Zug vs. Flug oder Warum ich innerhalb Deutschlands nicht fliege.

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Als Reisebloggerin mich für Nachhaltigkeit auszusprechen, erscheint manchen widersprüchlich. Unabhängig davon, dass ich es erstaunlich finde, wie viel mehr Kritik diejenigen bekommen, die ihr Reiseverhalten reflektieren und sich Gedanken machen zu einem nachhaltigen Tourismus, als diejenigen, die dreimal die Woche die Strecke Berlin-Köln fliegen, gehe ich meinen Weg unbeirrt weiter.

Ich reise weniger und dafür nachhaltiger und mir gehts mit dieser Entscheidung prima.

Im konkreten Fall dieses Artikels möchte ich aufzeigen, warum ich mich vor zwei Jahren dazu entschieden habe, innerhalb Deutschlands nicht mehr zu fliegen und das tatsächlich vor fünf Jahren das letzte Mal getan habe. Auch versuche ich, innerhalb Europas auf Bus, Bahn oder Auto umzusteigen, dieses Jahr klappt es schon mal für einen Roadtrip durch Österreich und Tschechien im Juli.

Warum fliege ich nicht mehr innerhalb Deutschlands?

Das hat zwei Gründe.

  1. Ich fliege relativ häufig (in den letzten Jahren waren es rund vier Fernreisen pro Jahr, ab diesem Jahr sind es nur noch zwei), da das Reisen eine große Leidenschaft ist, andererseits auch mein Beruf damit verknüpft ist. Deshalb möchte ich das innerhalb Deutschlands und weitestgehend auch in Europa ausgleichen. Wenn ich für meine Bücher in anderen Ländern recherchiere, muss ich aber irgendwie dort hinkommen. Für meinen Roman, der im September erscheint, bin ich für meine Recherchen zweimal nach Süditalien gereist, einmal mit dem Flugzeug, einmal mit dem Auto.
  2. Deutschland ist klein. Was wir Deutsche als große Distanz empfinden, ist in anderen Ländern ein kurzer Ausflug. Dieses Mindset kann man sich tatsächlich antrainieren. Außerdem mache ich es möglich, sofern es geht,  Termine so zu legen, dass ich sie durch Bahnreisen wahrnehmen kann. Aber natürlich gilt immer: Ausnahmen bestätigen die Regel und mein Konzept muss nicht automatisch zu dem anderer passen.

Unterm Strich gibt es ein großes Problem, sobald man bereit ist, das Fliegen einzuschränken und auf die Bahn umzusteigen: der Preis.
Es ist absurd, wie günstig Flugkurzstrecken mittlerweile sind und ich kann verstehen, dass die Versuchung groß ist, für 70 Euro von München nach Berlin und zurück zu fliegen, als für 200 Euro mit der Bahn zu fahren. Generell muss sich die politische Lage ändern, und zwar dringend, hin zu einem alltagstauglichen, nachhaltigen Bewusstsein (<– meine Podcastfolge zum Thema „Nachhaltig Reisen‘). Wir kommen nämlich im Alltag an unsere Grenzen, den bewussten Lebensstil zu führen, den wir führen wollen und es ist schlimm, dass eine umweltschädliche Option (Flugzeug) im Schnitt wesentlich günstiger ist als die ökologisch sinnvollere (Bus, Bahn, Auto). Aber wir kennen das aus Supermärkten. Die regionalen Bio-Erdbeeren kosten eben zwei Euro mehr als die gespritzen, die importiert wurden.

Trotzdem. Ich liebe Zugfahren und auch Roadtrips, ich mag die Zeit, die man geschenkt bekommt, um einfach aus dem Fenster zu sehen oder die Arbeit erledigen zu können, die sonst liegenbleiben würde. Deshalb bin ich vor kurzem für meinen Urlaub an der Ostsee von München nach Usedom mit der Bahn gefahren. Und diese Anreise stelle ich der Möglichkeit, sie mit dem Flugzeug durchzuführen, gegenüber.

Copyright Camilla Bundgaard

München – Züssow mit der Bahn

8:10 Ich verlasse das Haus. Mein Zug geht zwar erst um 8:55 Uhr, aber da ich acht Stunden vormerklich sitzen werde, laufe ich zwanzig Minuten zum Hauptbahnhof und bin sogar rechtzeitig dort, um mir einen guten Platz zu sichern.

8:55 Der Zug fährt los, u.a. über Nürnberg und Berlin bis nach Züssow, wo ich abgeholt werde. Ich muss für diese Strecke, die mich einmal quer durchs Land führt, nicht umsteigen.

14.00 Ich habe fünf Stunden konzentriert arbeiten können, jetzt klappe ich den Laptop zu, esse etwas und entspanne mich für die restlichen zwei Stunden.

16:11 Ich komme in Züssow an und werde abgeholt. Sollte es diese Option nicht geben, steige ich hier um und fahre bis nach Zinnowitz. Dort ist meine Endstation.


