Ein Ökohotel und seine Herausforderungen: Das Morena Eco Resort auf Curaçao

Ich laufe über den Kies des Parkplatzes, von dem ich später erfahren werde, dass es sich bei den Steinen um Abfallprodukte von Baustellen handelt. Ich betrete den offenen Eingangsbereich, von hier an ist das Resort autofrei.

Mein Blick schweift über die exotischen Blumen in den riesigen Vasen, einer schlafenden Katze und den elektrischen Golfcarts. Mit einem von ihnen geht es gleich durch den tropischen Garten der Anlage, von dem 80 Prozent während der Bebauung bewusst geschützt wurde, hin zu meinem Apartment. Ein paar Minuten später streife ich die Schuhe auf der Holzterrasse meiner Unterkunft ab, schließe auf und atme den Duft des frischen Holzes ein. Alles ist neu, in warmes Licht getaucht, schlicht und geschmackvoll eingerichtet. Hier werde ich mich wohlfühlen, das weiß ich bereits jetzt – im Eco Resort Morena, dem einzigen nachhaltigen Resort auf Curaçao.

Übersicht des Artikels:

Die wichtigsten Säulen des Morena Eco Resort

Einblicke in das Morena

Zusätzliches


Einleitung

Für mich wurde es immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit: Je mehr ich reise, desto mehr achte ich darauf, meinen ökologischen Fußabdruck zu verringern. Auf der Insel Curaçao, den ABC-Inseln der Karibik zugehörig, hat es stellenweise gut geklappt, nachhaltig zu reisen. Nicht zuletzt, weil ich die ersten Tage im Morena Eco Resort verbracht habe.

Es ist das einzige Eco-Resort auf der Insel und stellt sich damit so einigen Herausforderungen. Vor zehn Jahren wurde es gegründet, um zu zeigen, dass sich das Gefühl des Luxusurlaubs und der Gedanke an Nachhaltigkeit nicht ausschließen – im Gegenteil. Die meiner Meinung nach wichtigsten Säulen, auf denen die Anlage steht und die es um einiges angenehmer machen, sich als Gast wahrhaftig guten Gewissens entspannen zu können, habe ich bei meinem Aufenthalt näher betrachtet.

 

Mülltrennung & Kompostierung

Klingt für deutsche Verhältnisse in weiten Strecken selbstverständlich, ist für eine kleine karibische Insel aber schwierig umzusetzen – und wird deshalb auch leider kaum lösungsorientiert durchdacht. Das Morena hat sich dazu verpflichtet, Müll nicht nur zu sammeln, sondern ihn kategorisch zu trennen und in Länder zu exportieren, wo er gewissenhaft entsorgt und wiederverwertet werden kann. Unterstützt wird das Ganze von der Tui Care Foundation. Außerdem werden Gartenabfälle des Resorts vor Ort kompostiert.

Architektur

Der Fokus aller verwendeter Materialien für die Errichtung des Resorts und seine Einrichtung liegt auf organischen, umweltfreundlichen, recycelten und fair gehandelten Produkten. Beispielsweise ist das Holz, sei es Bambus oder Teak, FSC-zertifziert, was bedeutet, dass es aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft stammt. Manche Teile der Einrichtung stammen auch aus Holzabfallprodukten.
Was mir besonders gut gefällt: Auch die verlegten Rohre sind teilweise aus wiederverwerteten Materialien gemacht.

Energie

Mithilfe von Sonnenkollektoren wird eigene Energie produziert, was nicht nur nachhaltig sondern auch naheliegend ist auf einer karibischen Insel, die Urlauber und Einheimische mit so vielen Sonnenstunden beglückt, dass es irrsinnig wäre, sie nicht zu nutzen. Die Solarerhitzer auf den Dächern der Villas benötigen nur eine Sonnenstunde pro Tag, um Warmwasser für 24 Stunden bereitzustellen.
Was mir besonders gut gefällt: Die Zimmer sind isoliert. Ich habe daher die Klimaanlage, obwohl es sich um eine selbstregulierende handelt (sie schaltet sich ab, sobald die gewünschte Raumtemperatur erreicht ist) nur kurz vor dem Schlafengehen angeschaltet.

