Ein ganz besonderer Jahresrückblick & die Sache mit der Veränderung.

Braucht dieser Blog einen Jahresrückblick? Schließlich weiß ich nicht mal seinen Geburtstag und kann ihn daher nie richtig zelebrieren. Aber jedes Mal um die gleiche Zeit habe ich dann doch das Bedürfnis, auf das Jahr zurückzublicken. Und dieses Mal hat das so verdammt gute Gründe.

Von Vorne. Am 01. Januar des durchaus teilweise beschissenen und turbulenten Jahres 2016 stand ich am Ufer des Tegernsees und fragte mich: Was tust du hier eigentlich? Nicht am Tegernsee, sondern in deinem Leben. Ich spürte seit Wochen, dass ich etwas verändern wollte, und ich wusste auch, was ich wollte, doch etwas anderes wusste ich genauso sehr: Dass Veränderung Mut brauchte. Und ich daran zweifelte, ob ich den hatte.

Zwei Wochen später, kurz nachdem ich mich durchgerungen hatte, einen Job zu kündigen, der mir zwar Spaß machte, der aber in Kombination mit einem Bürostuhl kam, klopfte mir das Schicksal auf die Schulter:

Das erste Kapitel: Malawi

Ich bekam die Möglichkeit, nach Malawi zu gehen. Für mindestens drei Monate, um die Arbeit meines Freundes bei der Hilfsorganisation EinDollarBrille zu begleiten. Das hieß gleichzeitig, dass ich sowieso kündigen musste, denn ein Stadtmagazin konnte nicht mehrere Monate auf die Chefredakteurin verzichten. Und obwohl mir der Abschied schwer fiel, spürte ich gleichzeitig, dass es das Beste war, was ich tun konnte. Mich zog es gedanklich seit Jahren auf den afrikanischen Kontinent und im Jahr zuvor hatte ich bereits in Benin einen Vorgeschmack bekommen, wie die Zeit sein könnte: Anstrengend, aufreibend, bereichernd, vor allem jedoch eins: Wichtig.

Mehr zu Malawi gibt es hier.

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Das zweite Kapitel: Mein erstes Buch

Gehen um zu bleiben von Anika Landsteiner

Ich steckte mitten in den Vorbereitungen meiner großen Reise, da kam der Anruf, auf den ich wartete, seitdem ich mit 11 Jahren meinen ersten Roman an einen Verlag geschickt habe (der übrigens sehr nett geantwortet hatte, dass mein Jugendroman leider nicht ins Programm passte): Meine Agentur rief mich an, um mir mitzuteilen, dass ein Verlag fest zugesagt hatte. Tatsächlich würde es ein Buch geben, mit richtigem Cover, und mit meinem Namen drauf.

Das Beste an der Geschichte: Es war meine Idee. Damit fühlte ich mich von diesem Verlag nicht nur unglaublich gut verstanden, sondern vor allem gut aufgehoben. Mein Herz sprang und es springt noch immer, wenn ich an diesen Tag im März zurückdenke.

Gehen, um zu bleiben: Erscheint am 15. Mai 2017 im Goldmann Verlag. Vorbestellen kann man es bereits hier.

Das dritte Kapitel: Fantastische Reisen

Malawi sehen zu dürfen war großartig. Was für ein wunderschönes Land. Aber weil es auch gleichzeitig anstrengend zu bereisen war, freute ich mich vor allem auf den Abschluss meines Aufenthalts auf dem afrikanischen Kontinent: Sansibar, ein Traumziel seit Jahren.
Vier Wochen nach meiner Rückkehr von Malawi&Sansibar ging es nach Bristol, dann nach Kopenhagen und im September nach Süditalien, wo ich schon sehr lange hinwollte. Parallel zu diesen Reisen merkte ich aber: Ein Urlaub wäre ebenfalls mal eine gute Idee. Die acht Monate waren bereits eine aufreibende Zeit. Zumal ich auch noch in den Endzügen des Manuskripts steckte. Ich buchte eine weitere Sehnsuchtsdestination: 16 Tage Indonesien mit zwei sehr alten Freundinnen – und hatte dort wahrhaftig die Zeit meines Lebens.

Das vierte Kapitel: Ein Artikel und sein Feedback

Wer den Blog regelmäßig liest, weiß, wovon ich spreche. „Was ich mir wünsche ist etwas von Frauen für Frauen“ hatte anscheinend nicht nur mich bewegt. Mich erreichten so viele Zusprüche und die Motivation, meine Idee in die Tat umzusetzen, dass ich die Veranstaltungsreihe ÜberFrauen gründete – eine Talkrunde von Frauen, mit Frauen, über Frauen. Der erste Abend war ausverkauft, die Veranstaltung findet alle zwei bis drei Monate in der Buchhandlung Isarflimmern in München statt.

