicherlich oftmals ohne böse Absicht, von der Selbstdarstellung mal abgesehen. Ich finde, dass es ein äußerst komplexes Thema ist und nicht für jeden die richtige Aufgabe. Bevor man sich einer Hilfsorganisation anschließt, sollte man sich definitiv mit den Themen des jeweiligen Landes beschäftigen. Es ist nicht damit getan, den weißen Retter zu spielen und das Leid zu dokumentieren, um das eigene Ego aufzupolieren. Klingt hart, ist aber leider oftmals genau der Fall, siehe hier.

anidenkt_vorurteile_afrika6Im Entwicklungsland leben alle in Lehmhütten, laufen stundenlang zu einem Gemeindebrunnen und tragen Kleiderfetzen. Das trifft auf viele Menschen zu und ist schrecklich. Allerdings hat jedes Entwicklungsland auch eine andere Seite und gerade in den Ländern Afrikas ist die Schere zwischen Arm und Reich besonders groß. Näher beschrieben habe ich das hier.

anidenkt_vorurteile_afrika8Die Menschen sind so glücklich, obwohl sie so wenig haben! Wer sagt das? Nur, weil sie freundlich sind und lächeln, heißt das nicht automatisch, dass sie glücklich sind. Natürlich haben extrem arme Menschen ein anderes Bild vom Leben, wahrscheinlich freuen sie sich über Dinge, die wir als Kleinigkeiten einstufen, viel mehr als wir. Und das deutsche Jammern über alles und jenes können sie vielleicht auch nicht ganz nachvollziehen. Das heißt aber nicht, dass sie nicht über den Tellerrand sehen können und ihnen nicht auffällt, dass es auch anders geht, als in unglaublicher Armut leben zu müssen. In Malawi hat ein Mann auf meine Aussage, dass das Land so schön sei, geantwortet: „Ja, ich weiß. Aber wir sind arm.“ Und da fällt einem dann nichts mehr ein und die oben angesprochene, dämliche Aussage sollte man sich dann auch sparen.
Ein, ähem, lustiges Video einer großartigen Kampagne dazu:

anidenkt_vorurteile_afrikaDie Sprache. Welche Sprache? In afrikanischen Ländern gilt oftmals Englisch oder Französisch als Amtssprache, daneben dann noch eine oder mehrere weitere, die uns meist nichts sagen, außer Swahili, das allerdings nur in Ostafrika gesprochen wird. Es gibt unendlich viele Sprachen und Dialekte – alleine in Äthiopien 80 verschiedene. In Benin spricht man übrigens Fon, in Malawi Chichewa, letzteres hört sich so übrigens unglaublich schön an: Ndimakukonda – Ich liebe dich.

anidenkt_vorurteile_afrika2In (Schwarz-)Afrika sind alle schwarz: Nö. Viele, ja, aber längst nicht alle. Zum einen gibt es eine kleine Zahl weißer Menschen, die dort geboren und aufgewachsen sind, zum Beispiel, weil die Eltern seit Jahrzehnten in dem Land leben, obwohl sie von irgendwo anders herkommen. Dann gibt es noch Expats und in weiten Teilen viele Inder und Chinesen. Warum das so ist, kann man unter anderem hier nachlesen (nicht automatisch meine Meinung). Außerdem sind noch Menschen mit Albinismus zu erwähnen und dass schwarz nicht automatisch schwarz ist: Die Unterschiede in der schwarzen Hautfarbe sind genauso stark wie die der weißen.


Randnotiz: Ich möchte hier niemandem auf die Füße treten, schon gar nicht denen, die noch nicht auf dem Kontinent waren und das vielleicht auch gar nicht vorhaben. Mir ist absolut bewusst, dass sich nicht jeder Mensch ausgiebig mit Afrika an sich beschäftigt. Die angesprochenen Vorurteile finden sich in den gängigen Medien, die es doch wirklich besser wissen sollten und oftmals auch unter Vielreisenden, die meiner Meinung nach ebenfalls etwas reflektierter unterwegs sein könnten. Als Reiseblogger trage ich eine gewisse Verantwortung und der versuche ich hier gerecht zu werden.

