In München san alle nackert, saufen Bier und, eh klar: Welche Subkultur?

Oh my beloved München. So viele Vorurteile schweben über deinem süßen Köpflein. Ich habe mal ein paar zusammengesucht und mich umgehört. Was davon stimmt? Los geht’s.


1. Münchner sind grantig.

Was auf Hochdeutsch so viel wie verstimmt und übellaunig bedeutet, macht für mich ja den Münchner erstmal grundlegend sympathisch. Denn gut gelaunt und schief gelacht kann jeder in unserer makellos überschminkten Gesellschaft, aber den Grant raushängen zu lassen, da gehört schon was dazu. Nichtsdestotrotz stimmt dieses Vorurteil nicht wirklich. Alleine schon deswegen, weil München – wie jede andere Millionenstadt – ein Mix aus so vielen verschiedenen Menschen (Zuagroasten) ist und wir alle auch mal gute Laune haben.

2. In München ist alles Schickmicki.

Da ist was dran. Allerdings ist es extrem einfach, die Schickeria nicht nur auszublenden, sondern komplett zu umgehen. Wer durch Bogenhausen flaniert, auf der Maximilianstraße einen Take-Away-Imbiss sucht oder am Hohenzollernplatz gerne shoppen geht, wird eventuell von Porsche und Co. überfahren. Im Bahnhofsviertel, im Westend, teilweise im Glockenbach und der Maxvorstadt und erst recht in der Au ist alles safe. Trust me.

3. Wir sind alle reich. Alle.

Geht Hand in Hand mit dem Punkt darüber. Und gerne würde ich das bestätigen, aber ich persönlich hatte Strecken in meinem Leben, da habe ich im Supermarkt gejobbt, Nudel mit Pesto retteten mich über das Monatsende und mein ganzer Freundeskreis stöhnt noch heute auf, wenn das Gericht auf der Abendkarte an der 15-Euro-Marke kratzt. München ist teuer, das macht uns aber nicht automatisch reich. Wäre aber eine schöne Gleichung.

4. Münchner trinken ausschließlich Bier und das in rauen Mengen.

Also, mal ehrlich. Wenn man da wohnt, wo das beste Bier seinen Ursprung hat, warum sollte man es nicht trinken? Ich mag Bier, aber der Begriff Cocktail ist mir nicht fremd und auch mit Wein sind wir alle hier schon mal in Berührung gekommen. Ich finde, das Getränk am Abend ist eine Frage des Tages. Und des Ortes. Bier trinke ich persönlich am liebsten beim Konzert, zum Beispiel im fabelhaften Strom. Guten Rotwein gibt es in der Cordo Bar inklusive leckeren Tapas, den besten White Russian (und günstigsten) gießen die Jungs im Café Kosmos ein und wenn es ein ganz harter Tag war, dann gibt es einen verdammt leckeren Cosmopolitan in der Cohibar.

5. Im Englischen Garten sind alle nackert. Am Flaucher auch.

Nicht alle. Und schon gar nicht die, die man persönlich kennt. Aber es stimmt: Sobald die ersten Sonnenstrahlen im Frühling blitzen, ziehen viele blank. Das kann amüsieren, manchmal nervt die damit einhergehende Selbstdarstellungssucht. Mich stört es nicht wirklich. Ich dachte, München braucht ein paar Ecken und Kanten?

6. Auch abseits vom Oktoberfest laufen Münchner in Dirndl und Lederhosen rum.

Das ist das #1 Klischee der Ausländer. Das sind aber auch diejenigen, die Deutschland mit Bayern verwechseln. Natürlich sieht man hier ab und an Leute, die auf dem Weg zum Frühlingsfest in Tracht gekleidet sind oder Bedienungen, die sie ebenfalls tragen. Sonntags wird sie auch manchmal rausgeholt. Die meisten ziehen ihr Dirndl und die Lederhose allerdings wirklich nur zur Wiesn an.

7. Die Stadt ist so fucking sauber.

Stimmt absolut. München ist echt sauber, die Straßen sind blank geputzt. Ich wüsste aber nicht, warum man sich daran wirklich stören könnte?