Das fünfte Kapitel: Der Traum, der Realität wurde – ein Roman

Ich bin wirklich nicht größenwahnsinnig.

Es begann mit einem heißen Sommertag, an dem ich ohne Laptop auf der Terrasse eines Cafés saß und über eine Kurzgeschichte nachdachte, von der ich das Gefühl hatte, dass sie noch nicht zu Ende erzählt war. Also skizzierte ich einen möglichen Roman in mein Notizheft. Was daraufhin folgte, grenzte an wundersamen Wahnsinn: Ich schrieb innerhalb von zwei Monaten eine umfassende Leseprobe und fand einen Verlag, dem das gut gefiel.

Als mich der zweite verheißungsvolle Anruf meiner Agentur in diesem Jahr erreichte, saß ich im Schlafanzug im Haus meiner Eltern vor dem Kamin und schrieb E-Mails an verschiedene Redaktionen. Jede(r) freie AutorIn weiß, wie nervenaufreibend und anstrengend es ist, Texte zu verkaufen oder Artikelideen zu pitchen. Der Anruf änderte alles. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, vollkommen angekommen zu sein. In meiner Arbeit. Aber auch bei mir selbst.

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Was ich dieses Jahr gelernt habe:

  • Dass Wertschätzung alles ist.

Und dass viele Menschen das nicht wissen. Abgesehen von diesen wunderbaren Ereignissen war das Jahr auch ein hartes für mich und ich kann stolz sagen, dass ich mir diese Erfolge über Jahre hinweg erarbeitet habe. Deswegen kann ich sie nun auch so wertschätzen und genießen. Allerdings geht es mir bei dieser Feststellung um noch viel mehr – die Wertschätzung im Kleinen. E-Mails beantworten, anstelle sie zu ignorieren, Freunden sagen, wie toll sie sind, einfach mal eine Rechnung übernehmen und sein Gegenüber einladen, sanftmütig und aufrichtig zu sein … solche Dinge.

  • Dass Oma Recht hat.

Als meine Oma im Krankenhaus lag, habe ich sie angerufen und ihr von meinem Alltag erzählt. Der wirklich alles andere als glamurös ist. Sie meinte dann, komplett aus dem Zusammenhang gerissen: Irgendwann wirst du mal einen Preis gewinnen. Ich lachte laut und erklärte ihr, dass es mich glücklich macht, meine Miete durch das Schreiben zahlen zu können. Vier Wochen später wurde meine Arbeit als Reisebloggerin mit dem isarnetz Blog Award als bester Blog des Jahres ausgezeichnet.

  • Dass ich mir selbst die beste Freundin bin.

Weil ich es muss. Und möchte. Ich war dieses Jahr oft alleine, das wurde mir vor allem bewusst, weil ich mit meinem Freund zusammenwohne, der allerdings im Ausland arbeitete, und ich somit eine große Wohnung monatelang für mich hatte. Jemand, der im Home Office arbeitet und nicht jeden Abend ausgeht, sollte also gut mit sich selbst klarkommen. Nun konnte ich das schon immer ganz gut, vielleicht, weil ich Einzelkind bin, aber erst dieses Jahr ist mir aufgefallen, wie wichtig es ist. Ich bin die Person, mit der ich jede Sekunde verbringe. Für den Rest meines Lebens. Deshalb sollte ich ehrlich zu mir sein, gleichzeitig mich aber auch gut behandeln. Eben so, wie ich meine beste Freundin behandeln würde.

Ausblick. Der Blog und was sich ändern wird.

In den letzten Wochen war ich etwas unzufrieden mit dem Blog und mit mir selbst. Immer öfter fiel mir auf, dass mir der Weg, den ich eingeschlagen habe, nämlich sehr regelmäßig zu schreiben und fast ausschließlich über das Reisen, nicht mehr gefällt. Deshalb möchte ich wieder zurück zu dem Ursprungsgedanken, was ein Blog wirklich ist: Ein Tagebuch. Wundert euch also nicht, wenn es mal einen kurzen Prosatext gibt, dann eine Reiseerzählung, dazwischen meine geliebten Listen und etwas aus der Schatztruhe. Ich hoffe, diese Abwechslung wird euch gefallen.

