#Kaffeesätze (13): Von Träumen, die sich ändern.

Gina und ich sind beide große Fans von Kaffeedates. Deswegen gibt es unsere #Kaffeesätze. Wenn eine von uns etwas beschäftigt und ihren Senf dazu geben möchte, dann tut sie das. Die Andere zieht nach. Und trinkt dabei ihren Kaffee.

Wir sprechen uns weder ab, noch wissen wir, welches Thema auf uns zukommt. Das Resultat sollen zwei kleine Kolumnen sein, auf die sowohl Leser als auch wir selbst gespannt sind. Unter dem Hashtag könnt ihr uns finden und mitreden. Diesmal: Träume, die sich ändern.

 

Gina schreibt:

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Der neue Tisch musste gleich mit einem Kaffeefoto festgehalten werden. Ginas Freund macht jetzt übrigens Karriere als Handmodel. Super Tisch, super Foto!

 

Liebe Ani,

dies hätte eine Geschichte über das Scheitern sein können, denn tatsächlich plante ich dir diese Zeilen auf dem Postwege zukommen zu lassen. Von Hand geschrieben. Tinte auf schönem Briefpapier. Kaffeeflecken am linken Rand des Blattes.

Dann rannte mir die Zeit davon, vor allem wo ich ja weiß, dass du bald zu deinem nächsten großen Abenteuer aufbrichst. Ich musste mir dann eingestehen, so schnell fliegt keine Brieftaube mehr.

Als Resultat daraus hätten dies Kaffeesätze über das „Okay-finden“ werden können. Okay finden lernen, dass man manchmal an den eigenen Ambitionen zu Grunde geht. Dass man Unmögliches schafft, und dann am Alltäglichen versagt. Am Briefe schreiben. Am analogen Leben.

Tatsächlich entschied ich mich dann aber doch für ein ganz anderes Thema, das mindestens ebenso bedürftig in meiner Brust schlummert. Es soll um Träume gehen, und darum, dass sie sich manchmal verändern. Neue Formen annehmen.

Und wie schwer das fallen kann, sich einzugestehen, dass man mit dem Herz schon längst nicht mehr da ist, wo der Kopf sich immer noch fleißig zu beschäftigen weiß. Konkret soll das heißen: Hätte man mir vor einer Zeit erzählt, was mich in den vergangenen Monaten so einholen sollte, dann hätte ich ungläubig den Kopf geschüttelt. War nicht geplant, stand nicht im 5-Jahres-Plan.

Ob man ein Magazin gründet, ein Business aufbaut, sich gut damit fühlt, dann muss man sich dennoch irgendwann eingestehen: Neue Träume verpassen alten einen fetten Roundhouse Kick.

Und da sitzt man dann auf einmal, an einem regnerischen Nachmittag, und kann nicht recht loslassen vom: „Aber ich wollte doch immer!“ Und das Ziehen in der Magengegend verrät leise: Vielleicht auch nicht mehr…

Am Ende ist das ja auch sehr spannend, das Unsichere, die Überraschungen. Wer weiß schon, welcher Mensch ich in ein paar Monaten bin oder ein paar Jahren? Vielleicht bin ich dann felsenfest in meinen Überzeugungen. Vielleicht aber weiß ich dann wirklich nur noch, dass ich nichts weiß.

Und trotzdem hätte ich manchmal gerne jemanden, der mir die metaphorische Schulter klopft und glaubhaft versichern kann, dass ich nicht einfach nur willkürlich von Punkt zu Punkt treibe, sondern irgendwann ankomme. Dass sich die Punkte rückblickend zu einem zauberhaften Bild zusammenfügen.

Dass dann eben nicht nur ein Groschen fällt, sondern ein ganzes Sparschwein krachend auf dem Boden zerbirst. Eine tosender Moment der Erkenntnis, liebe Ani, ich warte sehnlichst auf den Aha-Moment.

 


 

Ani schreibt:

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Sonntags: Durchatmen, Kaffee trinken und endlich im ersten Printmagazin von ‚The Fernweh Collective‘ blättern.

 

Liebe Gina,

also, den Brief hätte ich ja wirklich gerne bekommen (no pressure). Aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass das „Scheitern am Alltag, das Scheitern am analogen Leben“ mir unbekannt wäre. Als ich nämlich neulich festgestellt hatte, dass mein Facebook-Profil stilsicherer als meine Wohnung war und der Instagram-Kanal regelmäßig bespielt wurde, schaute ich mich um und vor allem an mir herunter: Im Schlafanzug zur Mittagszeit vor dem Laptop sitzend, keine Ahnung, woher ich nun was zu essen zaubern sollte, denn der Kühlschrank war leer und die Staubwolken in meiner Wohnung wurden überdimensional groß. Doch das ist eine andere Geschichte.

Träume. Schönes Thema und gleichzeitig schöne Frage, denn meist setzen wir doch hinter ihnen stets ein Fragezeichen. Selbst in Gedanken geht am Ende des Wortes meine Stimme nach oben. Träume? Kenne ich. Habe und hatte ich.

Und ja, viele von ihnen sind zerplatzt, sind verblasst oder ineinander übergangen. Ein Einziger jedoch hat überlebt: Vom Schreiben leben, sich von der eigenen Kunst ernähren können.

Ich glaube, auch wenn ich nicht alle Ereignisse in deinem Leben zeitgleich und hautnah miterlebe, dass wir beide oft genug an ähnlichen Punkten im Leben stehen, um uns zumindest virtuell zuzuzwinkern. Deswegen zwinkere ich dir jetzt mal zu und sage: Gina, du hast ein Magazin herausgebracht! Ich, die vor anderthalb Jahren ohne Erfahrung eins übernommen hat, kann ganz gut nachvollziehen, wie sich das anfühlt, wie glücklich und gleichzeitig ängstlich das machen kann. Sicherlich auch unsere Printkollegin und Freundin im Herzen, Elisaveta, deren erste Printausgabe auf dem Foto abgebildet ist.

Wenn sich Träume verwirklichen lassen – selbst die, an die man gar nicht dachte, die erst zu Träumen wurden, als sie plötzlich real waren – müssen oftmals andere Dinge weichen. Sicherheitsdenken, To-Do-Listen, Finanzpläne. Wozu ein Haus bauen, wenn auf der ersten Seite des Werkes der eigene Name steht?

Überraschungen sind großartig. Unvorhergesehenes ist wichtig. Dieses 2016, das eigentlich gerade noch Laufen lernt, hatte es bisher schon so in sich für mich persönlich, dass ich kaum hinterherkomme, alles zu verarbeiten. In diesen letzten sieben Wochen sind Dinge passiert, die cool waren und manche, die uncool waren, doch wenn ich eine Nacht darüber geschlafen habe, dann machte plötzlich immer alles Sinn. Das Bild fügte sich und das Entlanghangeln von Punkt zu Punkt verschwand schließlich. So in etwa wie bei Malen nach Zahlen. Und ich glaube ganz fest an eine Sache, genau jetzt, weil ich noch nie so glücklich und erfolgreich war, wie in diesem Jahr:
Der Aha-Moment, der kommt immer. Aber es wäre kein Aha-Moment, wenn du wüsstest, wann.

 

(alle Kaffeesätze gibt es hier zum Nachlesen)

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