#Kaffeesätze (11): Das Ding mit der Ungeduld

 

Gina und ich sind beide grosse Fans von Kaffeedates mit Süßkram. Deswegen gibt es unsere #Kaffeesätze: Wenn eine von uns etwas beschäftigt und unbedingt über eine Angelegenheit ihren Senf dazu geben möchte, dann tut sie das. Die Andere zieht nach. Und trinkt dabei genüsslich einen Kaffee.

Wir sprechen uns weder ab, noch wissen wir, welches Thema auf uns zukommt. Das Resultat sollen zwei kleine Kolumnen sein, auf die sowohl Leser als auch wir selbst gespannt sind. Unter dem Hashtag könnt ihr uns finden und mit diskutieren.

 

Ani sagt:

Liebe Gina,

ich stehe in der Kloschlange meines eigenen Lebens. Ich muss mal, und zwar ganz dringend. Sorry, wenn ich hier so kryptisch-unhygienisch starte, aber seitdem ich dieses metaphorische Bild im Kopf habe, kann ich mich kaum noch davon trennen. Von vorne.

Vor zwei Wochen habe ich einen Strich unter meine Schauspielkarriere gesetzt (sorry, Mama, hab ich vergessen zu erzählen). Mit einer unspektakulären Unterschrift (meiner) ist nun alles vorbei. Naja, natürlich ist es nicht so dramatisch und es gibt ja immer dieses Zurück, aber ich habe beschlossen, dass es für mich endgültig ist, denn:

Ich mag nicht mehr in der Warteschlange zu stehen. Mein Glück von äußeren Umständen abhängig zu machen. Für jemanden, der immer alles kontrollieren will und dabei sämtliche Fäden in der Hand halten möchte schier unmöglich.

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Weißt du, was ich meine? Natürlich habe ich mein eigenes Leben weitestgehend selbst in der Hand. Aber manchmal dauern Dinge einfach länger, als ich Zeit dafür habe, oder sie erfüllen sich am Ende gar nicht. Das Stehen in der Schlange kann sich wirklich in die Länge ziehen und ich bin bestimmt nicht die Einzige, die sich oftmals fühlt, als seien immer nur die anderen an der Reihe.

Irgendjemand hat mal gesagt, dass für uns alle Platz sei. Aber stimmt das wirklich? Solange wir nicht selbst Angebot und Nachfrage bestimmen können, bin ich mir nicht sicher, ob wirklich Platz für alle ist. Denn die Sache ist doch die: Es gibt immer jemanden, der sich in der Schlange vordrängelt, es gibt immer jemanden, der bereits vor dir anstand und ich persönlich bin einfach zu gut erzogen worden, um unfair zu spielen: Ich stehe an dem Platz, den ich ergattern konnte, und versuche von hier an, das Beste daraus zu machen.

Doch Warten ist scheiße. Brauchen wir gar nicht drüber reden.

Ich kann überhaupt nicht warten. Vier Stunden Umsteigezeit am Flughafen nerven mich genauso wie der Ladebalken meiner Lieblingsserie. Deswegen fühle ich einen kleinen Anflug von Befreiung, jetzt, da der Brief abgeschickt ist und ich somit bewusst etwas entschieden habe.
Genau das möchte ich auch in allen anderen Bereichen meines Lebens wieder spüren. Ich trenne mich gerade, peu à peu, von den Dingen, die nicht passen und versuche die Ziele, die ich erreichen möchte, wirklich zu erreichen. Mehr kann ich nicht tun.

Und ich hoffe, dass ich mit diesem fair play in der Schlange vorwärts komme. Denn Ellenbogen mach ich nicht, Nachmachen ist unsexy (an alle Blogger, die immer denken, es würde nicht auffallen, wenn sie bei anderen abschreiben), Vordrängeln geht gar nicht.

Doch dann schiele ich zum immer freien Männerklo und frage mich unweigerlich: Geht’s bei denen immer noch schneller als bei uns?

 

Gina sagt:

Liebe Ani,

das Problem ist doch irgendwie Folgendes: Du stehst vor der Klotür und bist dir sicher, irgendwann komme ich an die Reihe. Es dauert vielleicht etwas länger, wenn sich jemand vordrängelt, aber irgendwann kommt man am Ziel an. Das Leben funktioniert leider nicht so. In der Warteschlange im Club des Lebens muss man sich ständig Gedanken machen, dass einen keiner aus der Reihe schubst oder man viel zu spät feststellt, dass man gar nicht für die Klos ansteht, sondern für die Garderobe – da bekommt man dann noch von einer grimmigen Dame seinen Mantel gereicht und kann nach Hause gehen. Vorhang zu, das wars dann wohl für dich. Vielen Dank fürs Mitspielen!

Zumindest ist es das, was mich an der Ungeduld so kribbelig macht. Dass wir eben nicht wissen, dass am Ende alles gut wird. Sich die harte Arbeit auszahlt. Die Träume wahr werden.

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Umgedreht erzählen sich solche Geschichten wunderbar – jahrelang Tellerwäscher und bei Nacht am Roman geschrieben, der dann tatsächlich zum Welterfolg wurde. Letztens, bei einer VOX Dokumentation, ging es darum, wie lange Andreas Bourani ackern musste bis seine Musik irgendwann entdeckt wurde. In einem Alter, wo es für viele schon wieder vorbei ist mit der Karriere.

Hätte ihm damals jemand auf die Schulter geklopft und zugeraunt: „Das wird schon. In ein paar Jahren lieferst du den Soundtrack zum WM-Sieg der Deutschen und dann ist alles vergessen.“ – dann hätte sich der arme Kerl bestimmt ein paar schlaflose Nächte sparen können und so manche Phase seines Lebens mehr genossen, die sonst vom Warten geprägt war und der Frage, ob man da wirklich aufs richtige Pferd setzt.

Es gibt keine Versprechen, keine Garantie, dass wir irgendwann bekommen, was wir wollen. Vielleicht dafür etwas anderes Großartiges, von dem wir nie wussten, dass es überhaupt in unseren Karten war.

Ein gewisses Maß an Ungeduld und Frustration kann auch Motor sein, weiterzumachen, sich nicht zufrieden zu geben. Und auch, wenn das kein Allheilmittel ist, wenn man wieder durch seinen Instagramfeed scrollt und jeder gerade irgendein Projekt am Start hat, einen neuen Job, eine spannende Reisen, so ist es doch ein tröstender Gedanke.

Vielleicht ist nicht das Warten am Ende des Tages das Problem, sondern das, was man daraus macht. Und aus all den kleinen Zwischenstationen zwischen den großen Wünschen. Denn wer weiß, dass manche Dinge Zeit brauchen, der weiß auch zu schätzen, wenn sie endlich passieren. Und das gilt für den aufgeladenen Ladebalken der Lieblingsshow genauso wie für die großen Ziele im Leben.

 

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