Curaçao: Das Meer, durchsichtig.

Ich stehe unter einer heißen, karibischen Sonne, mein Rucksack ist schwer und ich trage Socken. Weil Winter in Deutschland ist. Der Taxifahrer Guido fährt vor, ich setze mich neben ihn und entscheide mich, weil er so nett ist zu fragen, gegen Klimaanlage und für offene Fenster.

Guido ist die Person, die man sich wünscht für einen freundlichen Empfang in einem unbekannten Land. Er lacht viel, selbst wenn er den Kopf schüttelt. Wir reden über Curaçao, über Deutschland und Europa, über seine Lieblingsorte auf der Insel und was er besonders mag. „Filme gucken“ lautet da die Antwort und ich muss lächeln, weil ich mal wieder falsch lag. Mit „den Sonnenuntergang am Strand anschauen“ gerechnet habe. Wie ähnlich das Leben anderer zum eigenen sein kann – egal, wo auf der Welt.

Zuerst sind da die Flamingos. Sie stehen in einem niedrigen Salzbecken unweit vom Meer und weil ich in der Annahme gekommen war, die Tiere nur auf Aruba zu sehen, bin ich hin und weg. Ich liebe Flamingos, da waren sie noch nicht auf jedes T-Shirt gedruckt oder dienten als stylishe Schwimmhilfe in instagramesquen Infinity-Pools. Die grazilen Tiere zum ersten Mal zu beobachten, beim Fliegen, Landen und verdammt coolen Herumstehen, war eine traumhafte Erfahrung.

Dann kam der Strand und mit ihm das Wasser. „Sie haben nicht übertrieben“, denke ich, während meine Füße in puderweichen Sand sinken, ganz sachte, wie wenn man mit dem ganzen Körper in das bequemste Hotelbett der Welt sinkt, in weiße, reine Laken.
Meine Zehen werden von dem kühlen Wasser umspült, es ist durchsichtig, absolut nichts ist darin zu finden, außer Ruhe, vollkommene Klarheit, das Hinwegspülen meiner Gedanken, weshalb ich überhaupt den Koffer gepackt hatte. Keine Muschel, keine Alge, kein Stein, kein Fisch. Ich laufe tiefer hinein und lasse mich dann fallen, hier trägt das Meer die Farbe türkis und ein paar Meter weiter, dort, wo ich nicht mehr stehen kann, ist der ganze Raum unter mir hellblau angestrichen, ein Türkisschimmer, nicht trüb oder milchfarben wie die Adria, sondern rein. Ich tauche unter, einzelne bunte Fische schwimmen an mir vorbei, kleine Korallen auf dem Boden unter mir. Ich weiß, ich bin in einem dieser Paradiese auf Erden, schwimme in einem noch weitestgehend sauberen Meerwasser, liege am karibischen Strand, das im Wind flatternde Sonnensegel über mir, der deutsche Winter weiter weg als die Kilometerzahl zwischen uns.

Salzkrusten auf meinem Oberarm, winzige Sandkörner unter meinen Fingernägeln, die vertraute Röte auf Schultern und Nase. Die Luft riecht nach Sonnencreme, nach ganz viel Leichtigkeit und ich laufe barfuß in die Strandbar, blinzele, bestelle einen Eiscafé, setze mich an den Tisch neben dem Stein, auf dem mehrere große Leguane träge im Schatten liegen. Ich klappe meinen Laptop auf und schreibe an meinem Roman. Ich kann mich nicht glücklicher schätzen. Sauge den Ort auf. Und freue mich. So sehr. Dass das noch nicht der letzte Tag ist.

 


Willemstad

Was ich gemocht habe: Ganz einfach, den Vibe. Die Viertel Otrabanda und Punda sind besonders schön, von überall heraus dringen karibische Klänge und Gläser klirren, die Menschen sind freundlich und sehr hilfsbereit. Im La Boheme frühstücken und bei einem Kaffee oder Smoothie sitzen bleiben und die Leute beobachten. Durch die kunstvoll verzierten Gassen schlendern und shoppen, den Malern, die mit Staffeleien auf der Straße stehen über die Schulter gucken und bei den schwimmenden Märkten Obst kaufen. Tipp: Den Nachmittag im Kura Hulanda Museum verbringen.

Was ich nocht gemocht habe: Den Stadtstrand Mambo Beach. Tipp: Jede freie Minute an den tollen Buchten und Stränden auf der Insel verbringen, abseits von Willemstad und Jan Thiel. Und sich dann in der Haupstadt lieber der Kultur widmen.

 

Die schwimmenden Märkte

 

Absolutes Lieblingscafé in der ganzen Stadt: La Boheme

 

 

Die schwimmende Hängebrücke. Als ich das erste Mal drübergelaufen bin, war mir richtig schlecht, aber man gewöhnt sich dran und an einem windstillen Tag merkt man gar nicht, dass sie sich bewegt

 

 

 


Unterkünfte

Leider kann ich die tolle Unterkunft in Sint Michiel, die manche vielleicht in meinen Instagram-Storys gesehen habe, nicht empfehlen, da Astrid nach über 20 Jahren ihr Haus verkauft und zurück nach Holland zieht.