Wasser

In der ganzen Anlage ist ein sogenanntes Grey-Water-System zu finden. Dahinter verbirgt sich die Methode, das genutzte Wasser aus den Villas und Apartments für die Bewässerung des Gartens zu nutzen. Natürlich ist dies nur ökologisch sinnvoll, wenn ausschließlich umweltfreundliche Putzmittel und Seifen in den Abfluss gelangen – was im Morena der Fall ist. Außerdem wurden Regulatoren für den Wasserdruck angebracht sowie selbstregulierende Duschen und Hähne.

Umweltschutz

Vieles hängt von einem selbst ab, das eigene Umdenken ist wichtig, um nachhaltig zu reisen. Und es fängt bei vermeintlichen Kleinigkeiten an: In Hotelzimmern nicht jeden Morgen die Handtücher auf den Boden werfen, um neue zu bekommen, sondern sie mehrfach zu nutzen. Im Morena gibt es nur alle drei Tage frische Handtücher, was ich absolut ausreichend finde. Die Aloe Vera-Hand-, -Körper und -Haarseife wird lokal in der Aloe Vera-Farm der Insel hergestellt, die Putzmittel sind, wie bereits oben erwähnt, umweltfreundlich.
Was mir besonders gut gefällt: Der Pool, der mit einem System der Salzelektrolyse ausgestattet ist, ist zu 95 Prozent chlorfrei. Das durch die Elektrolyse des Salzes entstehende Natriumhypochlorit wirkt, ähnlich dem Chlor, desinfizierend, die Reinigung des Pools ist also generell nicht nur einfacher und umweltfreundlicher, das Salzwasser ist noch dazu viel besser für die Haut der Gäste als die Chemiekeule, in der man sonst badet.


Villas und Apartments

Ich durfte in den neuesten Teil der Anlage einziehen, der erst kurz vor meiner Anreise eröffnet worden war. Ein geräumiges Apartment für zwei Personen mit Küche zur möglichen Selbstversorgung und einer so großen Holzterrasse, dass ich jeden Morgen die Yogamatte ausgerollt habe. Ich mochte die Wärme des Holzes genauso wie das schlichte, zurückhaltende Design. Auch die Villas, die bis zu sechs Personen aufnehmen können, sehen nicht nur schick aus, sondern wirken einladend mit ihren großen, schattigen Terrassen, auf denen man an einem Tisch essen oder in den Hängematten entspannen kann. Die Küchen sind gut ausgestattet und die mögliche Selbstversorgung ist somit eine schöne Alternative für alle, die sich lieber selbst verpflegen möchten.

In Kürze: Es gibt Apartments für 2-4 Personen und Villas für 6-8 Personen, ebenfalls 2 für Besucher mit Behinderungen. Zu den Preisen und Buchungen geht es hier entlang, im April, Mai und Juni gibt es das Frühstück inklusive.

 

 

Durch den tropischen Garten ist jedem Gast die Privatsphäre garantiert
Die Küche meines Apartments

 

Pool & SPA

Sehr genossen habe ich die beiden Pools und das SPA Mazzai. Bei meiner Hotelführung wurde mir nicht nur der hauseigene Papagei vorgestellt, der in der Nähe des SPA glücklich vor sich hin plappert, nachdem er aus einer siebenjährigen Gefangenschaft befreit worden ist, sondern auch zwei der Damen, die sich hier um alle körperlichen und seelischen Wünsche der Gäste kümmern. Alle Produkte, mit denen man hier verwöhnt wird, kommen aus Eigenherstellung, die dafür benötigten Kräuter wachsen im kleinen Garten nebenan.
Vor allem in Erinnerung geblieben ist mir der Oregano, den ich zum ersten Mal mit einem heißen Wasseraufguss als Tee getrunken habe sowie die riesigen Aloe Vera-Pflanzen.

Sonia, die mich behandelte, ist eine unglaublich tolle Frau und ich kann es nur empfehlen, ein Treatment bei ihr zu buchen. Anderthalb Stunden sind im Flug vergangen, als sie mir von ihren Reisen, Lebenserfahrungen und Überzeugungen im Gesundheitsbereich erzählte, während ich in einer freistehenden Badewanne saß, meine Hautoberfläche gepeelt und mein Sonnenbrand gelindert wurde.

Einfach alles passt hier: Die herzliche Atmosphäre, die entspannende Musik, die Ruhe und Ausstrahlung der Frauen, die Produkte. Ein ganz tolles SPA, das erst vor Kurzem einen schönen Außenbereich dazubekommen hat.

