Der Schatz in der Karibischen See: Das Palmar auf der Insel Bastimentos

Um 5:20 Uhr stoppt der Bus in Almirante und die Lichter gehen an. Im ersten Moment fühle ich mich erschlagen, doch als ich durch die Dunkelheit des Ortes gehe, fällt mir auf, dass ich die letzten Stunden im Bus kaum mitbekommen habe. Mein Nacken tut weh, aber schlafen konnte ich gut in den bequemen Sitzen.

Die ganze Anreise von Panama City zum Archipel Bocas del Toro, das nur 30 Kilometer vor der Grenze zu Costa Rica liegt, lief reibungslos. Der Bus war pünktlich losgefahren, pünktlich angekommen, und nun bringt mich ein Taxi zum Bootsteg (nun gut, da hätte der Bus auch direkt hinfahren können, aber die Taxifahrer vor Ort möchten auch was vom Touristenkuchen abhaben), wo ich wiederum pünktlich zum Sonnenaufgang zur Isla Colón fahre; der Hauptinsel des Archipels.

Und das ist rückblickend vielleicht sogar der schönste Moment meines Aufenthalts, als das Wassertaxi leise durch das ruhige Karibische Meer gleitet, während links und rechts ganz langsam das Leben in den auf Stelzen gebauten Hütten beginnt. Am Horizont geht die Sonne auf, die Strahlen breiten sich aus, legen sich über die grüne Landschaft, das blaue Wasser, und weckt mich so sanft auf, wie der warme Fahrtwind, der über meine Wangen streicht. Es ist Anfang November, ganz früh am Morgen, als ich die Isla Colón betrete, mich im Hotel Selina mit den ersten wachen Gästen in die Sessel auf der Veranda fallen lasse und glücklich bin. Glücklich darüber, dass ich diese Momente auf meinen Reisen noch nie für selbstverständlich gehalten habe. Dass ich sie noch immer sehe und spüre und vollkommen genieße.

Anlegesteg auf der Isla Colón.
Das farbenfrohe Selina ist ein perfekter Anlaufpunkt auf der Hauptinsel.

 

Die Straßen von Bocas Town – farbenfroh, lebendig und maßgeschneidert auf den Tourismus, der hier ankommt.

 

Und trotzdem bleibe ich hier nicht lang. Drei Nächte habe ich in einer Unterkunft auf Bastimentos, der Nachbarinsel, gebucht, weil ich vollkommen eintauchen möchte in die Natur und es mir in Bocas Town auf Colón zu voll und trubelig ist. Die Unterkunft hatte mir im Vorfeld ein Freund empfohlen, der dabei so ins Schwärmen geraten war, dass ich mich nicht gewundert hätte, wäre er am Flughafen plötzlich neben mir gestanden. Und genau solche Tipps mag ich. Nicht nur, wenn sie sich als kleine Schätze erweisen, sondern, weil ich so weit weg von zuhause und bin und trotzdem weiß, dass ein Freund den gleichen Weg ebenfalls zurückgelegt hat. Ein paar Monate zuvor auf Bastimentos angekommen ist, den zehnminütigen Weg durch satten Regenwald lief, bis hin zum Red Frog Beach, und hinein ins Zelt, mitten im Dschungel.

 

Abfahrt nach Bastimentos.
Der erste Blick nach der Ankunft – der Restaurantbereich der Unterkunft Palmar.

Das Palmar wird von drei jungen und sehr sympathischen Amerikanern geleitet, die sich vor ein paar Jahren in dieses Fleckchen verliebten. Bereits vor Ankunft hatte ich eine E-Mail bekommen, in der ich darauf hingewiesen wurde, die Natur vor Ort zu achten, indem ich kein offenes Essen mitbringen würde, keinen Föhn oder große Lautsprecher. Die komplette Anlage wurde nachhaltigen Standards unterzogen, Strom gibt es über Solaranlagen auf den Dächern und das Regenwasser wird nicht nur zum Duschen verwendet, sondern nach einer Reinigung als Trinkwasser angeboten. Plastikflaschen sollen zuhause gelassen oder so lange aufgefüllt werden, bis man wieder abreist. Mit einem Full-Service-Restaurant wird man hier auch nicht hungrig: Das Essen ist sehr lecker und gesund, gerade Veganer und Vegetarier finden auf der Frühstücks- und Mittagskarte eine große Auswahl, am Abend gibt es ebenfalls zwei bis drei Gerichte, die ohne Fisch oder Fleisch auskommen. Einzig die Preise sind etwas happig, aber die umliegenden Restaurants ähnlich teuer und wenn man bedenkt, dass die Lebensmittel erstmal hierherkommen müssen und dann frisch zubereitet werden, sind sie akzeptabel.

Neben dem Red Frog Beach (Mitte), an dem die Unterkunft liegt, schließt sich der Playa Larga an (links und rechts). Wilde Wellen des Karibischen Meeres rollen hier an wilde Strände der Insel.

 

Pancakes jeden Morgen. Dazu frischer Kaffee mit Sojamilch, die gibt es nämlich überall.