Zum Schluss noch mein Lieblingslied des Jahres
(und noch für sehr lange Zeit, ach, vielleicht für immer):

Jetzt bleibt nur noch eine Frage übrig: Was sagt Ihr zu alledem?

Die beiden Analogfotografien (schwarz-weiß) hat (c) Maximilian Heinrich gemacht.

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15 comments

  • Ich freu mich auf die Bücher, Anika. <3

  • Was für ein spannendes Jahr für dich 🙂 Ich bin wirklich sehr gespannt – auf das Buch im Mai aber noch mehr auf den Roman!

    Einen guten Start in 2017 wünsche ich dir!
    LG Manuela

    • Ja, total. Als ich deine Reisen verfolgt habe, hab ich mir das aber auch gedacht 🙂 Wünsch dir ebenfalls einen guten Start!

  • was für ein schöner Rückblick. die Wertschätzung, von der du sprichst, spürt man in jedem Satz. ganz besonders gefiel mir die Geschichte mit deiner oma. alles gute weiterhin, dass Buch steht auf meiner liste!

  • Danke für diesen ehrlichen und schön geschriebenen Artikel. Ich freue mich auch sehr auf das Buch und wünsche dir einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Liebe Grüße aus Berlin.

  • Hallo Anika,
    Ich freue mich auch auf deine Bücher. Alles, was ich bisher von dir las, hat mir sehr gut gefallen! Auch deine Gedanken zum zukünftigen Blog klingen gut.
    Ich freue mich sehr für dich und dein Jahr und darüber, dass ich auf dich aufmerksam wurde.
    Alles Liebe und viel Wertschätzung für 2017!
    Martin

  • Liebe Anni, dein Jahresrückblick berührt mich dieses Jahr ganz besonders. Wie schön, dass dein großer Traum wahr wird. Ich gönne es dir aus ganzem Herzen und du hast es dir so, so, so sehr verdient! Ich freue mich sehr auf dein allererstes und allerzweites Buch.
    Aus ganzem Herzen,
    Michaela
    P.S. Falls du irgendwann noch einmal ein „Treffen der Frauen“ im Cafe Lotti oder irgendwo organisierst bitte, bitte gib Bescheid. Ich wäre so unglaublich gerne dabei!

    • Liebe Michaela, auch auf diesem Weg nochmal ein großes Danke für deine lieben Worte – die berühren mich ebenfalls sehr 🙂
      ÜberFrauen hat bereits zum zweiten Mal Ende November stattgefunden – wenn du die Seite auf FB likest, bekommst du alles rechtzeitig mit. Es wird bald einen dritten Abend geben (wenn ich etwas Zeit für die Vorbereitung finde)

      Liebe Grüße!
      Anika

      • Vielen, vielen Dank liebe Ani. Die FB Seite habe ich tatsächlich total übersehen! Jetzt geliked und ich würde mich sehr, sehr freuen wenn ich bei dritten „ÜberFrauen-Treffen“ dabei sein darf…allerbeste Grüße aus dem Isarwinkel und aus ganzem Herzen

  • Liebe Anika,

    ein sehr schöner und ehrlicher Jahresrückblick, wie man ihn nur selten findet. Ich freue mich (trotz aller online-Bekanntschaft doch irgendwie unbekannterweise) für dich und mit dir und wünsche dir das Beste für 2017!
    Vielleicht habe ich ja Glück und ein Überfrauen-Abend findet mal an einem Wochenende statt, so dass ich das tatsächlich einrichten könnte. Bis dahin bin ich gespannt auf dein Buch (vor allem auch auf den Roman)!

    Ich habe mir zu Weihnachten einen Reise-Traum verwirklicht und einen Flug nach Myanmar gebucht und werde jetzt mit Reiseführern und Literatur zum Thema ins neue Jahr starten. Die Vorbereitungen und Vorfreude ist mit das Schönste am Reisen. Ich wünsche dir auch wieder viele spannende Reisen und Begegnungen im neuen Jahr.

    Viele Grüße aus Heidelberg,
    Elena

    • Liebe Elena,

      du hast immer so nette Worte übrig, hab vielen Dank. Wünsche dir ebenfalls einen guten Start und ein grandioses, neues Jahr.
      Ich freue mich sehr, dass du Interesse an den Büchern hast und auch an dem Roman – das ist ja als Reiseblogger mit Leserschaft, die genau darauf fokussiert ist, gar nicht so selbstverständlich 🙂

      Myanmar – Wahnsinn. Und wie gut, dass du dir diesen Traum erfüllst. Ich wünsch dir viel Spaß!

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