Sansibar bereisen nach dem Hakuna Matata-Prinzip.

Mit Sansibar verhält es sich ähnlich wie mit Mauritius – auch hier müssen wir keine Privatinsolvenz anmelden, nur um dem gezuckerten Träumchen von Paradies näher zu kommen. Im Gegenteil, ich war überrascht, wie günstig eine Reise in den halbautonomen Staat Tansanias möglich ist; nach oben hin sind natürlich keine Grenzen gesetzt.

Der Flug

Ich bin damals von Malawi mit Kenya Airways nach Daressalam (Tansania) geflogen und mit der Fähre auf die Insel übergesetzt. Da diese Route wahrscheinlich die wenigsten von euch so buchen werden, ein paar Infos zu den Flügen: Generell halten sich die Preise in Grenzen, vor allem natürlich in der kurzen Regenzeit zwischen April und Mai. Ich habe nun immer öfter aus einem riesigen Fernwehgefühl heraus Direktflüge nach Sansibar-Stadt (Stonetown) gesucht und gute Verbindungen unter 600 Euro gefunden. Preise vergleichen lohnt sich, ich buche übrigens sehr gerne bei Momondo.

Bei der Einreise nach Tansania gibt es ein Visum on arrival, das 50 Dollar kostet (Alle Angaben Stand Juni 2016). Angeblich herrscht eine Gelbfieber-Impfflicht, vor allem, wenn man aus anderen afrikanischen Ländern einreist, ich habe allerdings keinen Impfpass zeigen oder irgendwelche Fragen beantworten müssen.

Das beeindruckende Farbenspiel im Wattmeer und die darin gelegenen Seegrasplantagen – Jambiani, Sansibar

Die Fähre von Daressalam nach Stonetown

Die Fähre nach Sansibar kann ich nur bedingt empfehlen. Auf dem Hinweg lag der große Katamaran aufgrund niedrigem Wellengang sanft im Wasser und ich habe kaum etwas von der 90 minütigen Überfahrt mitbekommen. Außerdem sitzt man bequem, es gibt W-LAN und wer das VIP-Ticket (50 Dollar) kauft, bekommt Kaffee und Snacks umsonst gereicht. Ein Film wird ebenfalls gezeigt.

Die Rückreise war sehr, sehr anstrengend. Das Wasser war so unruhig, dass sich die Fahrt anfühlte wie eine anhaltende Achterbahnfahrt. Nichts für schwache Nerven, vor allem, weil die meisten um mich herum sich übergeben mussten. Wenn möglich bei der Anreise, dann den Direktflug nach Stonetown wählen oder vom Flughafen Daressalam mit einer kleinen Maschine nach Sansibar fliegen – Coastal hat mir eine Leserin hierfür empfohlen.

Stonetown

Wunderschönes Städtchen, darüber geschrieben habe ich bereits hier. Wer hier ankommt und müde von der Anreise ist, dem empfehle ich, 1-2 Tage hier zu bleiben und dann erst an die traumhaften Strände zu ziehen. Aus dem einfach logistischen Grund, dass die absoluten Traumstrände von der Hauptstadt relativ weit entfernt liegen und es sich somit anbietet, Stonetown am Anfang oder Ende der Reise einzuplanen. Wer einen Roller oder ein Auto mietet und sowieso über die ganze Insel fährt, betrifft das nicht.

Stonetown ist lässig entspannt.

Einen Unterkunftstipp habe ich hier nicht, da ich in Stonetown nicht übernachtet habe, aber unglaublich leckeres, äthiopisches Essen gibt es hier eine tolle Dachterrasse bietet das luxuriöse Maru Maru Hotel und, ihr kennt mich, sehr leckeren Kaffee gibt es im Serena Hotel.

Achtung: Es gibt auf der Insel nur ATMs in Stonetown und als ich vor Ort war, wurde ein zusätzlicher in Kiwengwa gebaut. Unbedingt darauf achten, genügend Bargeld dabei zu haben, sonst muss man extra, um Geld abzuheben, in die Stadt fahren. In einigen Hotels kann man allerdings auch mit Kreditkarte zahlen.

Unterkünfte

Jambiani
Ich habe eine knappe Woche in Jambiani verbracht, wo mir der Strand sehr gut gefiel und auch die Unterkunft. Geschrieben über die Red Monkey Lodge habe ich hier.
(Preis: ca. 97 Euro / Nacht für Doppelzimmer inkl. Frühstück – mein Favorit!)

