Die scheiß blöden Tage.

Es gibt sie, die Tage, an denen alles scheiße ist. Und es gibt sie, die Tage, die scheiße sind, und auf einmal zu Wochen werden, manchmal, weil man es gar nicht richtig merkt.

Bei mir persönlich gibt’s meist Hoch oder Tief, dazwischen ist – gelinde gesagt – recht wenig. Deswegen weiß ich mittlerweile ziemlich genau, was ich brauche, um aus meinem Tief herauszukommen. Sei es beruflich oder privat bedingt, irgendwann kannst du nicht mehr im Bett liegen, irgendwann musst du auch wiedermal duschen.

Und dann wird was gekocht, lass es Nudeln mit Pesto sein, das reicht fürs Erste. Und auf einmal fährst du auf dem Fahrrad und die Sonne scheint (das hattest du die letzten Tage gar nicht bemerkt) und du merkst, dass du dich wirklich rausziehen möchtest, aus deinem eigenen Moloch.

11 + 3 (weil verlängert!) Dinge, die mir während der ultimativen Lebenskrise helfen. Und natürlich danach, denn nach der Lebenskrise ist vor der Lebenskrise – be prepared!


1. Mach dir bewusst, dass du grundsätzlich alles darfst und nichts musst. Das klingt auf den ersten Blick einfach gestrickt und trotzig gemeint, ist es aber beides nicht. Es ist die Grundlage für alles, was kommt.

2. Ich höre diesen Song sehr oft und zwinkere mir dabei selbst zu, weil ich die drei Ladys liebe. Großer Lernfaktor, sei es, über den bescheidenen Ex hinwegzukommen, eine Kündigung zu verkraften oder lediglich verschmerzen zu müssen, dass das Konto leer ist. You don’t own me. Für die Männer habe ich nichts, aber vielleicht tut’s ja Rocky.

3. Mach eine Liste mit allem, was du kannst (oder willst oder gut an dir findest. Das ist abhängig von der Krise, in der du steckst). Kein aber, kein eigentlich, nix Füllworte, nix Bescheidenheit. Wie willst du etwas an deiner Situation verbessern, wenn du beim Ursprung schon Abstriche machst? Da wird nicht viel übrig bleiben und davon vielleicht noch die Hälfte, also quasi nüschts. Mach es groß, mach dich groß und dann schau, was sich daraus Fabelhaftes machen lässt.

4. Die Pyjama-Party. Was habe ich sie früher geliebt und ich finde, sie hat ihren Zauber nie verloren. Mit den besten Freunden, Popcornduft, Pizzastücken und Gin Tonic, wo früher Cola war. Ob Rastazöpfe flechten oder mit Assipalme beim dritten Teil von Der Herr der Ringe einschlafen – alles ist erlaubt und ein Ende vor dem Morgengrauen nicht in Sicht. Gibt es was Besseres, das einen mehr aus dem Alltag wirft und dabei so lächerlich unaufwendig ist?

5. Kenne deine Schwächen. Du musst nicht damit hausieren gehen, um sympathisch zu erscheinen, das ist genauso unsexy wie fishing for compliments. Aber kenne sie und verteufle sie nicht. Sie haben auch ihre guten Seiten. Ich heule zu schnell los, bin stur und zu oft online. Also schreibe ich emotionale Texte, mache keine Kompromisse und arbeite beim Internet. Probleme gelöst. Ergo: Lass deine Schwächen für dich sprechen und wandle sie in etwas, das dir nützlich sein wird.

6. Apropos Kompromisse. Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Das heißt nicht, dass du dich von deinem Freund trennen sollst, weil er deinen Geburtstag vergessen hat, sondern, dass du zu dir und deinem Weg stehen sollst und den auch bitteschön gehst. Heißt: Trenne dich von den elendigen Nein-Sagern und kämpfe um deinen Wert. Wer immer nur Kompromisse schließt, zeigt, dass er sich nicht traut, gegen die Strömung zu schwimmen. Und schon mein Deutschlehrer hat gesagt: Parole, bieten! Der freut sich, wenn er das liest.

7. Mach dir eine unfassbar gute Playlist, die dich jeden Tag aufs Neue motiviert und zum Lachen bringt. So eine, die dich so cool umschmeichelt, dass du durch Glastüren rennst, weil du denkst, du kannst alles und du bist alles und Axel Foley ist ne Lachnummer dagegen.
Für mich ist der perfekte Gute-Laune-Boost „Start me up“ von den Stones, aber ehrlich gesagt habe ich eine ganz fiese Playlist, die ich derzeit rauf und runter höre. Darin enthalten sind: Tina Turner, Das SATC-Ensemble, David Bowie, Dionne Warwick und Co. Schäme ich mich jetzt? Nein. Denn ich kenne meine Schwächen (s. Punkt 4).

8. Schau dir Frances Ha an, einer der besten Filme, der versucht, unsere Generation zu erklären. Tanze mal mit Frances durch New York, lass locker und schau, wie gut es dir dabei geht, auch wenn gerade gar nichts bei ihr (und dir) funktioniert. Wahlweise funktionieren für richtig gute Laune und das Du-bist-nicht-alleine-Gefühl natürlich auch die Gilmore Girls. Schon immer und für immer.

9. Mach dir bewusst, dass es ohne Schatten gar kein Licht gibt. Wenn du also mal wieder das letzte beschissene Date oder den Nebenjob verfluchst und in einem Warum-immer-ich-Elend versumpfst, dann überlege doch mal, was es dir im Nachhinein gebracht hat. Im schlechtesten Fall ne gute Story, im besten Fall Weisheit. Hoch die Tassen!

