#Kaffeesätze (16): Diese schlechten Nachrichten – hang in there, baby!

Gina und ich sind beide große Fans von Kaffeedates. Deswegen gibt es unsere Kaffeesätze. Wenn eine von uns etwas beschäftigt und ihren Senf dazu geben möchte, dann tut sie das. Die Andere zieht nach. Und trinkt dabei ihren Kaffee.

Wir sprechen uns weder ab, noch wissen wir, welches Thema auf uns zukommt. Das Resultat sollen zwei kleine Kolumnen sein, auf die sowohl Leser als auch wir selbst gespannt sind. Unter dem Hashtag kann uns jeder finden und mitdiskutieren. Diesmal: von schlechten Nachrichten.


Liebe Gina,

selten habe ich mich so harmoniebedürftig gefühlt wie dieser Tage. Das liegt an vielem, angefangen beim aktuellen Weltgeschehen, aber auch, weil ich das Gefühl habe, dass egal, mit wem ich mich unterhalte, es jedem Menschen nicht besonders gut geht. Überall zwickt es und das allgemeine Grundseufzen auf den Winterblues zu schieben, weil der gesamte Januar sich in der Antarktis verlaufen hatte, geht langsam auch nicht mehr.

Verstehe mich nicht falsch. Ich rede gerne, ich helfe gerne, ich wälze gerne nächtelang Probleme (aber bitte mit Wein) und mache am nächsten Tag dort weiter, wo eine gute Freundin und ich aufgehört haben (aber bitte mit Kuchen). Doch gerade an diesem Sonntag, an dem ich das hier sehr langsam tippe, fühle ich vor allem einen Zustand in mir hochsteigen: Müdigkeit. Ich bin ausgelaugt. Und kurz davor, heute zum Schweigen über zu gehen, nur, um mal auszuprobieren, ob uns das nicht ab und an weiterbringt, anstelle die schlechten Nachrichten zu konsumieren und weiterzugeben.

Und es gab so viele schlechte Nachrichten in den letzten Wochen.

Gina, was machst du, wenn du nur die Decke über den Kopf ziehen möchtest? Welche Ruheoasen baust du dir, was brauchst du, um gut durch einen Tag zu kommen?
Ich habe für mich gerade beschlossen, dass ich vor allem gute Neuigkeiten weitertragen möchte. Positive Gedankenanstöße. Inspiration, die meinen Weg kreuzt. Lauter lachen und öfter mal den Arm um jemanden legen.

Und weißt du, was mir manchmal besonders hilft? Backen. Seit Jahren schon – und dabei bin ich nicht mal besonders gut darin. Als mich eine Freundin mal fragte, wie es mir gehe und ich nur antwortete „ich backe“, schrieb sie zurück: „Oh oh.“
Vielleicht liegt es daran, dass sich mein Beruf im Kopf (und Herzen) abspielt, ich aber gar nichts mit meinen Händen mache, außer Tippen, aber dieser Bewegungsradius zählt nicht. Etwas Körperliches, mit Hingabe und Leidenschaft. Ein Endprodukt, das man anfassen und sogar aufessen kann.

Wenn ich einen blöden Tag hatte, öffne ich manchmal alle Küchenschränke und schaue, was sich aus den Vorräten machen lässt. Meist läuft, um das ganzheitliche Wohlbefinden anzukurbeln, eine Folge Gilmore Girls nebenbei (denn ganz ehrlich, wer sollte an deiner Seite in der Küche stehen, wenn nicht Zookie, die hinter Zuckerbergen verschwindet und Lorelai, die sich Kaffee nachschenkt als sei es Wasser?).

Deshalb habe ich nun eine gute Nachricht für dich! Ich teile ein ganz einfaches Rezept mit dir. Lass uns die schlechten Dinge für heute einfach vergessen. Oder symbolisch einfach aufessen.