Red Monkey Lodge

Michamvi
Danach ging es nach Michamvi, der vorgelagerten Halbinsel, ein Stück weiter im Norden. Dort habe ich im Kae Funk übernachtet, das zum damaligen Zeitpunkt von zwei Südafrikanern übernommen worden war und leider einiges noch nicht funktioniert hatte. Es ist traumhaft schön gelegen, die ganze rustikale Anlage im Sand gebaut, das Essen ist sehr lecker. Vielleicht funktionieren das W-LAN, die Wasserleitungen und viele andere Kleinigkeiten mittlerweile besser.
(Preis: ca. 58 Euro / Nacht für Doppelzimmer inkl. Frühstück)

Kae Funk

Matemwe
Die dritte und letzte Unterkunft lag in der Nähe von Matemwe, das Hotel war zum damaligen Zeitpunkt stark reduziert, und ich kann es rundum empfehlen, allen voran die Freundlichkeit des Service-Personals.
(Preis (regulär): ca. 90 Euro / Nacht für Doppelzimmer)

Tipp für sehr günstiges Reisen: Auf diese neue und sehr günstige Unterkunft bin ich bei meiner Recherche gestoßen. Die würde ich buchen, wenn ich nochmal hinfliegen und etwas aufs Geld achten wollte (Doppelzimmer mit Gartenblick – 19 Euro). Es gibt ein paar Hostels, die verhältnismäßig teurer sind, als vergleichsweise bei einer Asienreise, aber generell sind die Preise auf Sansibar in Ordnung.
Bei sehr günstigen Optionen empfiehlt sich jedoch immer, vor der Buchung die Zimmer anschauen oder nur für eine Nacht zu buchen. Manches ist natürlich auch heruntergekommen und dann lohnt es sich, woanders hinzugehen.

Eingezeichnet (Sterne) sind Strände, an denen ich war und die dazugehörigen Unterkünfte. Von oben nach unten: Atoll zum Schnorcheln, Matemwe, Michamvi, Jambiani, Kizimkazi

Lieblingsstrände

Jeder Strand auf Sansibar hat seine ganz besondere Schönheit und auch Besonderheit.

Jambiani
Hat mir wahnsinnig gut gefallen, hier muss man allerdings die stark ausgeprägten Gezeiten bedenken. Der Strand ist nicht unbedingt etwas zum Sonnenbaden und Schwimmen, denn das Wasser zieht sich kilometerweit zurück und kommt nach rund sechs Stunden zurück, dann aber so nah an die Häuser heran, dass kein Platz mehr zum Liegen ist. Dafür kann man die Frauen bei der Ernte des Seegras (wird u.a. in der Kosmetik und bei der Rumherstellung verwendet) beobachten und überhaupt ist dieser Abschnitt so atemberaubend schön, dass man das Baden schnell vergisst, sich in den Schatten setzt und einfach … schaut.

Jambiani. Links bei Ebbe, rechts bei Flut – Blick von der Red Monkey Lodge aus

 

Kizimkazi
Dieser war der für mich Stärkste in seinen Farben. Noch nie habe ich ein so kräftiges Türkis des Wassers gesehen. Manko: Hier starten die Delfintouren, d.h. es ist viel los und man wird ständig angesprochen.

Kizimkazi

Michamvi
Der Strand auf Michamvi ist nur über einen ungeteerten Weg durch Palmenhaine und kleine Häuser zu erreichen. Genau das macht ihn so besonders. Wie oben erwähnt, war er menschenleer und sehr weitläufig. Hier ist es gar kein Problem, den ganzen Tag zu faulenzen und ins Wasser zu springen. Ich habe nicht mal ein Foto von dem Strand, so entschleunigt ging es hier zu – abgesehen von ein paar Handybildern.

Nach Nungwi und Kendwa habe ich es aus verschiedenen Komplikationen (im Buch gibt es die in aller Ausführlichkeit zu lesen) leider nicht geschafft. Es heißt, dass diese Strände nochmal alles toppen würden und ein Bonuspunkt ist die Lage, weil man Sonnenauf- und Untergang genießen kann. Allerdings stehen dort auch große Hotelketten aneinandergereiht.

Essen & Trinken

Fantastisch. Ein typisches Frühstück auf Sansibar besteht aus frischen Früchten und Kaffee oder Chai, danach werden meist Pancakes oder Eierspeisen gereicht, oftmals auch Chapati. Ansonsten gibt es natürlich viel Seafood, das ich nicht probiert habe, und die meisten Hotelrestaurants verstehen ihr Handwerk. Ich habe leckere Pasta, super gute Nachspeisen und Salate gegessen.