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Zum Stöbern:

 

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11 comments

  • Danke, danke, danke!! Wie viele dieser Vorurteile ich mir anhören durfte, weil ich nach Südafrika auswandere… da dreht man durch…

  • Klasse Artikel, und so wahr, danke dafür! Erst heute hab ich in einem Interview mit einem der großen Instagram-Outdoor-Fotografen gelesen, dass er auf Safari nach „Afrika“ will. Da könnt ich innerlich schon ausrasten! Ich liebe Afrika in all seiner Vielfalt.

  • ein toller Bericht und so wahr! Ich wünschte mir, dass sich diese Worte noch viele Europäer hinter die Ohren schreiben würden…
    Vor allem der Abschnitt „Hilfsarbeit hilft“ bringt es absolut auf den Punkt! Ich kann die Fotos mit den hellhäutigen, selbsternannten Engel unter all den armen Kinderlein gar nicht mehr sehen! Und natürlich wissen wir genau, was gut und schlecht für die Einheimischen ist. Auch ich will keine Armut auf der Welt – aber habe ich das Recht, meine Lebensart und meine Wertvorstellungen anderen Menschen aufzuzwingen und zu wissen, was das Beste für sie ist?
    Gerne teile ich den Beitrag auf FB.

    • Absolut. Was wir brauchen oder denken, dass wir brauchen, ist noch lange nicht für andere das Richtige. Guter Punkt!
      Grüße und danke,
      Anika

  • […] Anika reagiert, kannst Du in ihrem Beitrag „Schwarz/Weiß – 9 Vorurteile gegenüber Afrika“  lesen. Auf ihrem Blog findest Du weitere Impressionen und Reiseberichte über Afrika, u.a. über […]

  • Hi Anika,

    Lieben Dank für den tollen Artikel! Viele dieser Vorurteile habe ich schon gehört und gelesen. Da ist es super, wenn man über Worte wie deine stolpert!
    Grüße aus Argentinien,

    Feli

  • Toller Artikel. Ich verstehe genau, was du meinst… mir ging es auch mit vielen Dingen so… und auf die Frage, wie es so in Afrika ist, hab ich auch schon öfter geantwortet, wie es so in Europa ist… Da das Bild von „Afrika“ auch in der Reisebranche sehr einseitig gezeichnet wird, habe ich letztes Jahr einen Reiseveranstalter gegründet, mit dem Ziel „Reisen jenseits von Afrika-Klischees“ anzubieten. Vielleicht hat ja der ein oder andere Lust, Südafrika, Tansania, Ruanda, Uganda oder Äthiopien auf einer Reise fern der eurozentrisch geprägten Klischees zu bereisen Unsere Individual- und Gruppenreisen sind ein bunter Mix aus Einblick in Geschichte, Politik und Kultur, Museen, Naturerlebnissen, Begegnungen mit Zeitzeugen und Tierbeobachtungen in Nationalparks… zu finden unter http://www.mingleafrica.com

  • Liebe Ani,
    ich finde es großartig, dass du einen solchen wichtigen Beitrag schreibst! Ich beschäftige mich selbst seit rund einem Jahr sehr intensiv mit Rassismus und Vorurteilen und habe in der Zeit so unheimlich viel über mich und über mein bis dahin (und vermutlich immer noch) sehr eingeschränktes Weltbild gelernt. Leider wird es uns durch Medien, Lehrer und Verwandte vorgelebt. Meine intensive Beschäftigung entstand erst, als ich ein Seminar in der Universität besuchte, das von einem Professor für Ethnologie gehalten wurde. Er hat mir im Grunde die Augen geöffnet und uns Studenten immer wieder dazu ermutigt, das, was wir lernen, hören und sehen, zu hinterfragen.
    Übrigens hängt die Staatenanzahl (54 oder 55) in Afrika davon ab, wen du fragst. Die „Demokratische Arabische Republik Sahara“ wird bisher nicht von allen Staaten als eigenständiger Staat anerkannt.
    Liebe Grüße
    Cora

    • Liebe Cora,

      vielen Dank für deinen Kommentar, dein Seminar klingt super spannend. Und mir ging es da ganz ähnlich mit den Beobachtungen, die du an dir und deiner Umwelt gemacht hast.
      Danke auch für den Hinweis zu der Länderanzahl, das hatte ich gar nicht gewusst!

  • Ich würde Afrikaner niemals als Kriminelle bezeichnen. In jeder Nationalität/Kultur/Kontinent gibt es Kriminelle Menschen. Afrikaner sind sehr freundliche und herzensgute Menschen :). Einen Friedensgruß aus dem Hotel Vent

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