#Kaffeesätze (10): Über den Post-Travel-Blues

Gina und ich sind beide grosse Fans von Kaffeedates mit Süßkram. Deswegen gibt es unsere #Kaffeesätze: Wenn eine von uns etwas beschäftigt und unbedingt über eine Angelegenheit ihren Senf dazu geben möchte, dann tut sie das. Die Andere zieht nach. Und trinkt dabei genüsslich einen Kaffee.

Wir sprechen uns weder ab, noch wissen wir, welches Thema auf uns zukommt. Das Resultat sollen zwei kleine Kolumnen sein, auf die sowohl Leser als auch wir selbst gespannt sind. Unter dem Hashtag könnt ihr uns finden und mit diskutieren.

Gina sagt:

Gina konnte den Pancakes in New York nicht widerstehen. Warum auch!
Gina konnte den Pancakes in New York nicht widerstehen. Warum auch!

 

Liebe Ani,

es gibt diesen einen Moment zu Beginn jeder Reise, kurz nachdem das Flugzeug abgehoben hat, nachdem die Häuser und Bäume vor dem Fenster immer kleiner geworden sind, an dem du dich in deinen Sitz fallen lässt, weil es außer weißen Wattewolken da draußen jetzt nichts mehr zu sehen gibt. Mit einem „Ding“ gehen die Anschnallzeichen aus und eine kleine Stimme flüstert dir in Gedanken zu: Es geht los. Jetzt.

Bizarr, nicht? Wie viel Zeit verbringen wir mit dem Planen unserer Reisen, wie lange sparen wir, träumen, zeichnen Routen nach auf Landkarten, während wie in Gedanken schon Richtung Meer brausen und der kalifornische Wind mit unseren Haaren spielt, wir uns auf dem Basar mit den Händlern streiten und nachts mit neuen alten Freunden aufs Leben anstoßen.

Das alles steht uns noch bevor, denken wir voll Vorfreude, da oben zwischen den Wolken.

In diesem Luftloch zwischen Alltagsgedöns und Abenteuer.

Das enge Netz aus Arbeit und Verantwortung, das sich um unsere Brust gespannt hat, löst sich langsam, während wir Filme gucken, lesen und uns ab und an jemand Essen vor die Nase stellt.

Auf unbekanntem Terrain stehen wir dann plötzlich mit wackeligen Beinen. Und obwohl wir das schon erlebt haben, viele Male vielleicht, bekommen wir wieder nicht mit wie eine unbekannte Macht den „Fast Forward“ Button drückt und die Zeit plötzlich schneller läuft. Wie die Häuser vor dem Taxifenster verschwimmen, wie die Abende unterwegs rückblickend zu einem langen Fest werden und jeder intensive Moment den nächsten jagt.

Und dann ist es Zeit für die Rückkehr (Und du stolperst, Jetlag geplagt und übernächtigt, weil dein Flug überbucht war und du stundenlang in Amsterdam fest saßt, in die Geburtstagsfeier deiner Mutter hinein, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag).

Die nächsten Tage bewegst du dich langsamer, irgendwie träge, als wärest du in einer Blase, durch die du das Leben nur als dumpfes Störgeräusch wahrnimmst. Das Handy blinkt. „Na, kommst du auch nicht so richtig an?“, fragt die Freundin, neben der man im Central Park eingeschneit ist und sich einen echten Venice Beach Sonnenbrand geholt hat.

14 Tage zurück und trotzdem mit dem Kopf noch irgendwie hängen geblieben. Da hilft nur eins: So schnell wie möglich wieder los.

 

Ani sagt:

Das Schöne am Heimkommen ist doch vor allem das Vertraute: Kaffee und Kuchen.
Das Schöne am Heimkommen ist doch vor allem das Vertraute: Kaffee und Kuchen.

 

Liebe Gina,

ich schätze, nicht umsonst heißt es doch, auch wenn mittlerweile schon fast etwas abgedroschen:
Vorfreude ist die schönste Freude. Denn ja, wir verbringen meist wirklich viel Zeit damit, eine Reise im Kopf zu spinnen, das Land auf der Karte abzustecken, den Road Trip vorzuzeichnen, auf verschiedenen Reiseblogs unser virtuelles Zelt aufzuschlagen, bevor wir sie wirklich antreten. Und dann? Dann geht auf einmal alles viel zu schnell.

Das Ende einer Reise. Selten wünsche ich mir so stark, ich könnte an der Zeit drehen, wie zu dem Zeitpunkt, wenn ich spüre, dass sie wirklich vorbei ist. Dafür muss es nicht mal besonders toll oder außergewöhnlich sein, doch einfach nur, weil ich unterwegs sein will, in Bewegung sein möchte, muss ich wieder losziehen.
Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht gerne zuhause bin. Ich glaube, dass für die meisten Reisewütigen es immer noch ein schöner Moment ist, nach Tuk-Tuk, Taxi, Flug, S-Bahn, U-Bahn und steifem Nacken in die heimischen und wohlriechenden Federn zu fallen.

Heimkommen ist ein kostbarer Teil des Weggehens – so geht es zumindest mir.

Doch sind ein paar Tage vergangen, habe ich meine Freunde besucht und mich ausführlich mit ihnen bequatscht, die Wäsche gewaschen und rutschen die Instagramfotos der bittersüßen Erinnerungen immer weiter nach hinten, zucken zumindest meine Finger schon wieder und ich fange an zu tippen, kann mich gar nicht wehren, und hach, ups, wie öffnete sich denn jetzt bitte Google Maps?

Der Post-Travel-Blues. Da hast du natürlich unter Reisebloggern ein wehmütiges Fässchen voller Sehnsucht geöffnet. Etwas, das wir alle kennen. Doch ganz ehrlich? Aus ihm schöpfe ich am meisten Kreativität – wie es halt so ist mit dem Herzschmerz. Wenn ich mich darin zerwühle, denke ich an zurückliegende Geschichten, an Sonne auf der Haut und ferne Gerüche in der Nase. Dann suhle ich mich ein paar Tage oder Wochen darin, koste den Blues aus und versuche, ihm etwas abzugewinnen, meist in Form von Geschriebenem. Bis die letzte Reise so weit zurückliegt, dass die nächste an der Tür klopft.

In 9 Tagen fliege ich los. Dann wird der Sand wieder überall sein, am Körper, im Buch, zwischen den Kissen. Etwas, das ich überhaupt nicht leiden kann. Genau das, was ich immer am meisten vermisse. Ich kann’s kaum erwarten.

 

P.S. Hier ein Song für deinen Blues. Wusstest du eigentlich, dass es bei Waltzing Matilda nicht um den Walzertanz mit einer gewissen Dame geht, sondern um die Walz an sich und dass Matilda die Bezeichnung für einen Beutel ist – mit allen überlebensnotwendigen Utensilien fürs australische Outback. 🙂

 

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