Wie ich mich durch Barcelona schlemmte (und ihr das jetzt auch könnt).

Sooo, Barcelona also. Mit süßen 18 Jahren war ich das erste und bis März diesen Jahres auch das einzige Mal in der katalonischen Hauptstadt gewesen, es wurde also dringend Zeit, zurückzukommen. Und ganz tief in die Kulinarik der Stadt einzutauchen.


 

Eins wusste ich sicher – die Sagrada Família wollte ich definitiv und unbedingt sehen, nicht nur von außen, sondern mir die Kathedrale in ihrer unvollständigen Gesamtheit ansehen. Für den Rest der verbleibenden vier Tage wollte ich mich treiben lassen, den Frühling auf der Nase tanzen lassen, Meeresluft einatmen und sehr, sehr viel essen. Und trinken. Genau dieses Vorhaben erschwerte mir das Treiben lassen, denn ich bekam vorab so viele kulinarische Tipps und suchte obendrauf auch noch selbst in den Unweiten des Internets – und besucht meine Cousine, die in Barcelona wohnt und ebenfalls ihren Tag nach den Essenszeiten ausrichtet – sodass alles, alles, alles ausprobieren wollte. Die manchmal etwas hektischen Zeiten (ich neige zum Perfektionismus, gerade bei Städtetrips) waren es jedoch wert, denn ich habe wundervolle Tipps gesammelt, auch für alle, die sich vegan/vegetarisch ernähren.

Erster Tag, Nachmittag

Cosmo: Kaffee und Kuchen! Zwar nicht typisch spanisch, sich am Nachmittag mit einem Cappuccino mit Hafermilch und einem Red Velvet Cake in die Sonne zu setzen, aber das stylishe Cosmo im Univiertel macht das möglich. Hier gibt es nicht nur vegane Kuchenkreationen zu finden, das ganze Café ist eine Augenweide mit den Bikes an den Wänden und der integrierten Kunstgalerie. Überhaupt hat Barcelona ganz fantastische Cafés zu bieten. Ein paar Häuser neben dem Cosmo befindet sich das Brunch and Cake, das Eggs Benedict-Träume wahr werden lässt und überhaupt eine wirklich famose Anlaufstelle ist für alle, die Cafékultur lieben.

Abend

Morro Fi: Die erste Anlaufstelle an diesem Abend, denn das Apartment meiner Cousine liegt ums Eck im Viertel Eixample. Das Morro Fi gibt es mehrmals, hier ist es ein klitzekleiner Laden, der an eine Garage erinnert. Wir kamen für einen Aperitif hierher, es gibt weißen und roten Wermut, der selbst gemacht wird und gekauft werden kann.

 

 

 

Senyor Vermut: Nach einem, zwei oder drei kleinen Gläßchen ging es ab zum Senyor Vermut, ein immer volles, aber entspanntes Restaurant nur ein paar Blocks vom Morro Fi entfernt. Muscheln, Patatas Bravas, gefüllte Kroketten und so viele andere Leckereien zum Teilen. Dazu Rotwein oder nochmal ein Wermut, fertig ist der perfekte spanische Abend zum Einstieg.

 

 

 

 

Donnerstag, Morgen

Granja Petitbo: Uh, perfekte Adresse zum Frühstücken. Hier werden ausschließlich biologische Zutaten verwendet, Geschmacksexplosion inklusive. Die Hälfte aller Gäste hat die Pancakes bestellt, die müssen also genauso köstlich sein, wie sie aussahen. Ich brauche an einem langem Sightseeingtag morgens etwas Herzhaftes und entschied mich für Eier, Avocado und die frischesten Champignons, die ich jemals gegessen habe. Einige Vegan-Optionen!

Das Granja Petitbo ist nur zehn Minuten Fußweg von der Sagrada Família und nochmal fünf Minuten Fußweg vom Hospital Sant Pau entfernt, für dessen Besichtigung ich mich an diesem Vormittag entschied. Das ehemalige Krankenhaus wurde ab 1902 erbaut zugunsten der armen Bevölkerung der Stadt. Der Architekt, der für seine Zeit wahnsinnig vorausschauend arbeitete, entwurf einen Palast, in dem die Menschen gesund werden sollten, optimistisch sein konnten und auch genügend Platz hatten, sich drinnen und draußen frei zu bewegen.

Hospital Sant Pau, entworfen von Lluís Domènech i Montaner.

Von hier aus steuerte ich ins Stadtviertel Gràcia, das sich nordwestlich anschließt und auch den bekannten Park Güel mit einschließt. Wer abseits der La Rambla in kleinen Boutiquen shoppen möchte, die viele spanische Labels anbieten, sollte sich mindestens einen halben Tag Zeit nehmen für das schöne Viertel. Kaffeepause mit Bananenbrot? Ab ins hübsche Café Onna!

Übrigens: Eine ganz tolle vegane Patisserie (auch glutenfrei) ist La Besńeta mitten im Viertel. Schnell ein Cupcake und weiter gehts!

Shoppen in Gràcia.

Zum Sonnenuntergang stieg ich die Treppen hinauf zu einem der Eingänge des Park Güel, der von Antoni Gaudì entworfen wurde. Gaudìs Werke prägen das Stadtbild Barcelonas ungemein, er war, genauso wie der Architekt des Hospital Sant Pau, ein Vertreter des katalonischen Modernisme, einer kultur-gesellschaftlichen Bewegung sämtlicher Künste. Sein bunter und verspielter Stil ist einzigartig und in der ganzen Stadt nicht zu übersehen.

Sonnenuntergangsstimmung im Park Güel. Wem es hier zu voll ist, der kann die Bunkers del Carmel ansteuern.