Die einheimische Küche lässt sich ebenfalls gut entdecken: Da die meisten Hotels am Strand auch oftmals in der Nähe der Dörfer liegen, ist ein kleiner Spaziergang immer ganz nett, auch, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Zum Zeitpunkt meines Aufenthalts war gerade Ramadan, deswegen habe ich fast ausschließlich in den Unterkünften gegessen – andere Lokale waren untertags leider geschlossen. Es gibt aber außerhalb dieser Zeit wirklich viele einheimische Restaurants und Imbisse. Bekannt sind vor allem die indischen Currys, der Zuckerrohrsaft (auf Eis), die verschiedenen Bananenarten, gewürzter Reis mit Kartoffeln, das Kilimanjaro Bier und vieles mehr. In Stonetown gibt es übrigens einen Nachtmarkt mit Essensständen.

Wrap mit angebratenem Gemüse, Avocado und gewürztem Kümmelreis.

Unbedingt kaufen: Gewürze! Nicht umsonst ist Sansibar bekannt als die Gewürzinsel schlechthin und die Mischung aus afrikanischer, indischer und arabischer Küche ist wirklich interessant.

(Nah-)verkehr

Die meisten Touristen nutzen Taxis, eine Fahrt von Stonetown nach Jambiani als Beispiel: 60 Dollar für 1 1/2 Stunden Fahrt. Ansonsten gibt es Minibusse, wer diese nutzt, sollte allerdings auf die gängigen Gepflogenheiten (die Insel ist stark muslimisch geprägt) achten und sich entsprechend verhalten. Ich habe öfter mal einen Roller und ein Mal ein Auto gemietet, alles jedoch von einheimischen Nachbarn der Unterkünfte, die nicht so teuer vermietet haben als andere. Teilweise kostet ein Roller pro Tag 25 Dollar (Tank leer!), der Mietwagen dann 30 Dollar, was für mich keinen Sinn machte. Hier habe ich generell keine besonders guten Erfahrungen gemacht und auch die Polizei mit ihren korrupten Spielchen gingen irgendwann auf die Nerven.

Was sich nicht lohnt

The Rock – stark überteuertes und überbewertetes Restaurant. Bei Flut wird mit einem Boot übergesetzt, was wirklich Spaß macht. Tipp: Wer es sich unbedingt ansehen möchte, der sollte bis zur Flut warten und dann einen Drink auf der Terrasse im Sonnenuntergang nehmen.

The Rock

Delfintouren – ich bin da nach wie vor sehr unschlüssig, nachdem ich selbst bereits an einer teilgenommen habe. Einerseits unterstützt es die Einheimischen, andererseits wird sich oftmals nicht an die Regeln gehalten, beispielsweise, zu warten, dass die Delfine sich nähern und nicht umgekehrt. Eine Idee: Vielleicht an einen einheimischen Fischer mit dem Wunsch herantreten und sich nicht den Touristenmassen anschließen.

Tauchen – ich hatte einen tollen Tauchlehrer und auch einen sehr schönen Ausflug. Allerdings war ich etwas enttäuscht vom Atoll (Mnebma Island) auf der Ostseite, das vorher so angepriesen worden war. Die Korallen waren leider teilweise ausgebleicht, klein und verstreut und die große Artenvielfalt hielt sich auch bedeckt. Da war mein Tauchausflug in Mauritius deutlich beeindruckender. Sehr traurig mit anzusehen, wie stark sich die Unterwasserwelt verändert und wie belastet sie mittlerweile ist. Aber: Wer noch nie Tauchen war oder das generell eher als Sport sieht, dem sei es natürlich empfohlen!

Was sich lohnt

Stonetown – auf keinen Fall auslassen.

Jozani Forest – die endemische Affenart beobachten, durch den Dschungel spazieren, alles über Mangroven lernen.

Spice Tour – mache ich generell immer wieder gerne überall dort, wo Gewürze ihren Ursprung haben. Gut mit einer Fahrt nach Stonetown zu verbinden, außerhalb der Stadt gibt es nämlich einige Anbieter.

Kitesurfen – Habe ich selbst nicht ausprobiert, aber vor allem an der Ostküste sehr beliebt.

Barfuß laufen – den ganzen Tag!

