Das Leben, eine frisch gestrichene Parkbank.

Die letzten Wochen waren, Hand aufs Herz, die Abwechslungsreichsten meines Lebens. Zumindest, so weit ich mich zurückerinnern kann und ich kann mich leider nicht mehr an mein fabulöses Kleinkindalter erinnern.

So viel ändert sich gerade in mir und um mich herum. Ich habe viele neue Menschen kennengelernt und mich von ein paar anderen verabschiedet. Das ist nicht immer einfach, aber es ist wichtig. Außerdem jagt ein neuer Job den Anderen… und das Schönste ist, dass ich dabei Anerkennung erlebe. Die, für die man sich nicht aufopfern oder verkaufen muss, sondern es ist die, die von selbst kommt und man auf sich regnen lassen kann.

Dann war da diese fabelhafte Lesung. Und natürlich die ITB, die weltgrößte Tourismusmesse, die ich zum ersten Mal dieses Jahr besucht habe. Zwei Tage lang habe ich mehrere Weltreisen erlebt, bin von Land zu Land gelaufen und in so viele verschiedene Kulturen eingetaucht. Es war wirklich fabelhaft, auch wenn meine Füße etwas anderes berichten. Hört nicht auf sie.

Und jetzt. Jetzt sitze ich zwischen Kleiderbergen, weil ich mich nicht entscheiden kann, was ich auf meine zweimonatige Reise mitnehmen möchte. Hat jemand schon mal für zwei verschiedene Klimazonen gepackt? Einmal Tropen, einmal Frühling? Als hätte man nicht genug damit zu tun, überhaupt zu packen.
Packen steht für mich als Aufbruch zu neuen Ufern. Und Ausbruch. Aus dem Alltag und all den Dingen, die man kennt. Denn so oft ich meinen riesigen Rucksack vom Schrank hole, so neu ist es doch jedes Mal.

Aber ich sitze nicht nur zwischen den Kleiderbergen, sondern zwischen tausend verschiedenen Empfindungen und Wahrnehmungen. Ich stelle mir so viele Fragen, beispielsweise, ob all meine Pläne finanziell möglich sein werden oder ich nicht doch am Ende unter der Brücke nächtigen muss? Ich frage mich, ob ich meinen Arbeitgebern gerecht werde beziehungsweise bleibe, wenn ich von zwei anderen Kontinenten aus schreibe. Mal schwitzend in einer Hängematte, mal frierend in einem Coffeeshop.

Und ich frage mich natürlich, wie es ist, den Anderen nach sechs Wochen wiederzusehen und ob dieses Kribbeln in der Magengrube die Schmetterlinge sind, die man sich immer so sehnlichst herbeiwünscht? Werden wir es schaffen, zum dritten Mal an einem Flughafen oder Bahnhof aneinander vorbeizulaufen?
Und werde ich jemals aufhören, sinnlose Fragen zu stellen, deren Antworten ich doch sowieso in naher Zukunft erfahren werde? (Nein, werde ich nicht.)

Außerdem, wo sich das Thema „Sitzen“ hier langsam als Hauptthema herauskristallisiert, sitze ich fast immer zwischen Fernweh und dem Bedürfnis, mich unter meiner Bettdecke zu verkriechen. So sehr sehne ich mich manchmal nach beidem, dass ich mich frage, ob ich zum Reisen überhaupt gemacht bin und wenn nein, bin ich dann dafür geeignet, seit fast sieben Jahre an einem Ort zu leben? Wenn ich ehrlich bin, zieht es mich an so viele andere Plätze. Nicht zum Reisen, sondern zum Leben. Und trotzdem stehe ich hier still, mache meine Entscheidungen von anderen Menschen abhängig und drehe mich im Kreis. Zumindest, was das Umziehen betrifft, denn mit einem vierten Umzug würde ich definitiv den Kreis der Innenstadt schließen. Wenigstens komme ich hier in München ein bisschen rum.

Nein, ich will nicht unfair klingen. Ich bin so unglaublich dankbar für die letzten 10 Wochen, für dieses Jahr 2014. Schon jetzt hat es das ganze letzte Jahr durch eine Bandbreite an Gefühlen und Chancen übertrumpft. Ich sollte mich kurz kneifen, einen Moment bitte…

…so. Ich glaube, ich werde mich jetzt ein bisschen ordnen. Das kann ich am besten, wenn ich unterwegs bin, denn da fange ich so richtig an zu philosophieren reflektieren. Und ich schreibe an diesem verdammten Roman weiter, in dessen Charaktere ich schon längst verliebt bin und sie mir fast ein bisschen leid tun, wenn ich mir vor Augen halte, was ich ihnen alles aufbürde. Aber schließlich will niemand darüber lesen, wie jemand 350 Seiten lang über eine Blumenwiese hüpft. Also, Drama, Drama, Drama.

Und wenn ich wiederkomme, dann ist alles immer noch beim Alten und gleichzeitig alles ganz neu. Wie eine alte Parkbank, die frisch gestrichen wurde, jedoch immer noch den gleichen Sitzkomfort bietet. Ja, so wird’s sein.
Es wird noch viel besser werden, dieses Jahr, ich möchte ab jetzt jeden Monat ein weiteres Sahnehäubchen drauf setzen, bis der ganze Turm umfällt und ich in einem riesigen Sahnebad sitze. Und mir die Finger abschlecke, weil’s einfach so verdammt gut ist. Könnt ihr das sehen? Also, ich kann es sogar schmecken.

Abschiedszeilen.
Abschiedszeilen.

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