Donnerstag, Abend

Telefèric in der Altstadt! Was soll ich sagen, außer, dass ich so glücklich bin, dieses Restaurant gefunden zu haben. Toller Service, super Weinkarte, baskische Pintxos (kleine belegte Brote, in denen Zahnstocher stecken, die nach dem Verzehr gezählt werden) und eine leckere Karte zum Durchprobieren.
Überragend: Der gebratene Rosenkohl mit Parmesan und die Crema Catalana.

Freitag, Morgen

Ganz früh und nur mit ein paar Minicroissants vom Bäcker lief ich in Begleitung frischer Frühlingsluft zur Sagrada Família, mein architektonisches Highlight der Reise. Ich empfehle allen, die Tickets vorab online zu kaufen, damit gerade im Sommer die langen Wartezeiten umgangen werden können.

2020 soll sie zum 100. Todestages des Architekten Gaudì fertiggestellt werden.

Kirchen faszinieren mich, beim Betreten üben sie aber auch immer eine Kälte und Schwere auf mich aus. Meist ist es dunkel und nicht besonders angenehm, sich dort länger aufzuhalten. Die Basilika Sagrada Família fällt komplett aus diesem Rahmen. Als ich hineinging, breitete sich auf meinen Unterarmen Gänsehaut aus, denn der Innenraum ist lichtdurchflutet, spielt mit Farben, er ist komplett der Natur, insbesondere einem Wald, nachempfunden, was die Demut vor der Erde widerspiegelt, die Gaudì in sich trug. Die Säulen wirken wie meterhohe Bäume, deren Kronen sich in alle Richtungen ausbreiten – es ist ein atemberaubendes Bauwerk und gerade für naturverbundene Menschen ein schöner Gedanke, ihn in einer Basilika umzusetzen. Die Basilika ist der beste Beweis dafür, weltbekannte Attraktionen beim Städtetrip nicht immer zu umgehen, sondern zu verstehen, dass sie meist nicht ohne Grund weltbekannt sind.

Donnerstag, Nachmittag

 

 

 

 

 

 

 

Satan’s Coffee: Zur Stärkung zwischendurch einen Kaffee bei Satan’s Coffee Corner, das es zweimal in der Stadt gibt, richtig stylishe Läden, die sich auf verschiedene Kaffeezubereitungen fokussieren. Mir war meine gewählte Bohne etwas zu fruchtig, dafür schmeckten die Cookies umso besser.

 

 

 

 

 

Wer einen kurzen Zuckerschock benötigt, sollte sich unterwegs die spanischen Churros nicht entgehen lassen. Das Fettgebäck macht süchtig! Die beste Adresse ist in Eixample, die Churreria San Roman.

 

 

Samstag, Morgen

Ab ans Meer!

 

 

 

 

 

 

Mit dem Fahrrad am frühen Morgen den Strand und das dort gelegene Viertel La Barceloneta anzusteuern, war eine verdammt gute Idee. Entlang der Promenade gibt es genügend Einkehrmöglichkeiten, die einem schlichten Stil und einer einfachen Karte folgen, als ich es aus den anderen Vierteln der Stadt gewohnt war. Crêpe mit Tomaten, Mozzarella, Spinat, Cappuccino und freie Sicht auf schwitzende SportlerInnen und das Meer? Gerne!

 

Bevor ich für ein paar Stunden in das touristische Dörfchen Sitges, eine 30 minütige Bahnfahrt südlich von Barcelona entfernt, fuhr, schaute ich noch kurz beim größten Flohmarkt der Stadt vorbei, dem El Mercado Encants, wo auch Livemusik spielt und viele kleine Läden spanisches Streetfood anbieten. Wir wollen ja schließlich nicht verhungern hier.

 

 

 

Sitges im Sonnenuntergang.

 

Samstag, Abend

Addis Abeba: Nach vielen, vielen Tapas und katalonischen Köstlichkeiten sehnte ich mich nach etwas anderem. Meine Cousine empfahl mir das äthiopische Restaurant Addis Abeba, das ich ebenfalls allen ans Herz legen möchte, die in die äthiopische Küche eintauchen wollen oder sich vegan ernäheren. Außerdem ist der Service dort wirklich toll, die Zutaten frisch und perfekt gewürzt. Ein schöner kleiner Ausflug auf einen anderen Kontinent.

Wer abends tanzen oder Livemusik hören möchte, sollte übrigens im El Rouge auf ein paar Drinks vorbeischauen. Die Bar im Viertel Raval ist ein guter Einstieg ins Nachtleben.

Sonntag, Morgen

Trópico: Und das wars auch schon, der letzte Tag brach an. Bevor ich mit Freunden noch stundenland durch das Barri Gòtic flanierte, vorbei an der Kathedrale und dem Museo Picasso, und danach schnell noch in die Sonne auf ein Abschiedsglas Wermut, frühstückte ich im Café Trópico und kann mein kulinarisches Fazit ziehen: Nicht einmal wurde ich enttäuscht von den Restaurants, Bars und Cafés, die ich vier Tage lang ansteuerte. Ich habe wundervolle Perlen in dieser umwerfenden Stadt gefunden und wurde mal wieder darin bestätigt, dass Reiseliebe eben vor allem durch den Magen geht. Das Trópico macht seinem Namen alle Ehre: Fantastische Smoothies und eine sehr exotische, leckere Küche, die von Pancakes bis Arepas reicht. Das Beste: Die Küche hat ganztägig geöffnet, das heißt, man kann auch spät am Abend frühstücken!

Das wundervolle Barri Gòtic

 

 


Die Reise nach Barcelona habe ich für Travellers Insight unternommen. In diesem Artikel gibt es noch einige Tipps abseits des Schlemmens.

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