„Hauptsache in Bewegung bleiben.“ – Interview

Wer schon länger meinen Blog liest, kann sich vielleicht daran erinnern, dass ich letzten Sommer schon einmal einen Niklas bezüglich seines Roadtrips interviewt habe bzw. selbst ein Stück mit ihm gefahren bin. Irgendwie scheine ich eine neue Leidenschaft für abenteuerlustige Männer namens Niklas zu haben, denn hiermit stelle ich euch den Reiseblogger Niklas Ewert vor. Er schreibt den „Unpacking Travel“-Blog für GoEuro und ist letztes Jahr im Zuge einer Rally in die Monoglei gefahren. Was er auf dieser Reise erlebt hat und in welches Land er reisen würde, wenn er sich eine letzte Destination aussuchen müsste, erfahrt ihr im folgenden Interview. Lets go.

anidenkt: Niklas, ich bin ein großer Fan von Menschen, die man nicht in eine Schublade stecken kann und die über Umwege zu ihrem Beruf gekommen sind: Du hast Geisteswissenschaften studiert und bist nun (Reise-)Blogger für GoEuro. Das erklär’ mal, los!

Niklas: Ich bin auch ein großer Fan davon, denn ich habe fünf Jahre für meinen Bachelor gebraucht! Ich habe im ersten Semester BWL studiert, das dann abgebrochen, weil ich es nicht so spannend fand. Dann war ich ziemlich viel reisen, war auch unter anderem ein Semester in Korea. Nach dem Studium bin ich direkt nach Marokko getrampt und habe dort zwei Wochen verbracht. Danach hatte ich eigentlich geplant, mit dem Master anzufangen, habe mich aber dazu entschieden, das mit dem „Arbeiten auszuprobieren“ (lacht). Und nun bin ich hier seit vier Monaten.

Durch GoEuro weißt du ja bestens Bescheid, wie man sich in Europa gut und günstig fortbewegt: Was ist dein liebstes Mittel, um beim Reisen von A nach B zu kommen?

Ich mag alles, was eine Balance hält zwischen komfortabel, schnell und günstig. Mitfahrgelegenheiten und Fernbusse habe ich in letzter Zeit viel genutzt. Ich finde auch Zug fahren super entspannend, wenn man an ein günstiges Ticket kommt. Hauptsache in Bewegung bleiben.

Voila, sagen wir mal ich bin Student Anfang 20, möchte über das Wochenende ein bisschen Europa erkunden und habe nur 200 Euro dafür in der Tasche. Wo schickst du mich hin und auf welchem Weg?

Ich würde wahrscheinlich empfehlen, einen Gabelflug mit Ryanair zu buchen. Man kommt ziemlich günstig nach Malaga und von dort für ca. 10 Euro nach Granada. Dort war ich 2009 und fand Malaga sehr schön, weil es da viel zu entdecken gibt.
Was ich auch mal gemacht habe, als ich eine Woche Zeit hatte: Ich habe mir einfach den günstigsten Flug, den ich gefunden habe, gebucht…

Und wo bist du gelandet?

… in Barcelona. Für 24 Euro hin und zurück. Bin um Mitternacht dort gelandet und wusste noch nicht, wo ich schlafe. Ich hatte nur meine Reiseluftmatratze und meinen Sommerschlafsack dabei und war eigentlich darauf vorbereitet, mich in eine dunkle Ecke zu legen. Ich bin dann allerdings am Plaça de Catalunya angekommen, dort waren derzeit so viele Demonstrationen wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien. Also lagen da ungefähr hundert spanische Studenten mit ihren Schlafsäcken. Ich habe mich einfach dazu gelegt und am nächsten morgen gab es Frühstück umsonst! (lacht)

Du hast an einer Rally in die Mongolei teilgenommen. Bist du überhaupt angekommen?

Ja. Allerdings hat unser Renault Twingo 700 Kilometer vor der Hauptstadt Ulaanbaatar aufgegeben. Und dann mussten wir uns auf einem Anhänger dort hinfahren lassen.

Copyright Leonard Caspari
Copyright Leonard Caspari

Wie läuft so eine Rally generell ab und was sind die Voraussetzungen?

Wir (Anmerkung: Niklas und Kameramann) haben an der Mongol-Rally teilgenommen, die es seit ungefähr acht Jahren gibt, wobei sie in den letzten drei Jahren signifikant größer geworden ist. Jedes Jahr sind es ca. 350 Teams, die teilnehmen. Es handelt sich um eine Charity-Rally, das heißt, man muss auf dem Weg Geld einsammeln für einen wohltätigen Zweck. Die zweite Voraussetzung ist, dass man ein Auto wählen muss, das weniger als 1,2 Liter Hubraum hat.