Tee aus Oregano-Blättern und die verwendeten Peelings und Öle als Geschenk

 

Im Hintergrund ist das kleine SPA zu sehen, die Buddha-Statue befindet sich daneben in dem überdachten, jedoch offenen Bereich, der nun dazugehört

Restaurant

 

Das Frühstücksbuffet ist reichhaltig, es gibt viele Früchte, aber auch eine Auswahl an Teigwaren, Käse und Wurst. Der Kaffee und die Milch kommen von Puro Fairtrade. Bei den Milchpäckchen (ähnlich Kondensmilch) war ich zuerst aufgrund der Verpackung skeptisch, doch auch fair gehandelter Kaffee & Milch müssen importiert werden. Die Verpackung kann zumindest wiederverwendet werden und der Abfall des Biokaffees wird zu Erde verarbeitet.

Morgens werden hier Eierspeisen gezaubert, abends kommen Woks auf die Gasherde und jeder Gast kann sich seine eigene Bowl zusammenstellen – aus frischen Zutaten wie Fleisch und Meeresfrüchte sowie einer großen Auswahl an Salat, Gemüse, Nüssen und verschiedenen Soßen. Beim Live-Cooking werden auch Spare-Ribs-Abende veranstaltet. Außerdem lässt sich aus einer regulären Speisekarte wählen –  zwei vegetarische Gerichte sind darauf zu finden, die Wok-Gerichte sind automatisch vegan, sobald man auf Fleisch und Fisch verzichtet. Hier sehe ich trotzdem Verbesserungspotenzial, denn zu Nachhaltigkeit gehört auch ein reichhaltiges Angebot an veganen und vegetarischen Speisen.

Umgebung

Das Eco-Resort liegt fünf Gehminuten vom Jan Thiel-Beach entfernt, der sehr schön ist, mir allerdings zu überlaufen war. Die Anfangszeit auf der Insel habe ich daher mehr im Resort selbst genutzt, da es durch den tropischen Garten, meiner eigenen Holzterrasse und den zwei Poolbereichen so viele nette Ecken bereithielt, in die ich mich glücklich mit einem Buch in der Hand zurückgezogen habe – umgeben von dem lauten Zwitschern tropischer Vögel und und einem Leguan, der ab und an träge vorbeischlich.

Der künstlich angelegte, sehr saubere Jan Thiel-Beach

Der offene Eingangsbereich – die Sitzgelegenheiten wurden von einem deutschen Designer entworfen.

 


Wissenswertes

 

Wie wird so ein Öko-Resort seinen eigenen Standards gerecht und kann diese über Jahre hinweg halten?

Das Morena ist zertifiziert durch Travelife und Greenglobe, was bedeutet, dass es immer wieder gemäß den Richtlinien der Zertifizierungen überprüft wird. Außerdem ist es bei Green Pearls gelistet, einer Informationsplattform und Kommunikationsagentur für nachhaltige Plätze weltweit. Nichtsdestotrotz wurde mir vor Ort mehrfach bestätigt, dass es eine große Herausforderung ist, auf einer kleinen Insel wie Curaçao so etwas aufzubauen und darüber hinaus, sich stetig zu verbessern, vor allem im Bereich von (Bio)-Lebensmitteln.

Wo sollte man mit dem Nachhaltigkeits-Denken beginnen?

Bei Kindern. Deshalb engagiert sich das Morena für GreenKidz, eine Organisation, die einen interaktiven Lehrplan zur Abfallentsorgung und -Recycling bereitstellt. Er richtet sich an alle Schüler in den Klassen 5-8 und kann auf Papiamentu (Landessprache) und Niederländisch bereitgestellt werden. Mehr Infos gibt es hier.

Warum importiert Curaçao so vieles?

Die karibische Insel ist klein, ihr Boden ist steinig und sehr trocken, hier kann praktisch nichts angebaut werden. Als ich dort war, hatte es kurz zuvor einige Regenschauer gegeben, was die Insel wesentlich grüner erscheinen ließ, als die Einheimischen sie eigentlich kennen. Vor allem aus Venezuela werden die Güter importiert, wobei ich mir da bei der derzeitig katastrophalen Lage des Landes nicht sicher bin.


Vielen Dank an Greenpearls und das Morena Eco Resort für die Einladung. Meine Meinung und dieser Artikel bleiben davon selbstverständlich unberührt.


Reist ihr nachhaltig? Könnt ihr euch vorstellen, so ein Resort mit einem Besuch zu unterstützen?

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