Der geheime Garten am Lago di Garda

Vielleicht habe ich ein bisschen zu viel Wein getrunken. Vielleicht bin ich aber auch einfach betüdelt von der wunderschönen Landschaft, in der ich mich gerade befinde. So oder so, man braucht ja nicht nach der Ursache zu forschen, wenn die Wirkung klar und eindeutig ist.

Ich liebe Italien, weil für mich kaum ein Land Europas meinen Vorstellungen von Urlaub gerecht werden kann wie dieses Land. Eis, das auf der Zunge zerschmilzt, wenn man es nur anschaut. Palmen, die Straßen säumen, welche sich nur ein paar Stunden Fahrtzeit von München entfernt durch die Alpen schlängeln. Pasta, auf die man beherzt so viel Grana Padano streut, bis einem schwindelig wird. Nein, ich möchte Italien nicht in einen Werbespot verpacken, durch dessen Bild ich ab und an mit wehendem Haar tänzele, aber ich bin hier einfach… ja, was eigentlich?
Vielleicht atme ich endlich mal wieder durch.

>>Grundsätzlich liegt mein Herz auf dem Meeresboden.<<

Oder, um es mal weniger tragisch zu formulieren, ich habe es vor sehr langer Zeit an den türkisblauen Ozean verloren. Egal wo auf der Welt, aber ganz und komplett und überhaupt glücklich bin ich nur, wenn ich nach vorne blicke und mich die Weite des Wassers beruhigt, genau da, wo der Horizont die beiden schönsten Blautöne vereint.

Und wer das Meer liebt, der weiß, dass ein See da nie mithalten wird. Er kann höchstens ein bisschen hinwegtrösten über die Durststrecken in heimischen Gefilden, er ist wie ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein, der kurz zischt, im gleichen Moment allerdings verpufft.

Beim Gardasee ist das – zumindest für mich – ein bisschen anders. Er ist so groß, dass er an ein offenes Meer erinnert und die Wucht der steilen, teilweise senkrechten Felswände beeindruckt mich. Die Kombination aus Berge, deren Wipfel selbst im Juni mit Schnee bedeckt sind, einem See, dessen Blau mich eintauchen lässt in einen klaren Kopf und die Hitze, die ich mir von einem Sommer in Italien wünsche, kratzt an der Jackpot-Marke.

Und so sitze ich hier in meinem Bett im Dachgeschoss eines ehemaligen Bauernhauses und blicke hinaus in einen wunderschönen Garten, der sich über den ganzen Hang erstreckt. Meine Gedanken fliegen durch das zwischenzeitlich unbewohnte Dörfchen Musio, das mich umringt, hier weit oben gelegen in den Bergen, eingebettet in Serpentinen und einer so grünen und dichten Landschaft, dass ich mich ein bisschen nach Kolumbiens Kaffeezone zurückerinnert fühle.

Ich schweife ab und sehe die deutschen Touristen durch Limone streifen, wie sie verwackelte Fotos schießen und sich ihre Tennissocken über die Waden ziehen. Als ich in mich hineinlächele und von allen Seiten auf deutsch angesprochen werde, fühle ich mich so befremdlich, weil ich doch irgendwie im Urlaub bin, und doch so vertraut, weil hier einfach jeder aus Deutschland kommt.

>>Deswegen sind die stillosen Cafés dort unten im Tal überfüllt mit Kaffeefahrten, die Eisbecher werden wie damals in den 90ern mit Federn bestückt serviert, Aperol Spritz wird aus unpassenden Cocktailgläsern geschlürft und Solarium gebräunte Damen tragen deplatzierte Frisuren, und das alles passt so wunderbar zusammen.

In diesem Bergdörfchen Musio geht es mir gut. Hier gibt es kein Wlan, kein Restaurant, nicht mal einen Tante-Emma-Laden. Lediglich eine kleine Kirche, uneben gepflasterte Straßen und den Duft der knallpinken Rosen, die an der Mauer gegenüber wachsen und den Eingang umrahmen zu einem geheimen Garten, in dem die Zeit stillsteht, mitten in Europa, genau da, wo man es eigentlich am wenigsten erwartet. Und genau da, wo man es am allermeisten braucht.

kitsch

anika

 

garten

aussicht2

IMG_9579

kirche

limone

stühle

sonnenschirm

wasser

wiese

surfer

rücken

4 comments

  • Famos! Und mit der Piazza Garibaldi noch eine Brücke zu Südamerika! Ach, auch ich bin schon ganz berauscht … aber nicht vom Wein, sondern von den Bildern! Arrivederci, Jutta

  • Ich kenne den verträumten Ort Musio und das Haus in dem Du Gast warst. Alles sehr schön dort.

  • Sehr schöne Bilder, da möchte man direkt wieder zum Gardasee fahren 😉

Join the discussion

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.