Was war das größte Highlight, das euch auf der Fahrt passiert ist?

Im Trailer sieht man ja am Anfang, wie die Steine vom Laster fallen…

…ach, das sind Steine?

Ja! Das sind Sandsteinquader gewesen. Daher war es echt gut, dass die vor dem Auto gelandet sind und nich auf unserer Windschutzscheibe. Das war wohl der gefährlichste Moment. Ansonsten war das alles ganz entspannt. Und mühevoll, weil man viel an Grenzen herumstand und Leuten erklären musste, dass man ihnen kein Bestechungsgeld geben möchte. Nach ein paar Tagen findet man bei so einer Rally in eine ganz eigene Routine hinein. Das Abenteuer ist relativ schnell weg, weil ein Alltag entsteht, in dem man einfach nur viel Auto fährt.

[vimeo 79471890 w=500 h=281]

Du hast den Trailer schon angesprochen. Wann kann man den Film in voller Länge begutachten?

Das ist eine gute Frage. Inzwischen gibt es nur noch Kleinigkeiten, die daran gemacht werden und er ist schätzungsweise nächsten Monat fertig. InspiredFilms aus Bayreuth kümmert sich darum, ihn zu Filmfestivals zu schicken und mal auszuloten, welches Feedback generell dazu kommt.

Welche Reiseblogs kannst du persönlich den Lesern empfehlen, wenn man authentische Artikel lesen möchte?

Ich persönlich bin kein großer Freund davon, wenn man Texte schreibt wie: „Jaaa…aaalso… ich war in dieser Stadt in Spanien und da kann man den Laden besuchen, wo es superleckere Cupcakes gibt und so…“ Ich finde es schön, wenn Texte in eine reisephilosophische Richtung gehen. Wo man das Gefühl hat, dass sich jemand mit der Kultur und den Menschen auseinandergesetzt hat und daraus vielleicht einen Schluss zieht in Relation zu sich selbst oder der Heimat Deutschland. Eine der schönsten Sachen beim Reisen ist, dass man in fremde Gegenden geht und Alternativen aufgezeigt bekommt.
Und um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Ich lese sehr gerne die „Reisedepeschen“. Das ist eine Plattform, wo viele und sehr gute Reiseblogger publizieren können. Kennst du Martin Moschek? Der hat dort einen Artikel über seine Fahrradtour durch die Ukraine in den 90ern veröffentlicht. Mit eingescannten analogen Bildern. Das ist super schön.

Du musst dich für ein allerletztes Land entscheiden, das du bereisen darfst. Welches wäre das?

Was für eine gemeine Frage!

Ich weiß. Deswegen zum Abschluss, damit du mich in guter Erinnerung behältst (lacht)!

Sollte das ein Land sein, wo ich noch nicht gewesen bin? Denn der Konflikt, sich zu entscheiden, ob man in ein Land zurückkehrt oder ein Unbekanntes wählt, ist total schwierig…

 …ok. Also: Du darfst in dem Land noch nicht gewesen sein.

Dann würde ich gerne nach Kuba. Man hat einerseits dieses romantisch-kitschige Bild von Kuba und gleichzeitig ist das Land dabei, einen Umbruch durchzumachen. Das finde ich sehr spannend und würde ich gerne anschauen und verstehen. Das ist der wissbegierige Teil. Der andere Teil möchte einfach mit einer Zigarre und einem Glas lokal hergestellten Rum den Sonnenuntergang genießen und ein bisschen Buena Vista Social Club hören…

 …ja. Ich glaube, da bist du nicht allein.

Mongolei - Copyright: Leonard Caspari
Mongolei – Copyright: Leonard Caspari
Danke GoEuro für die Interviewmöglichkeit & Kooperation.

2 comments

  • […] Also erstmal finde ich gut wie hier direkt zwei Schlagzeilen aus einem Ereignis gemacht werden. Vorbildliche Ausschlachtung der Verwertungskette. Im ersten Schritt wird mir mitgeteilt das die Welt aus ihren Fugen ist, um dann am Folgetag Entwarnung zu geben. Es ist wieder alles beim Alten. Puh – durchatmen! Wo wir schon bei Nicht-Meldungen sind: ich wurde letzte Woche interviewt… jetzt gibt’s nen super sexy Interview mit mir auf Anidenkt. […]

  • Sehr inspirierend, auch wenn es gar nicht so abgedreht war, was er erzählt hat (ok, bis auf die Sache mit der Ralley). Möchte jetzt einen Atlas aufschlagen und blind mit dem Finger auf eine Seite tippen, dann meinen Rucksack packen und los!

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