Von Sandstränden, Schildkröten und Schmetterlingserbsensaft.

In der Vergangenheit ist es mir nun schon des Öfteren so ergangen, dass sich meine Reiseziele mehr mich ausgesucht haben, als dass ich sie selbst bewusst gewählt hätte. So auch, als im September eines Nachts eine E-Mail der lieben Ani aus dem fernen Afrika eintraf und sie mich darin fragte, ob ich es einplanen könne, im Oktober für sie im Rahmen einer Pressereise nach Thailand zu fliegen.

Ein enthusiastsches Kopfnicken, ein paar Anrufe und einen kleinen Schreckmoment bezüglich der Gültigkeitsdauer meines Reisepasses später, saß ich, die sich schon damit abgefunden hatte einen regnerischen Herbst in Köln zu verbringen, im Flieger Richtung Bangkok, um von dort weiter nach Phuket zu reisen.

Thailand erfreut sich als Destination außerordentlicher Beliebtheit in meinem Freundeskreis – doch ich hatte bisher nie geplant dorthin zu fahren. Bis jetzt.

 

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Unsere Reise spielt sich ab in und um die Region Khaloak, die im Jahre 2004 von dem verheerenden Tsunami schwer beschädigt wurde.

Das Erste, was man nach einem langen Flug von einem neuen Land zu sehen bekommt, ist ja stets das eine: Das Treiben vor dem Flughafengebäude. In diesem Falle kroch uns die Luftfeuchtigkeit sofort in die Kleidung und die Hitze flimmerte hinter den Augen, ein bisschen wie das Rauschen eines alten Fernsehers – wir kletterten in den klimatisierten Shuttle, der uns von Phuket die anderthalb Stunden Fahrtzeit nach Khao Lak chauffierte: Jene Region, die wir in den kommende Tagen erkunden sollten.

Nach einer Weile konnten wir zum ersten Mal das Meer vor dem Autofenster entdecken und es war ganz so, wie man sich einen thailändischen Strand eben vorstellt: Weißer Sandstrand, blaues Wasser,  Palmenreihen. Wunderschön eben.

Aber da war es auf einmal. In den Enthusiasmus mischte sich ein flaues Gefühl.

Denn es gab auch durchaus einen ernsten Hintergrund für diese Reise, der es sich zunächst irgendwo in meinem Hinterkopf gemütlich gemacht hatte, aber jetzt mit voller Wucht ins Bewusstsein schwappte – denn 2004 waren genau diese Strände vor meinen Augen Schauplatz eines der katastrophalsten Ereignisse der Menschheitsgeschichten, als der Tsunami am zweiten Weihnachtstag völlig überraschend ins Inland rollte und Menschen, Häuser, Vegetation mit sich riss.

Jetzt schien es fast unwirklich, dass sich diese Szenen tatsächlich hier abgespielt haben sollen – noch bis zum Abend als wir an einem der Strände stehen, ganz in Weiß gekleidet, Lichterketten in den Palmen, neugierig auf das, was uns in den kommenden Tagen erwartet.

 

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Wir hören mit großem Interesse einen Vortrag über die touristische Entwicklung der Region, die vor der Katastrophe einer der am stärksten wachsenden Touristenknotenpunkte Thailands war und nun, elf Jahre nach dem Vorfall, wieder von Touristen belebt wird – und man kann sich eigentlich nur am Kopf kratzen, wenn man sich vorstellt, dass so viele der Häuser und eindrucksvollen Resorts mit Meerblick vor elf Jahren in dieser Form nicht existierten.

 

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Es ist ein stetiger Wandel: Zu Beginn rückt das Geschehene gedanklich sehr nah an einen heran, aber dann, im nächsten Moment, scheint wieder alles ganz unwirklich weit weg zu sein – wie am nächsten Morgen, als wir nach unserem Besuch im „Phang Nga Coastal Fisheries Research and Development Center“ am Strand stehen und von uns adoptierte Schildkröten ins Meer entlassen dürfen.

Auch wenn wir uns nur kurz kennen, fühlen Tanja und ich uns unserem Adoptivkind „Lucky TJ“ sehr schnell nah – vor allem, weil der von der ganzen Aktion semi-begeistert scheint und sich nach Leibeskräften wehrt, bis die Fotos gemacht sind und er endlich den Trip ins Meer antreten darf. Mein Schildkrötensohn ist also genauso ein Sturkopf wie ich. Großartig.

Das Fischerdorf Bang Phat wurde vom Tsunami schwer getroffen und hat eigene Wege gefunden, nach der Katastrophe wieder auf die Beine zu kommen.

 

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Es ist spannend, in dieser kurzen Zeit die unterschiedlichen Seiten der Region zu entdecken, von den Luxus Resorts, die sich mittlerweile wieder an den Stränden von Khao Lak aufreihen, bis hin zu den Bewohnern der Region, die sich nach dem Tsunami wieder mühsam zurück kämpfen müssen in die Wirtschaftlichkeit.

Eindringlich etwa ist der Besuch der Bang Phat Community, einem muslimischen Fischerdorf, das vom Tsunami stark betroffen wurde und dessen Bewohner neben Behausungen während der Katastrophe auch Boote, Maschinen und Fischereibedarf verloren – und somit ihrer Haupteinnahmequelle beraubt wurden.

Wir erfahren, wie sich das Dorf durch das Einrichten eines Homestays, bei dem Touristen das Treiben im Dorf hautnah miterleben können, oder dem Aufbau der „Crab Bank“, die auf den Erhalt des Ökosystems in der Region abzielt, wieder zurück kämpft.

 

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Ich finde etwas freie Zeit zwischen zwei Programmpunkten und wandere ein Weilchen mit meiner Kamera durch das Dorf. Die Freundlichkeit der Bewohner von Bang Phat rührt mich. Auch wenn nahezu niemand Englisch spricht, Hände und Füße sind ein gegebenenfalls adäquates Mittel, um zumindest Sympathie und Zustimmung auszudrücken. Ich sitze eine Weile in friedlicher Übereinstimmung bei einer Frau, die Garnelen vorbereitet, damit sie zu Krabbenpaste verarbeitet werden können – eine kleine Probe für meinen Magen, aber sie lächelt, ich lächle und die Welt ist in Ordnung.

 

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(Teil 2 kommt bald)


Vielen Dank an Phang Nga Tourism Association und Tourism Thailand für die Möglichkeit, diese Reise zu machen. Meine Meinung bleibt davon natürlich unberührt.

 

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