#Kaffeesätze (6): Vom Zusammenziehen

[Gina und ich sind beide große Fans von Kaffeekränzchen mit Sojamilch und Schoki. Deswegen gibt es ab jetzt unsere #Kaffeesätze: Wenn eine von uns etwas beschäftigt und unbedingt über eine Angelegenheit ihren Senf dazu geben möchte, dann tut sie das. Die Andere zieht nach, ob sie will oder nicht. Und trinkt dabei genüsslich ein Käffchen. Wir sprechen uns weder ab, noch wissen wir, welches Thema auf uns zukommt. Das Resultat sollen zwei kleine Kolumnen sein, auf die sowohl Leser als auch wir selbst gespannt sind. Unter dem Hashtag könnt ihr uns finden und mit diskutieren.]

 

Frisch eingezogen wirkt das laut Gina improvisierte Wohnzimmer für mich urgemütlich!
Frisch eingezogen wirkt das laut Gina improvisierte Wohnzimmer auf mich urgemütlich!

 

Gina erzählt:

Liebe Ani, kennst du eigentlich die RTL-Serie „Unsere erste gemeinsame Wohnung“? Die haben sie irgendwo ins Vormittagsprogramm geschoben, weil sie keiner ansieht, und ich auch erst vor ein paar Wochen das erste Mal, zu Recherchezwecken sozusagen. Denn mein Freund und ich haben entschlossen, den Schritt zu wagen, von der Fernbeziehung gleich rein in die Pärchenbehausung. Jeder packte seine sieben Sachen, wir machten vierzehn draus, und verteilten die dann schön adrett wieder in unserer neuen 60 Quadratmeterbehausung in der Kölner Südstadt. Wir teilen uns Bett und Küchentisch, und wenn wir uns mal in die Haare bekommen, dann können wir nicht mehr in den eigenen vier Wänden wieder auf Normaltemperatur herunter kühlen. Nein, wir müssen, egal wie widerlich das klingt, einen Kompromiss schließen.

Wir sind jetzt nämlich so ein Pärchen. Wir reden über den besten Stromtarif und ob das jetzt ökonomischer ist einmal die Woche groß einzukaufen oder jeden Tag ein bisschen, und streiten uns im Ikea ob denn jetzt der 40 Euro Weidenwäschekorb oder das 3,95 Plastikprovisorium mit nach Hause kommt. Ich muss damit klarkommen, dass ein hochmoderner PC-Tower in meinen flohmarktdekorierten Vintagetraum eines Wohnzimmers einzieht. „Storm Trooper“ nenne ich ihn mittlerweile mehr oder weniger liebevoll, erstens weil er aussieht wie einer dieser Star Wars Krieger und zweitens, weil er für mich definitiv die dunkle Seite der Macht darstellt. Dafür muss mein Freund damit leben, dass derzeit alle dekorativen Gegenstände, die ich einkaufe, türkis sind. Ha!

Aber jetzt mal ernsthaft: Ich frage mich, was das machen wird mit unserer Beziehung. 24 Stunden beieinander, miteinander, manchmal gegeneinander leben. Meistens kommen die Gedanken nachts, wenn er schläft, und ich die Haare zähle, die ihm wild und verstrubbelt vom Kopf abstehen. Denn trotz manchen Meinungsverschiedenheiten war unser mittlerweile 21-tägiges Zusammenleben vor allem eins: Erschreckend harmonisch. Und: Wo ich bisher das Alleinsein so sehr liebte, hab ich nun schon ein Loch im Bauch, wenn der Freund mal für ein Wochenende für die Arbeit weg ist. Ich balanciere auf dem Drahtseil irgendwo zwischen Ich und Wir, zwischen alten Gewohnheiten und neuen Routinen, Rücksichtnahme und Platzschaffen für sich und für den anderen.

Während ich hier so sitze, kommt er in die Küche, nur um mal nachzusehen, wie es so geht. Ich sage: „Ich schreibe grad über dich.“ Er fragt: „Eine Kolumne über das Zusammenleben mit einem Verrückten?“ Ja, so ungefähr.

 

Ani erzählt:

Frisch gebrühter Kaffee in einem "la dolce vita"-Glas - was will man am Morgen mehr?
Frisch gebrühter Kaffee in einem „la dolce vita“-Glas – was will man am Morgen mehr?

 

Liebe Gina, ich kann mich an diese Sendung sehr gut erinnern, weil ich sie früher regelmäßig geschaut und mir dabei meine Zukunft – genauso wie du – türkisfarben angestrichen habe. Den Mann, der das stillschweigend hinnehmen werden würde, gab es in meiner Fantasie obendrauf.

Zum Thema Zusammenziehen könnte ich einen ganzen Roman schreiben und ich möchte etwas ausholen. Als ich vor acht Jahren nach München gekommen bin, bin ich gemeinsam mit meinem damaligen Freund und meiner besten Freundin in eine Dreizimmerwohnung gezogen. Später stellte sich heraus, dass das nicht sehr klug gewesen war, denn erst war die Freundin weg und zwei Jahre später der Freund. Manch einer mag sich nun fragen, ob ich vielleicht doch unsympathischer bin, als ich bisher vielleicht gewirkt habe, aber es hat von allen Seiten grundsätzlich nicht gepasst. Die Freundin schlief gerne mal bis Mittags, während mein Freund um neun Uhr den Staubsauger anschmiss und die Beziehung scheiterte letztendlich, weil sie eben zum Scheitern verurteilt war.
Doch genau das leitet mich dazu über, warum ich einige Jahre später den Schritt erneut wagte, mit meinem Partner zusammenzuziehen – von der Ein-Zimmer-Partywohnung im allerschönsten und mit kleinen Alleen gesäumten Straßen im Kneipenviertel, rein in die letzte Querstraße vor Schwabing (das ist ein äußerst wichtiger Punkt) und dabei schnell wieder erwachsen werden auf 75 Quadratmeter Lieben, Zanken, inkl. Co-Working-Space:

Das Zusammenleben mit dem Freund, deiner doch eigentlich besseren Hälfte, ist gar nicht so kompliziert und schwierig und muss auch nicht monatelang überdacht werden. Die „was wäre, wenn“-Frage darf an dieser Stelle mit dem Biomüll zur Tür gebracht werden. Denn eine Sache wurde mir ganz bewusst: Ich kann mit ihm viel besser über einen dreckigen Boden streiten als mit meiner Freundin. Weil ich sowieso ständig an ihm herummeckere, da passt das doch wunderbar zusammen.

Ich finde die Eindrücke aus eurem blutjungen Zusammenleben wunderbar normal, allerdings glaube ich, dass du dich mit der dunklen Macht anfreunden musst, denn die wird anscheinend noch etwas länger bleiben. Ansonsten gibt es immer die Möglichkeit, dass Dinge auf ganz merkwürdige Weise verschwinden. Nach dem Socken-in-der-Waschmaschine-Prinzip. Und eben alles, was frau nicht beliebt.

 

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