10. Der Ja-Sagen-Tag. Schnapp dir jemanden, dem du vertraust und verbringe den Tag, die Nacht oder für immer mit demjenigen. Abwechselnd schlägt jeder etwas vor, egal was, und der andere macht mit. Nein gibt es nicht. Was dabei herauskommt, ist ziemlich sicher jede Menge Spaß gepaart mit neuen Erfahrungen. Trainiert neben den Lachmuskeln übrigens auch die Fähigkeit, wieder spontan zu sein und sich Unbekanntem zu öffnen.
Horizont, der.

11. Mach Sport. Ach du meine Güte – das habe ich geschrieben? Verrückt. Ich mag nämlich keinen Sport, beziehungsweise, naja, ich bin kein unglaublich sportlicher Mensch und als Widder tue ich mir mit allem schwer, worin ich nicht besonders gut bin. Deshalb habe ich Sport oft gemieden, auch, weil ich Vereine nicht mag. Aber: Sport kann ungemein positiv auf die Stimmung wirken und Kraft geben. Ich gehe am liebsten joggen, das klappt aber nur mit einer richtig guten Playlist, oder mache Yoga, beispielsweise mit der fabelhaften Erin Motz (Die I-am-Yoga-Challence vereint Mantras mit Yoga). Wirkt Wunder!

12. Das Vision Board. Ich hab’s ja wirklich mit Affirmationen und Mantras, das ist bereits in dieser Liste mehrfach angedeutet und auch hier. Als jemand, der eher skeptisch ist und gerne mal das Unheil hereinbrechen sieht, bevor überhaupt etwas passiert, sehe ich kleine, positive Helfer als unersetzlich an. Ein Vision Board darf aussehen, wie man es selbst gestaltet. Darauf enthalten sollten Texte und/oder Bilder und/oder Illustrationen sein, die verdeutlichen, was du dir wünscht. Das Ganze dann am besten irgendwohin aufhängen, wo man es jeden Tag sieht und verinnerlichen kann. Ich habe es zum ersten Mal im Herbst 2015 für das Jahr 2016 erstellt. Verrückt, dass ich jedes Ziel (ja, jedes) tatsächlich erreicht habe.

13. Schreib‘ es auf. Kleine Begegnungen, scheiß Tage, Songtexte und Zitate, die inspirieren oder einfach der Tagesablauf. Schreiben hilft, Schreiben ist Therapie – vollkommen egal, wie es sich liest, denn es liest ja niemand, außer du selbst.
Ausprobieren! Wirklich bereichernd und auch hilfreich, um auf Vergangenes zurückzublicken: Ein Notizbuch (das hier finde ich schön) auf dem Nachtschränkchen und los geht’s. Stichpunkte tun es auch, es muss kein Roman werden.

14. Ich halte nichts davon, jemandem zu sagen, was er tun soll, deswegen existiert diese Liste offiziell nicht. Aber ich schubse gerne an. Gehörst du zu den Jammernden, zu denen, die ein klitzekleines bisschen neidisch sind auf die, die einfach machen? Steckst du im Hamsterrad fest? Dann ändere was. Egal was. Tu es JETZT. Böse Zungen behaupten, du würdest nur einmal leben. Ich glaub‘ da ja nicht dran, aber dass das Präsens ein Präsent ist, das is‘ halt einfach so.

So. Eure Tipps? Was macht ihr an scheiß blöden Tagen?

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11 comments

  • was für ein toller Text zum Jahresabschluss bzw Beginn! und ich liiiiiebe den Bowie Song in trailer, danke für den Film Tipp!
    Auf meiner Playlist reihen sich tic tac toe an him und die spice girls! ich bereue nichts! Guten rutsch wünscht eine sonst stille Leserin aus Tirol 🙂

    • Ich habe gerade sehr lachen müssen, danke dafür! Und ich freu mich auch immer sehr, wenn sich stille Leser zu Wort melden. Guten Rutsch dir in Tirol!

  • Hallo,
    bin über Irrungen und Wirrungen hierher gestolpert und dann auch gleich mal noch über diesen Post! Toll geschrieben – denn was mir wirklich daran gefällt, ist, dass es authentisch und realisierbar ist. Deine Tipps werd ich mir auf jeden Falls merken.
    Das mit der Playlist kenn ich und meine heißt: ‚I don’t care‘ und beinhaltet neben Elvis Presley auch Rednex, Metallica und Nicki Minaj 🙂

    Ich folge dir jetzt mal!
    Liebe Grüße,
    Linda

    • Deine Playlist klingt super!!
      Freu mich, dass du hierher gestolpert bist und vielleicht auch ein bisschen bleibst.

      Liebe Grüße,
      Anika

  • Schönes Blogprojekt, schöne Texte, schöner Vibe, schöner Drive. <3

  • Schön. Und nachdenklich. Danke für die Ideen!
    Ich kenne das nur zu gut, dass zwischen sehr, sehr gut und ziemlich schlecht nicht viel existiert. Ich sag mal so: Das ist immer noch tausend mal besser als immer nur Mittelfeld.
    Und, um es mit den Worten einer meiner Lehrer zu sagen: Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist! (Klingt noch besser auf hessisch)
    Liebe Grüße,
    Marco

  • Ha, ich bin ja immer sehr misstrauisch wenn mir einer Musik empfiehlt, weil ich die meistens nicht mag, aber da dir „You don’t own me“ direkt an Nummer zwei eingefallen ist, werd ich mich jetzt mal an deine Playlist wagen. Gute Liste (also der Post). 🙂

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