Wiesn-Wissen für Zuagroaste!

Die Wiesn ist ein Spielplatz, auf dem nicht alles erlaubt ist – wir sind ja schließlich noch in Bayern – aber trotzdem alles gemacht wird. Ein Mini-Kosmos, in dem man beim Eintreten für kurze Zeit alles vergessen kann, was außerhalb dessen passiert. Dafür braucht’s im Schnitt nur zwei Maß Bier.

Tracht tragen, Saufen, Feiern, Kotzen, Weiterfeiern. Die Falltür ins Bodenlose steht an diesen 16 Tagen im Jahr immer offen. Trotzdem macht die Wiesn auch Spaß, vor allem, wenn man ein bisschen mehr über sie weiß als der Durchschnitts-Tourist.

Der Ursprung – das Oktoberfest im September. Hä?

Am 12.10.1810 fand die Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen, der die Theresienwiese auch ihren Namen verdankt, statt. Weil es so schön war, wurde im Jahr darauf wieder eine große Sause veranstaltet – und somit war die mittlerweile weltbekannte Wiesn geboren. Später wurde das Fest verlängert und zeitlich vorverlegt, damit die häufigen Schönwetterphasen Ende September als natürlicher Durstanreger genutzt werden konnten.

Welches Zelt?

Hippodrom und Käfer sind eher No-Go. Wer mit Lothar Matthäus und seiner 72ten Scheidung an einem Tisch sitzen möchte, der lässt sich in diesen Zelten nieder. Ansonsten ist das Hacker eins der beliebtesten unter jungen Leuten. Generell gilt: Bist du drin, im Zelt, dann freu dich – und geh‘ nicht wieder raus.

Übrigens: Auch wenn JEDES Zelt zu JEDER Zeit voll ist – Platz gibt’s immer. Ich musste noch nie stehen, denn genau dafür ist der Alkoholspiegel und die Ausgelassenheit der Besucher bestens geeignet. Ein bisschen zusammenrücken und gut is. Das Hofbräu ist übrigens das Größte.

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Wann und wie komme ich ins Zelt?

Früh hingehen (9 Uhr am Wochenende, 10 Uhr während der Woche) in Kombination mit einem Werktag klappt eigentlich immer. Die Wochenenden besser meiden, für Zuagroaste gilt hier aber ebenfalls die Früh-Aufstehen-Regel. Von 17-19 Uhr Uhr gibt es einen Reservierungswechsel in den Zelten, das heißt ohne Reservierung geht hier gar nichts.

Übrigens: Vor drei Jahren wurde mir mal ein Passwort zugeflüstert für den Hintereingang eines Zeltes, dessen Name nicht genannt werden möchte. Die Heiligen Hallen haben sich trotz Überfüllung geöffnet. Also: Immer die Öhrchen spitzen und an diejenigen halten, die sich auskennen.

Bierpreiserhöhung kennt keine Gnade!

Nachdem die bayerische Staatsoper 1823 zum ersten Mal abbrannte, lies König Max I. den Wiederaufbau durch eine erste Bierpreiserhöhung auf der Wiesn finanzieren. Gewusst wie, würde ich mal sagen. Nachvollziehbar auch.

Doch mittlerweile sind die Kassen übervoll, denn der Preis pro Maß ist dieses Jahr zum ersten Mal in allen Zelten über die 10 Euro-Marke geklettert.

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Kuriose Fundstücke im Fundbüro

Dirndl, Eheringe, Skistiefel und jedes Jahr traditionell mindestens eine Zahnprothese. Hunde auch, eine 8 Zentimeter große Blattheuschrecke war ebenfalls mal dabei. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt.

Das Italiener-Wochenende

Das zweite Wochenende heißt für uns Münchner: Bloß raus aus der Altstadt, am besten ganz raus aus der Stadt. Ich übertreibe. Vor allem die Frauen ergreifen vor knutschfesten Südländern oftmals die Flucht, ansonsten freut sich die Stadt auf den Ansturm – da wird auch mal die Radiomoderation zweisprachig durchgesagt und die italienischen Polizeikollegen kommen ebenfalls zur Unterstützung.

Kann man vom Riesenrad aus die Alpen sehen?

Ja! Bei einem klaren Tag hat man einen wunderschönen Blick über ganz München und kann den Alpenrand sehen – der Wiesn-Wahnsinn von oben sieht übrigens auch super interessant aus.

Welches Dirndl darf es sein?

Geschmäcker sind verschieden. Meine persönlichen Don’ts:

  • Mini-Dirndl (Dirndllänge, die über dem Knie Halt macht) Eine alte Faustregel besagt: der Saum gehört einen Maßkrug-breit über dem Boden
  • Pinke Hunter-Gummistiefel zur Tracht (alles schon gesehen)
  • Weiße Netzstrümpfe (in schwarzen Pumps zu bunter Tracht)

Welches Outfit für den Mann?

Meine persönlichen Don’ts:

  • Keine T-Shirts mit Lederhosen-Prints oder Ähnliches
  • Kein neckisches Halstuch, um Himmels Willen
  • Zu der Lederhosen gehören Haferlschuhe. Keine Sneakers, keine Chucks.
  • Ach ja: Die Loferl werden übrigens nur an den Waden getragen, es sind keine Socken

Und wo geht’s hin, wenn’s aus is?

Nach Hause. Denn die besoffenen Wiesn-Besucher sind spätestens, nachdem man den Minikosmos verlassen hat, kaum mehr zu ertragen. Auch, wenn man selbst betrunken ist. Die Wiesn funktioniert halt nur auf der Wiesn.

Tipp für alle, die noch stehen können: Wechselkleidung mitnehmen und in der besten Bar Münchens, im Café Kosmos, einen Absacker trinken. Hier darf aber keiner in Tracht rein. Warum, das erklärt der Flo hier.

Mein Lieblingsmoment

Ich gehe auf die Wiesn vor allem wegen einem einzigen Lied. Robbie Williams – Angels. Ja, das ist richtig. Wenn das ganze Zelt am frühen Abend auf den Bänken steht, sich alle umarmen und diesen einen Song grölen, dann ist die Welt ganz kurz in Ordnung.

Das Schlusswort hat der Harry

Fotocredit: Deniz

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