8. Subkultur? Welche Subkultur?

Eine Sache vorweg: Die illegale Party fliegt dem Touristen nicht gleich entgegen und nach der Zwischennutzung muss man vielleicht auch erst mal kurz googlen. Aber eine Subkultur gibt es definitiv. Dazu zähle ich auch die fabelhafte Boazn-Kultur und Pop Up-Clubs. Schaut mal für Tipps hier vorbei und: Wo Zehra Spindler ist, ist immer was los.

9. In München gibts’s nur Fleischgerichte.

Ist es nicht meist so, dass das, was vor der Nase wedelt, meist das ist, was man gar nicht will oder mag? Wir sind doch ständig auf der Suche nach Neuem. Natürlich boomt auch in München die vegetarisch/vegane Szene und das nicht zuletzt durch tolle Restaurants wie das Kismet, Gratitude, Max Pett und irre gute Falafelläden. Pff, no need for meat.

Das Schlusswort hat my also beloved Jennifer Lawrence.

München,

 

10 comments

  • 3 Gifs mit Parks and Recreation… so schlimm könnt ihr Münchner dann gar nicht sein 😉

  • Nach dem Studium war mir jede Stadt recht außer München – und wo bin ich gelandet? 🙂 Jetzt lebe ich aber schon seit fünf Jahren hier und fühle mich doch wohl. Ich finde die Münchener aber gar nicht so grantig, jedenfalls nicht im Vergleich zu meiner Heimat, wo keiner vor die Tür geht, weil das Wetter schlecht ist und Gott einen für jede Freude bestraft …
    Ich finde aber, dass man München seinen Reichtum schon sehr anmerkt. Im Winter sieht man so unglaublich viele Pelzmäntel, dass ich kaum eine Fahrt mit der U-Bahn überstehe, ohne mich tierisch aufzuregen. Und das Westend ist ja mittlerweile auch schon ziemlich chic geworden und ist auch nicht mehr das, was es war. Und wenn man bedenkt, dass schon eher besser Verdienende sich auch nur noch Wohnungen in nicht ganz so schönenden Gegend leisten können (zumindest wenn man eine größere Wohnung für eine Familie haben möchte) …
    Das Strom mag ich übrigens nicht besonders, weil es so furchtbar eng ist und die Garderoben-Organisation katastrophal ist (zumindest, wenn ich da war). Ich erinnere mich noch gut an einen sehr, sehr kalten Abend, an dem die Garderobe bestimmt schon um Mitternacht voll war und gefühlte Tausend Leute ihre Jacken auf den Boden legen mussten. Das Resultat: Sowohl meine Jacke als auch die von meinem Mann wurde geklaut und wir mussten uns ein Taxi nach Hause nehmen, obwohl wir sonst zu Fuß in einer Viertelstunde im Westend gewesen wären. Seitdem will ich da nicht mehr hin. :p

    • Hi Larissa,

      na klar merkt man den Reichtum in München. Wie gesagt, in den genannten Stadtteilen fühle ich persönlich mich sehr wohl.
      Das ist richtig blöd, was euch im Strom passiert ist! Ich bin auch gar kein Garderobenfreund generell und lege meine Jacke immer irgendwo hin, wo ich sie im Blick habe. Damit bin ich immer am besten gefahren, weil es nichts kostet, man nicht anstehen muss und geklaut wurde mir noch nie was. Aber das Strom finde ich trotzdem toll, weil es super Konzerte hostet und ich finde es ehrlich gesagt überhaupt nicht eng. Ist doch ein geräumiger Club.

      Liebe Grüße,
      Anika

  • […] Auf den Trümmern meines Selbstbewusstseins wird die Illusion einer exotischen Liebesgöttin aus Deutschland […]

  • Hallo Anika,
    dass Bayern mit Deutschland verwechselt wird, erlebe ich auch oft… 😉 Eine unterhaltsame Zusammenstellung hast du allemal!
    Liebe Grüße, Jean

  • Danke für die Subkultur! 🙂 Hoffentlich bleibt so noch lange eine – und das mein ich ausnahmsweise mal nicht ironisch!

  • […] die mir oftmals auch ein Stück zu weit gehen: Wie kannst du dir das, also deine Freiheit, hier in München leisten? Ähm naja, wie kann sich ein Stand-Up-Comedian das Leben in New York leisten? Es geht […]

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