Hej Helsinki.

Hej Helsinki,

neulich, da war ich bei dir, bin durch deine leisen Gassen gestreift und habe mir dabei gedacht: Also, wenn man gerade aus Porvoo kommt und in eine Großtadt katapultiert wird, hat man es gar nicht so leicht, zu überzeugen. Gepaart mit schlechtem Wetter eine recht semi-professionelle Ausgangsposition für dich.

Nun, was haben wir letztlich daraus gemacht? Natürlich das Beste.

Helsinki Hafen

Helsinki ist ruhig und das mochte ich besonders gern. Das kann am dunklen Winter und dem knirschenden Schnee unter den schweren Schuhen liegen, aber ich fand‘ die Stadt extrem angenehm – keine sich anplärrenden Menschen in luftleeren Räumen, keine typisch lauten Stadtgeräusche, nur hier und da das Bimmeln der alten Trambahn, die der in Lissabon wirklich Konkurrenz macht.

Und so lies ich mich treiben, ebenfalls ganz still, ich war alleine, hatte lediglich einen Stadtplan in den Händen, war viel zu müde und desinteressiert, die einzelnen Highlights und Sightseeings per Google Maps abzuklappern. Lieber wollte ich ein bisschen dran vorbeischielen. Schauen, was so los ist, zwischen fantastischen Blinis, dem schönen Hafen und einem wunderbaren Baustil.

Ich mag den russischen Einfluss. Ich mag die Menschen, die so herzlich, gleichzeitig aber distanziert sind. Dir Raum geben für dich und deine eigene Spurensuche, aber sofort parat stehen und dir weiterhelfen. Dann wird auch mal schnell herumgefragt oder das Handy gezückt und zum Telefonjoker gegriffen – in Finnland, da soll einfach alles passen. Und wenn nicht, dann wird es ganz sanft gerichtet. Deswegen gibt es überall in Helsinki open wifi, kostenloses Leitungswasser auf jedem gedeckten Tisch und freundliche Gesichter, in die man gerne blickt.

Ich sag’s ganz ehrlich – dieses Rundum-Wohlfühlpaket kannte ich vorher nicht.

Blinis Lasipalatsi

Viel zu wenig Zeit blieb für die einzelnen Inseln und die darauf verborgenen Schätze. Ein paar habe ich besucht – Suomenlinna, UNESCO-Weltkulturerbe, eine Festung, die sich über mehrere Inseln erstreckt und das Gibraltar des Nordens genannt wird. Die 15-minütige Fahrt mit der Fähre hat mich rüber gebracht und Karin, eine umwerfende Finnin, hat auf sehr angenehme Weise die Geschichtsdaten rund um Suomenlinna beleuchtet. Am beeindruckensten fand ich das Trockendock, das in den 1760ern erbaut wurde und noch heute funktioniert – es werden mittlerweile Holzschiffe dort restauriert. Irre schön, schaut hier:

suomenlinna

Zurück in Helsinki hatte ich einen der herzerwärmensten und gleichzeitig kürzesten Momente auf meinen bisherigen Reisen. Ich bin durch eine kleine Gasse gestreift, auf der Suche nach einem hübschen Café, und stand auf einmal vor einem Brautmodenladen. Durchs Schaufenster konnte ich sehen, wie eine junge Frau gerade ihrer Mutter und Freundin das Hochzeitskeid vorführte und sie bis über beide Ohren strahlte. Ich musste sofort lächeln und konnte kaum meinen Blick von ihr und ihrem Glück, ihrer ganzen Ausstrahlung abwenden. Sie zupfte am Kleid und besprach sich mit der Verkäuferin, als ich weiterging und ihre Freude in mir abspeicherte. Dieses Bild verbinde ich mit Helsinki, auch wenn man es überall auf der Welt beobachten kann. Aber was macht Finnland wirklich aus, war eine Frage, die sich durch meinen ganzen Besuch zog. „Die Menschen“, wie Shane so treffend zu mir sagte.

suomenlinna 2

cafe regatta
Vielen Dank an #nbefinland, die diese Reise möglich gemacht haben. Meine Eindrücke sind selbstverständlich meine eigenen.

 

Tipps:

*Macht einen Helsinki Städtetripp, wenn ihr mal was anderes als Rom und Paris sehen wollt!

*Sehr leckere Zimtschnecken im kleinsten Café der Welt, einem ehemaligen Bootshaus: Cafe Regatta

*Private Tourführerin Karin Hannukainen

*Die besten Blinis gibt’s im Lasipalatsi

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7 comments

  • Ich glaube, diese fröhliche Gelassenheit ist etwas typisch Nordisches. Beneidenswert! Jutta

  • Nice pictures, and really cool idea with the „handwritten“ text. Even if I don’t understand what it says 🙂 Regards from Sweden!

  • Hallo, so berührende Worte Ich kenne einige dieser herrlichen Orte in Helsinki. bin immer in Espoo, privat bei Freunden und lerne und sehe so sehr viele interessante Orte und Plätze. und habe so sehr ein wenig Einblick in den finn.Alltag.
    freue mich schon auf ein Wiedersehen in Finnland.
    liebe Grüße aus Österreich
    Anna Maria

    • Ich habe im Radisson Blue in Espoo übernachtet, allerdings leider keine Zeit gehabt, mich dort näher umzuschauen.
      Liebe Grüße!

  • […] Norden Europas kommt bei mir definitiv zu kurz und obwohl ich sagen kann, dass ich Stockholm, Helsinki und nun auch Kopenhagen kenne, war ich den Ländern an sich kaum unterwegs. Was schade ist, aber […]

  • Wunderschöne Stadt, fliege dieses Jahr zum abschalten und Energie tanken – egal welches Wetter- zum dritten Mal

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