 

Schnorcheln – Ich habe Reisende getroffen, die sowohl Delfine als auch Schildkröten gesehen haben. Wer nicht so viel zu sehen bekommt, dem tut anschließend der Geldbeutel nicht so weh wie mir nach dem Tauchen – und kann es am nächsten Tag nochmal probieren.

Wissenswertes

Korruption
Bereits bei der Ankunft in Tansania wird auf großen Schildern am Flughafen vor Korruption gewarnt und gebeten, diese zu melden, falls man selbst betroffen ist. Nun ist es so, dass man in vielen Ländern Afrikas an dem Thema überhaupt nicht vorbeikommt. Gerade bei Straßenkontrollen, die auf Sansibar stark verbreitet sind.
Hier gilt: Ruhig und nett, aber bestimmt sein. Ich wurde mehrmals gebeten, einen unverhältnismäßig hohen Preis zu zahlen, noch dazu für ein Vergehen, das es gar nicht gab. Als der Polizist den Preis auf einen Notizzettel schrieb und mir über den Tisch zuschob, musste ich lachen und er dann selbst auch.
Also: Nicht einschüchtern lassen. Jeder probiert hier sein Glück.

Armut
Aus Malawi kommend, das kaum Tourismus hat, hat es mich wirklich schockiert zu sehen, dass Sansibar genauso arm zu sein scheint, obwohl gerade die Insel wesentlich bekannter ist und ein sehr beliebtes Urlaubsziel. Wiedermal muss man sich also begreiflich machen, dass das Geld nicht dort ankommt, wo es hingehört. Deshalb rate ich von der Buchung luxuriöser Hotelketten ab, zumindest nicht für die komplette Zeit des Aufenthalts. Lieber in schöne B&Bs absteigen, die lokal geführt werden. Viel Trinkgeld geben und eventuell soziale Projekte vor Ort unterstützen, zum Beispiel die Jambiani Eco Tour.

Links: Jambiani Town, rechts: Kizimkazi

Sicherheit
Ich habe mich sehr sicher gefühlt und mich frei bewegt, allerdings war ich auch mit meinem Freund unterwegs. Mir wurde berichtet, dass es an manchen unübersichtlichen Stellen am Strand, beispielsweise direkt hinter einem Riff, zu Raubüberfällen kommt. Hier gilt trotzdem: Keine Panik bei Strandspaziergängen, einfach ein offenes Auge haben und sollte es wirklich passieren, dann Ruhe bewahren und ohne Widerstand die Wertsachen abgeben. Und vielleicht vorher überlegen, ob es bei jedem Ausflug Handy, Kamera(s), Uhr, Schmuck sowie viel Bargeld braucht.

Reisezeit
Sansibar wird, wenn man den Klimawandel nicht miteinbezieht, von zwei Monsunen beeinflusst. Ein Starker, der viel Regen von März bis Mai bringt und ein Schwächerer, der für weitaus weniger Regen im November und Dezember sorgt. Die Hauptreisezeit ist vor allem im Januar und Februar, wobei ich mir vorstellen kann, dass die Insel dann sehr überlaufen ist.
Ich war direkt nach der Regenzeit im Juni dort und habe es sehr genossen. Ein Gefühl, die Insel für sich alleine zu haben. Und ein einziger, starker Regentag innerhalb von 16 Nächten.
Generell lässt sich Sansibar, abgesehen vom deutschen Frühling, ganzjährig gut bereisen.

Links: die Anlage Red Monkey Lodge, rechts: Kizimkazi


Fazit

Sansibar ist ein irrsinnig schönes Fleckchen Erde, wo man gut und gerne Wochen verbringen kann. Es ist nicht der günstigste Ort der Welt und das ist auch gut so, denn Traumstrände müssen geschützt werden vor Massentourismus und verglichen mit vielen anderen Stränden sind die von Sansibar noch sehr sauber. Das kann sich schnell ändern, deswegen bitte ich jeden, der dort hinfliegt, auf die Umwelt und seine Mitmenschen zu achten – wie ich versucht habe, nachhaltig zu reisen, habe ich hier zusammengefasst. Trotz allem ist auf Sansibar viel los, denn unbezahlbar ist es nicht. Ob es sich lohnt? Diese Frage beantworte ich gar nicht.


Danke fürs Lesen! Dieser Artikel hat ne Menge Arbeit gemacht – ich freue mich, wenn ihr ihn empfehlt, mir Feedback da lasst oder Fragen stellt, deren Antworten ich oben vergessen habe.

Ab nach Sansibar!

 

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