 

 

Und dann lässt es sich hier einfach wunderbar aushalten. Vollkommen entspannend. Knapp vier Tage habe ich nichts anderes gemacht, als am Strand zu lesen, den süßesten Ananassaft der Welt zu trinken, Strandspaziergänge zu machen und am frühen Abend in den Yogakurs zu gehen, der vom Palmar für sechs Dollar angeboten wird. Es brauchte wirklich nicht lange, um anzukommen und auf dieses unsagbar weiche Bett der Natur zu fallen. Umgeben von tropischen Pflanzen, Brüllaffen, roten Fröschen und dem Zirpen tausender Zikaden in der Dämmerung war das Motto schnell klar: zurück zu den Wurzeln.

Aus diesem Grund hatte ich auch ein Glamping-Zelt gebucht, das wesentlich spartanischer war, als ich gedacht hatte, aber genau das, was ich wohl brauchte. In der Nacht lag ich oft wach, während der Regen auf die dicke Plane hämmerte. Wer schon mal in tropischen Wäldern geschlafen hat, weiß, dass man erst dann die Kraft von Regen wirklich erfahren hat. Abgesehen von den Zelten bietet das Palmar jedoch auch kleine Schlafsäle, Zimmer, Bungalows und zweistöckige Häuser, die einfach nur traumhaft sind. Als ich vor Ort war, hat gerade ein Fotograf neue Bilder geschossen und bei einer der Drohnenaufnahmen habe ich ausgeholfen.

Nach Bastimentos würde ich gerne noch einmal zurück, dann jedoch mit mehr Zeit. Schon längst kein Geheimtipp mehr, is die Insel dennoch eine wunderschöne Alternative für alle, die sich in die unglaubliche Natur Panamas zurückziehen wollen. Die weist nämlich eine der höchsten Biodiversitäten der Welt auf – aber das ist eine andere Geschichte.

Der traumhaft schöne Red Frog Beach.

Links: Die Angebote des Palmar, rechts das obligatorische Gallo Pinto, das mir aber ehrlich gesagt nicht geschmeckt hat.

 

Die Anlage verschwindet teilweise vollständig im dichten Dschungel der Insel.

Infos

Von Panama City nach Bastimentos:
Ich kann nur jedem empfehlen, mit dem Bus anzureisen und auf einen Inlandsflug, der ebenfalls möglich ist, zu verzichten. Die Busse sind sauber und gut ausgebaut, die Sitze richtig weich mit breiter Fläche, sodass man es sich bequem machen kann (Achtung: Die Klimaanlage läuft leider auf Hochtouren, unbedingt an lange Klamotten und einen Schal denken!)
Ich habe mich für den Übernachtbus entschieden, der gegen 17:30 Uhr am Albrook Busterminal startet (erreichbar mit der U-Bahn, Endstation Albrook), nachts eine halbstündige Raststättenpause einlegt und gegen 5:30 Uhr den kleinen Ort Almirante erreicht. Dort fährt ein Taxi für rund einen Dollar zur Boot-Ablegestelle, wo wiederum gegen 6:30 Uhr ein Wassertaxi zur Hauptinsel Colón fährt. Ab Bocas Town auf Colón fahren verschiedene Wassertaxis die einzelnen Stränden und die zum Archipel gehörigen Inseln an. Palmar bietet für Hotelgäste einen kostenlosen Shuttle an, der zweimal am Tag fährt, am Vormittag und Nachmittag.

Preis insgesamt für die Anreise: rund 35 Dollar.
Eine super Seite für die Anreise nach Bocas (auch von Costa Rica aus) ist diese hier: Habla Ya.

Tipps zu Bastimentos

Isla Bastimentos National Marine Park: Mangroven, Faultiere, Affen, Kaimane und viele andere Tiere und natürliche Vegetationen lassen sich hier bestaunen. Der Playa Larga dient als wichtiger Nistplatz für Schildkröten zwischen April und September. Rund um die Zapatillas Islands lässt es sich fantastisch schnorcheln, tauchen oder einfach nichts tun.

Wandern: Vom Red Frog Beach ausgehend, kann man über ausgedehnte Spaziergänge die nahen Strände erkunden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Insel ist die Küste eher von Mangroven geprägt. Dazwischen gibt es verschiedene Wege und wunderschöne Aussichten, es ist allerdings abzuraten, diese alleine zu gehen, da man sich schnell verlaufen kann (ich habe hier keine Erfahrungen). Guides, die den Regenwald kennen, kann man überall buchen.

Café Up In The Hill: Eine Organic Farm mit angeschlossenem Café und Unterkünften. Hier werden Touren durch das Anbaugebiet angeboten, außerdem kann man biologische Produkte shoppen oder einfach einen Kaffee trinken. Viele besuchen das Café auf dem Weg zum Wizard Beach.

Hinweis: Das Meer auf der Seite des Red Frog Beach ist wirklich nicht zu unterschätzen. Warntafeln sind aufgestellt, eine Flagge weist jeden Morgen auf die Sicherheitsstufe hin. Auch wenn die Wellen vom Strand aus oftmals klein wirken, können sich darunter (und auch an Riffen) starke Soge bilden, die nicht sichtbar sind.

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