Easy Peasy Schokotarte

Du brauchst:

  • 100 Gramm Butter
  • 200 Gramm dunkle Schokolade (am besten dunkle Fairtrade mit hohem Kakao-Anteil)
  •      3 Eier
  • 150 Gramm Zucker
  •      2 EL Mehl

Du machst:

Zuerst die Eier trennen. Dann die Schokolade im Topf schmelzen und sie kurz abkühlen lassen. Danach schlägst du das Eiweiß steif und stellst es ebenfalls beiseite. Zurück zur Schokolade: Diese verrührst du nun mit den restlichen Zutaten. Am Ende gibst du den Eischnee dazu. Den Teig Abmarsch in eine gefettete Tarteform (oder was sich anbietet) und bei 170 Grad Ober-/Unterhitze 30-40 Minuten backen – et voilà!

Lass sie dir schmecken. Und lass es dir gutgehen!

Ani


Liebste Ani,

nun kam es ja bereits des Öfteren vor, dass in den Postkasten eintrudelnde Kaffeesätze mehr als nur den Nagel auf den sprichwörtlichen Kopf trafen, und so auch dieses Mal. Du darfst dir gerne vorstellen, wie ich die folgenden Worte also immer zwischen zwei Bissen Schokotarte hervorbringe. Mit Verlaub, du bist eine ganz hervorragende Bäckerin!

Tatsächlich verbrachte ich den gestrigen Tag zu weiten Teilen im Bett und zählte die Dellen auf der Raufasertapete. Irgendwie war die Welt da draußen so grau, leichter Kopfschmerz wurde zu ausgewachsenem Weltschmerz, Harmonie wich an mancher Stelle Drama, das ich wenig gebrauchten konnte, und meine Tage hab ich auch noch. Alles doof irgendwie.

Erschreckend zudem, wie routinemäßig man alle paar Minuten zum Handy greift, um die Sozialen Netzwerke durchzuchecken – obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, für 24 Stunden davon fern zu bleiben. Denn da scheint es derzeit nur wenig Abwechslung zu geben: Drei Artikel über die schlimme Lage der Welt, dazwischen ein Bild von Humans of New York mit einer Geschichte, die mir das Herz bricht – garniert mit Fotos und Statusupdates von Leuten, die ihr Leben offensichtlich viel besser im Griff haben als ich. Schlechte Laune vorprogrammiert. Dann also Netflix, da bestimme ich das Programm – aber wer kann sich schon guten Gewissens mit Friends betäuben angesichts der Lage der Welt? Und wie soll ich ein Buch lesen, bei all den Gedanken, die sekündlich durch den Kopf rasen?

Du fragst mich nach einem Tipp gegen den Winterblues gemischt mit Weltschmerz und ein wenig Selbstmitleid? Hang in there, baby! Wintertage werden Frühlingstage.

Mein Allheilmittel ist Musik, kleine feine Songs, deren Zeilen nur so bersten vor Wahrheiten. Ein Spaziergang irgendwo am Wasser, wenn der Wind einem eiskalt um die Ohren pfeift, die Nase läuft, vielleicht mit einem Lieblingsmenschen an der Seite. Und ja, ein Fernsehmarathon mit den Gilmore Girls, weil das ein bisschen so ist wie nach Hause kommen und ich das Gefühl von Geborgenheit an Tagen wie diesen sehr gut gebrauchen kann.

Backen kann ich ja tatsächlich nur so mittelgut, auch wenn es schon mal vorgekommen sein soll, dass man mich dabei ertappt hat. Seit ein paar Tagen hängt ein Rezept für Apfelkuchen an meinem Kühlschrank, der bei meiner Freundin immer ganz himmlisch schmeckt. Vielleicht wage ich mich da mal ran, wenn die Februarmelancholie wieder Wellen schlägt.

In diesem Sinne – auf das Schweigen, das Reden und die schönen Dinge finden in all dem Gefühlschaos, das uns an manchen Tagen begleitet! Ich hab mir gedacht, ich stelle eine Mini-Playlist zusammen mit derzeitigen Lieblingsliedern, vielleicht gibt’s den ein oder anderen Leser da draußen, der beim Nachbacken deiner Schokotarte noch ein bisschen passende Musik im Hintergrund vertragen könnte.

Von Herzen,
Gina

Ginas Playlist – Hang in there, baby!

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