Lombok, my love, und warum ich trotzdem lieber nach Bali fliege.

„We only serve Lombok Kopi“, höre ich ihn sagen und noch vor dem ersten Kopi (Kaffee) am Morgen funktioniert mein Hirn auf Knopfdruck und ich antworte: „Oh! No! But thank you.“ Meine Freundin ebenfalls.

Der Lombok Kopi, der mir mehrfach serviert wurde, ist wirklich nicht meins. Dann lieber gar keinen. Hätte ich nur gewusst, dass ich ein paar Tage später, in einem Café in Kuta, Lombok, sitzen würde, den perfekten Iced Latte aus indonesischen Arabicabohnen vor mir, begleitet von einem der schönsten Gespräche mit zwei meiner engsten Freundinnen.

Während der Zusammenstellung unserer Reise nach Indonesien war ich diejenige, die immer wieder sehr ungalant „LOMBOK, wir müssen nach LOMBOK!“ eingeworfen hatte, während meine Freundinnen innerlich den Sonnengruß auf Bali probten. Ich glaube zwar gerne an Hypes, weil sie manchmal gar nicht so grundlos sind, aber bei Bali hatte ich meine Bedenken. Weil es jedoch immer auf die Mischung ankommt, entschieden für uns für Bali, wahlweise Gili Air (am Ende wurde es Gili Air und Gili T) und, hurra, Lombok. Und heute, neun Monate nach einer der schönsten bisherigen Reisen, muss ich sagen:

I believe the hype of Bali. Großartiger Vibe, wie man im Reiseblogger-Fachjargon so gerne sagt.

Ja, es ist überlaufen, ja es ist teilweise hipsteresque, dass es einem manchmal auf die Nerven gehen kann, ja, es sind so so viele australische Surfer*innen hier und ja, es ist in der Regenzeit wahnsinnig vermüllt – und doch sind es auf Bali, wie überall anders auch, wo man sich so pudelwohl fühlt, die Menschen, die das warme Gefühl in der Herzregion ausmachen.

Padang Bai, Bali. Hier legen viele Speedboote ab

Aber zurück zu Lombok. Von Padang Bai auf Bali sind wir mit einem der vielen Speedboote nach Bangsal gefahren, was ein bis zwei Stunden dauert. Von hier aus ging es mit einer im Preis enthaltenen Busfahrt nach Senggigi, die erste Station auf Lombok, von der ich zwar wusste, dass es die Touristenhochburg ist, aber hinterher ist man immer schlauer, auch wenn man es vorher schon weiß.
Senggigi ist kein schöner Ort, der südliche Teil des Strandes hat es mir hingegen total angetan. Unser Ankunftstag war drückend und schwül, die Wolken hingen tief, die Wellen rollten gefährlich heran und der sowieso dunkle Sand wirkte pechschwarz. Wir kamen aus einem mit bunten Farben übersättigten Bali und ich liebte den Kontrast. Wer also nicht in Senggigi Halt machen möchte, der sollte die Palmenwälder drumherum genießen und dem Strand einen Besuch abstatten.

Senggigi

 

Geliebt, geliebt, wirklich geliebt habe ich neben all den Tourispots, die man bei so einem Urlaub mitnimmt, die beiden Wasserfälle Sendang Gile und Tiu Kelep. Lasst euch hier allerdings bloß nicht einreden, den doppelten Preis von dem, der überall ansteht, zu bezahlen und ausschließlich mit Guide die Wasserfälle besichtigen zu dürfen. Stattdessen einfach die lange Treppe hinunter zum ersten Wasserfall nehmen und danach sollte man unbedingt auch zum zweiten, der eine etwa 30-minütige Wanderung über Stock und Stein entfernt liegt. Augen aufmachen, gutes Schuhwerk einpacken, Kamera in einer Plastiktüte verstauen, weil es spätestens am Wasserfall eine ziemlich nasse Angelegenheit wird.
Und doch schwang vor allem an diesem traumhaften Tag etwas Seltsames mit. Denn mit den Menschen in Lombok, zumindest mit denen, die ich traf, die mich von A nach B fuhren oder mir eine Moschee zeigten, wurde ich nicht ganz so warm. Der Taxifahrer krönte das Ganze mit seinem penetranten Fragen nach „where do I find women in Germany to, you know, massage me.“

Sendang Gile Wasserfall

Was am Ende des Tages, am Ende vom Urlaub, übrig bleibt, ist bei mir immer ein Gefühl. Welche Gespräche haben mich begleitet, wie war die Atmosphäre?