München – Züssow mit dem Flugzeug

09:50 Ich verlasse das Haus und nehme die S-Bahn, die um 10:15 am Hauptbahnhof fährt.

11:55 Ich komme am Flughafen an. Da ich nur Handgepäck habe, reicht es, dass ich eine Stunde vor Abflug da bin.

12:00 Ich fliege nach Berlin, die kurze Flugzeit nutze ich zum Lesen. Die alternativen Flugverbindungen gingen um 6 Uhr morgens, also habe ich mich für die spätere Variante entschieden. Optional kann ich auch von München nach Rostock fliegen, das ist jedoch teurer und spätestens auch da muss ich in die Bahn umsteigen.

13:00 Ankunft. Von Tegel fahre ich zum Hauptbahnhof.

14:15 Da ich mir einen Puffer zwischen Flug und Zug gelegt habe, um mich nicht zu stressen, bin ich bereits am Bahnhof. Ich esse etwas und trinke in Ruhe einen Kaffee.

16:11 Der RE fährt los nach Züssow. Ich habe jetzt drei Stunden Zeit, um mich zu entspannen oder zu arbeiten. Da ich aber erschöpft von den Umstiegen Flugzeug – U-Bahn – Zug bin, lehne ich mich zurück.

19:03 Ankunft Züssow, ich werde abgeholt. Sollte es diese Option nicht geben, steige ich hier um und fahre bis nach Zinnowitz. Dort ist meine Endstation.


Unterm Strich:

Anreise mit dem Zug: Ich hatte keinen festen Termin, nur den Wunsch, im Laufe des Tages in Züssow bzw. Zinnowitz anzukommen. Die Bahnverbindung fand ich toll, da der Zug um 8:55 abgefahren ist und ich wie gewohnt meinem Arbeitsalltag nachgehen konnte. Ich musste nicht umsteigen und kam, wenn auch müde, sehr entspannt an.

Kosten für das Ticket Hin- und Zurück: Knapp 200 Euro (ohne Bahncard).

Anreise mit dem Flugzeug: Ich konnte am Morgen drei Stunden arbeiten, bevor ich in die S-Bahn sprang. Der Weg vom Berliner Flughafen zum Bahnhof hat mich genervt, ansonsten verlief alles reibungslos. Ich kam drei Stunden später an als mit dem Zug, habe allerdings nur eine Stunde später das Haus verlassen.

Kosten für Flugticket Hin und Zurück: 99 Euro. Kosten für Zugticket Hin und Zurück: 52 Euro (Sparpreis). Macht insgesamt 151 Euro (die U-Bahn-Fahrt in Berlin schenken wir uns hier mal).

Übrigens: Wäre die Reise nur nach Berlin gegangen, was im Alltag näher liegt, als nach Usedom zu fahren, wäre ich mit beiden Verkehrsmöglichkeiten gegen 13:00 Uhr in Berlin gewesen. Mit der Bahn hätte es ingesamt anderthalb Stunden länger gedauert.

Copyright Dmitrii Vaccinium

Was will ich damit sagen?

Es lohnt sich, zu überdenken, ob das Fliegen innerhalb Deutschlands wirklich immer die bessere Alternative ist. Ökologisch ist es immer sinnvoll, nicht zu fliegen, und wenn es zeitlich machbar ist, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen, dann kann ich das nur raten. Es ist wahnsinnig wichtig, in Sachen An- und Abreise zu reflektieren – und auch wenn Ausnahmen die Regeln bestätigen, dann sollten wir auf lange Sicht angebotene Kurzstrecken nicht mehr nutzen. Es gibt immer eine Lösung, wenn man sie denn finden möchte. Ich weiß, dass gerade Kurzstrecken von Geschäftsfrauen und -männern genutzt werden, die bereits am Morgen Termine haben, doch genau hier ist der Punkt, wo generell ein Umdenken passieren muss:

  • Muss man unbedingt bzw. regelmäßig dorthin fliegen oder reicht auch mal eine Videokonferenz?
  • Ist es möglich, am Vorabend zu fliegen und vom Unternehmen ein Hotelzimmer gestellt zu bekommen?
  • Wenn diese Optionen nicht möglich sind, kann man dann die privaten Kurzstrecken wegfallen lassen?

Lesenswert: Die Infografik von GoEuro

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit GoEuro entstanden. GoEuro vergleicht Züge, Fernbusse und Flüge von mehr als 600 Partnern für die schnellste & günstigste Verbindung. Der Reisevergleich für ganz Europa, wo man auch sofort das passende Ticket kaufen kann.
In einer Übersicht haben sie nun sogar 35 (!) Strecken innerhalb Europas verglichen, die allesamt per Bus oder Bahn schneller zu bereisen sind als mit dem Flugzeug – und somit auch wesentlich ökologischer.

Mit Klick auf die Grafik gelangt ihr zum vollständigen Artikel von GoEuro.