In Willemstad habe ich zuerst hier gewohnt. Sehr verträumt angelegt, eher Hostel als Hotel. Die Besitzerin ist lieb, aber auch etwas durchgeknallt.

Die letzten Tage in Willemstad verbrachte ich im Apolonia, einem richtig schönen, kleinen und sehr sauberen Boutique-Hotel. Zu empfehlen für alle, die in Sachen Hygiene und netter Atmosphäre keine Abzüge machen wollen, aber trotzdem nicht allzu viel ausgeben möchten. Das Design der Zimmer ist nicht so gelungen wie der Rest des hübschen Kolonialhauses. Es gibt einen großen Aufenthaltsbereich (siehe Foto), einen kleinen Balkon, eine tolle Küche sowie eine große Terrasse mit Liegestühlen und Bar.


Strände

Cas Abao. Absoluter Lieblingsstrand, kostet geringen Eintritt.

 

Grote Knip. (kostenlos)

 

Playa Lagun. Mit dem Bus zu erreichen, was viele andere nicht sind. Eine Bucht mitten im Dorf, kostenlos, außerdem eine tolle Strandbar hoch oben auf den Klippen.

Kokomo. Hier war ich am häufigsten, weil ich in Sint Michiel gewohnt habe, einem Fischerdorf, das über einen 30-minütigen Wanderpfad von dem Strand aus zu erreichen ist. Man kommt dann direkt im Hafen des Dorfes heraus. Schöner Weg mit atemberaubenden Ausblicken. Ich bin unglaublich gerne trotz Hitze über den Hügel zum Kokomo Beach gewandert, weil ich direkt danach ins kalte Wasser springen konnte.

 

Bluebay. Toller Strand! Manko: Befindet sich auf amerikanischen Privatgelände. Der Zutritt ist erlaubt, allerdings nur mit Fahrzeug. Das heißt, wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Gelände kommt, wird nicht reingelassen. Vollkommen absurd, allerdings mit Mietwagen oder Taxi kein Problem.

 

 

Playa Porto Mari. Unweit von der Luxusanlage Coral Estate entfernt, wo ich im (sündhaft teuren) Karakter fantastisch gegessen habe.

Karakter.

 

Sint Michiel. Bietet ebenfall einen kleinen Dorfstrand, sehr idyllisch, nur Einheimische. Leider wurde aufgrund eines Sturmes kurz vor meiner Ankunft (März 2017) eine Bohrinsel in die Bucht gezogen. Keiner weiß, wie lange sie da nun steht.

 


Curaçao, my love.

 

 

Der westlichste Punkt – die raue Seite der Insel
Unglaublich vielfältige Insel, wenn man genau hinschaut. Oder sieht dieses Fischerdorf aus, wie man sich die Karibik vorstellt?

 

Bei Astrid in Sint Michiel

Wissenswertes:

Curaçao bildet mit Aruba und Bonaire die ABC-Inseln, sie liegt vor der Küste Venezuelas, die unbewohnte Insel Klein-Curaçao gehört zu ihr; gemeinsam bilden die beiden Inseln ein niederländisches Land in der Karibik. Gesprochen wird Papiamentu, die kreolische Landessprache, fast jeder (vor allem natürlich die dort lebenden Holländer) spricht Niederländisch, mit Englisch kommt man aber ebenfalls weit. Die Insel ist von einem heißen, trockenen Klima mit wenig Niederschlag geprägt, gleichzeitig kann man sie also ganzjährig bereisen (beispielsweise mit einem Direktflug von Düsseldorf mit Airberlin)
Lieblingsfact: Das Leitungswasser ist trinkbar und nicht gechlort. Bitte deshalb an Plastikflaschen sparen. Einfach eine Flasche von zuhause mitbringen und auffüllen.

  • Die ersten zwei Tage habe ich auf Einladung im Morena Eco Resort verbracht und einen Artikel darüber geschrieben, welchen Herausforderungen sich das Ökohotel auf der Insel stellt.
  • Beatrice hat einen sehr interessanten Artikel darüber geschrieben, wie durch das BioRock-Projekt auf der Insel Korallen neu gezüchtet werden.
  • Ryan de Jongh ist ein sehr bekannter Umweltaktivist der Insel und bietet verschiedene Aktivitäten für Touristen an.
  • Alle Sehenswürdigkeiten hat TripAdvisor übersichtlich zusammengestellt. Bitte immer abwägen, ob die Aktivitäten für Tier- und Umwelt sinnvoll sind! Die Insel ist generell gut geeignet für Taucher und Schnorchler, für alle, die Traumstrände lieben und den karibischen Vibe mögen.

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