Lombok war landschaftlich umwerfend, das Essen war lecker. Würde ich wiederkommen? Auf jeden Fall, alleine schon, um zu sehen, wie sich die kleine Schwester aus dem Schatten Balis heraus entwickelt, und ob der Tourismus genauso hier ankommen wird wie ein paar Kilometer westlich, was den Menschen zu wünschen wäre, der Natur jedoch nicht. Apropos Menschen: Die Einwohner (die sich größtenteils aus den Sasak zusammensetzt, einer ethnischen Gruppe, die den Balinesen nahesteht), empfand ich als reserviert und nicht immer freundlich oder gar herzlich. Aber vielleicht ist das beim nächsten Mal auch ganz anders.

Bis dahin hängt mein Herz an Bali. Auch wenn es hier an einigen Orten viel zu laut ist und man immer, wirklich immer, aufpassen muss, nicht von den unzähligen Rollern braungebrannter Surfer oder langbeiniger Blondinen in Vans-T-Shirts überfahren zu werden.

Frühstück im El Bazar, Kuta
Tiu Kelep Wasserfall
Blick auf den Mawun Beach
Mawun Beach
Kraxeln im tropischen Wald
Vegetarisches Rendang
Marktbesuche gehen immer!
Wie Meditation: Den Menschen bei dieser unglaublich präzisen Kunst über die Schulter gucken

 

Sonnenuntergang vom Hügel des Tanjung Aan Beach


Lieblingsstrand | Mawun Beach
Lieblingsaussichtspunkt | Der Hügel am Tanjung Aan für den Sonnenuntergang
Lieblingscafé in Kuta | El Bazar
Lieblingsrestaurant in Kuta | Nugget’s Corner
Lieblingsrestaurant in Senggigi | Café Alberto

Anmerkung: Im Rahmen meiner Indonesien-Reise habe ich eine knappe Woche auf Lombok verbracht. Zwei Nächte in Senggigi, drei Nächte in Kuta, Ausflüge ins Inland und den Norden.


Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

6 comments

  • Viele Orte sind überlaufen, auch Bali, das ist so und das wird immer so bleiben. Dennoch verstehen wir nicht, wie viele sagen können, da fahren wir nicht. Man kann den ganzen Massentourismus selbst auf einer Insel wie Bali aus dem Weg gehen und genau das gefällt uns auf Indonesiens beliebtester Insel. Lombock waren wir bis Dato noch nicht (leider), werden es uns aber definitiv einmal anschauen.

  • Die Bilder sehen traumhaft schön aus! Bali steht auch ganz weit oben auf meiner Reiseliste, aber noch ist es für mich leider viel zu teuer 😉
    Liebe Grüße,
    Cora

    • Lombok war wirklich richtig schön! Und ich muss sagen, dass es bei mir nicht so teuer war. Ich habe 450 Euro für den Flug nach Bali bezahlt (mit 1 mal umsteigen) und dann vor Ort für 16 Tage ca. 800 Euro ausgegeben. Da waren aber tolle Unterkünfte und bis zu 3 mal essen gehen mit drin. Freu mich, wenn es dich irgendwann dorthin verschlägt!

  • Mein erstes Mal Bali 2003 im Mai 7 Monate nach dem „Bali Bombing“. In Padang Bai hing ein Zettel „Don’t let the terrorists win – come back to Bali”. Der Terror hat tatsächlich nicht gewonnen, und das war damals alles andere als selbstverständlich, schließlich sind wir Backpacker ja scheue Rehe. Mittlerweile ist die Situation allerdings ins Gegenteil umgeschlagen, da die Reisfelder zum Spielball von Spekulanten geworden sind. Bleibt zu hoffen, dass die engagierten Expats und die Locals es gemeinsam schaffen, Bali so zu erhalten wie wir es schätzen und lieben.

    • Absolut, dieser Schritt ist dringend notwendig! Bin auch sehr gespannt, in welche Richtung es sich entwickeln wird.

Join the discussion

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.