Fazit:

Bitte zieht in Betracht, ökologisch sinnvoller zu reisen. Lasst uns gemeinsam den nachhaltigen Tourismus anstoßen und hoffen, dass er sich noch viel stärker und schneller entwickelt, als er es sowieso schon tut. Damit wir unseren Aufenthalt wirklich genießen können. Gute Reise!


Offenlegung: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit GoEuro, es handelt sich hier um Werbung. Diese Zusammenarbeit hat mir die Arbeit und Umsetzung des Artikels ermöglicht, sie beeinflusst jedoch nicht meine Meinung. Desweiteren besteht hier keine Zusammenarbeit oder Werbung mit/für der/die Deutsche Bahn. Es ist lediglich ein Vergleich zwischen Zug und Flug, der auch stellvertretend für andere Länder und deren Fortbewegungsmittel gilt.

4 comments

  • Wenn man eine Direktverbindung hat ist das bestimmt schöner mit der Bahn, aber wenn man für die Strecke auch mit der Bahn dreimal umsteigen muß würde mich das genauso nerven wie all die Transfers mit dem Flieger. Ich hatte öfter das Problem daß die Bahn z.B. unterwegs einfach stehenblieb („Lokomotivschaden, wir warten auf eine Ersatzlokomotive“ oder andere Verspätungen ), alle Verbindungen futsch waren und mir zusätzlich Stress aufgehalst wurde weil ich in Ingolstadt oder Stuttgart von einem Ende der Gleise zum anderen hetzen mußte um dort z.B. stattdessen den ICE zu erwischen und ich trotzdem erst Stunden später dort ankam wo ich hin wollte. Mein längster Trip dieser Art dauerte fast 20 Stunden, innerhalb Süddeutschlands. Trotzdem bin ich immer mit dem Zug gefahren, an fliegen hätte ich gar nicht erst gedacht. Ökologisch ist es auf alle Fälle sinnvoller, aber eine Engelsgeduld braucht man manchmal auch dafür. ♥nic

    • Hi Nic,

      du hast vollkommen recht mit der Engelsgeduld! Ich saß auch in so vielen Fällen im Zug und hatte Verspätung, das passiert viel zu häufig und irgendwann verliert man auch die Geduld. Glücklicherweise kann man beim Vergleich Zug/Flug sagen, dass es beim Fliegen auch so häufige Verspätungen gibt, man kann einfach im Vorfeld nicht wissen, ob es reibungslos verläuft. Toll, dass dir das Fliegen gar nicht in den Sinn gekommen ist – ich wünschte, es würde mehr Menschen so gehen.
      Liebste Grüße,
      Anika

  • Ich würde auch immer den Zug bevorzugen, wenn ich die Wahl habe.
    Was mich allerdings wirklich stört, ist der Preis. Nun kann man sagen, dass es ja nicht so teuer ist, wenn man langfristig bucht. Aber bei spontaneren Reise ist die Bahn oft sogar 50 bis 100 Prozent teurer als Fliegen und ich finde das so schade, weil viele Menschen dann wirklich lieber aufs Flugzeug umsteigen.
    Verspätungen etc. finde ich bei beiden Verkehrsmitteln gleich nervig, was mich bei der Bahn allerdings wirklich stört: Dass das WLAN so oft nicht funktioniert! Schon ein paar Mal wollte ich im Zug arbeiten und bin auch deshalb nicht geflogen und dann geht bei drei von fünf Fahrten das WiFi nicht. Das ist störend und dann ärgere ich mich und denke mir: Wäre ich lieber geflogen und hätte mir das Extra-Geld gespart.
    Aber alles in allem stimme ich dir voll zu: Zug und Auto (Blablacar ist super!) ist in Deutschland und auch oft in Europa die wesentlich bessere Alternative.

    Liebe Grüße,
    Kathi

    • Hi Kathi,

      ich stimme dir da voll und ganz zu. Die Bahn ist oftmals keine Alternative, vor allem preislich wirklich unverschämt manchmal. Ich würde mir wünschen, dass Zugfahren in Deutschland endlich, wie in so vielen anderen Ländern auch, bezahlbar wird und zwar für jeden. Auch für diejenigen ohne BahnCard. Was das Wlan-Problem betrifft, da habe ich glücklicherweise andere Erfahrungen gemacht. Wo es im Flixbus eigentlich immer ausfällt, man im Auto und im Flugzeug nicht hat, funktioniert es in der Bahn bei mir immer prima. Es ist eben wichtig, wie ich auch in meinem Artikel geschrieben habe, dass die Politik nachzieht. Ein Inlandsflug darf nicht so billig sein, umgekehrt müssen Bahntickets bezahlbar werden. Wir selbst können in der Zwischenzeit nur überlegen, was uns wichtiger ist: Den Geldbeutel schonen oder die Umwelt.

      Liebe Grüße,
      Anika

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