#Kaffeesätze (2): Fernbeziehung

Gina und ich sind beide große Fans von Kaffeedates mit Süßkam. Deswegen gibt es unsere #Kaffeesätze. Wenn eine von uns etwas beschäftigt und ihren Senf dazu geben möchte, dann tut sie das. Die Andere zieht nach. Und trinkt dabei genüßlich einen Kaffee.

Wir sprechen uns weder ab, noch wissen wir, welches Thema auf uns zukommt. Das Resultat sollen zwei kleine Kolumnen sein, auf die sowohl Leser als auch wir selbst gespannt sind. Unter dem Hashtag könnt ihr uns finden und mitreden. Diesmal: Fernbeziehung.

Kaffeesätze #2: Fernbeziehung

Gina erzählt:

Foto von Gina: Das typische Frühstück in Italien.
Foto von Gina: Das typische Frühstück in Italien.

Ein gehauchter Kuss, ein letzter Blick, dann ertönt der „Aufgelegt“-Sound von Skype und weg ist er. Ich sitze noch ein Weilchen da, starre auf den Bildschirm und spüre das unangenehme Gefühl, das sich in der Magengegend breit macht und mir für ein paar Minuten die Luft nimmt. Ich weiß, wenn ich nur ganz still  versuche dazusitzen, geht es gleich vorbei. Das tut es jedes Mal.

Man könnte denken, Fernbeziehungen seien das Epitom der Generation „Maybe“, die (wie so häufig von Journalisten beklagt) egoistisch eigene Ziele verfolgt und dabei aus lauter Angst sich zu früh auf irgendetwas festzulegen Zwischenmenschliches ganz weit hinten anstellt. Schließlich gehören das Auslandssemester oder Praktikum in Übersee auf den Lebenslauf – wie sonst soll der zukünftige Chef erkennen, dass man auch interkulturell so richtig was drauf hat und fünf Sprachen fließend spricht? Tatsächlich ist es aber oft das Reisen selbst, das uns antreibt und die Chance, vielleicht ein letztes Mal auszubrechen, bevor Alltags- und Jobroutinen uns für immer verschlucken. Und weil die Liebe zur Ferne bei vielen so groß ist, muss die andere Liebe dann eben vorübergehend einen Platz auf der Rückbank einnehmen.

Dass es weh tut, wenn der oder die Weitgereiste bei ellenlangen Skypesessions durchblicken lässt, dass die Aufregung des Neuen das Vermissen die meiste Zeit überschattet, steht außer Frage. Auch, dass Beziehungen kaputt gehen können an der räumlichen Trennung, weil der eine mit dem Kopf schon längst woanders ist oder irgendwann einfach die Worte fehlen.

Dennoch: „Wenn man etwas liebt, muss man es gehen lassen“ – oder wie heißt dieser kitschige Spruch noch gleich? Am Ende enthält er viel Wahres. Denn eine Fernbeziehung ist auch eine Chance auf Wachstum. Weil man merkt, was man aneinander hat. Weil man nochmal so richtig zum Reden kommt und schmutziges Geschirr auf der Spüle außerhalb des Alltags plötzlich keine Rolle mehr spielt. Das Loch im Bauch wird in Kauf genommen, weil man irgendwie weiß, dass es all das wert gewesen sein wird, wenn man nach Monaten wieder am Flughafen steht – mit glänzenden Augen und tausend kleinen und großen Geschichten im Gepäck.

Ani erzählt:

Raststätte. Irgendwo zwischen Berlin und Würzburg.
Raststätte. Irgendwo zwischen Berlin und Würzburg.

Ich sitze an einer Raststätte und frage mich, ob es einen Ort gibt, an dem man sich verlorener vorkommen kann. Bin irgendwo im Nirgendwo. Und das ehrlich gesagt nicht nur an diesem Ort.

Fernbeziehung, das ist ein Begriff, bei dem die meisten zusammenzucken. Ich selbst bin unfreiwilliger Wiederholungstäter, sprich zum zweiten Mal in einer. Es ist sicherlich mein Vergangenheits-Päckchen, zugeschnürt bis oben hin mit negativen Erfahrungen, welches es mir am Anfang der jetzigen räumlichen Trennung so schwer gemacht hat, das Ganze zu akzeptieren. Erneut.

Meinen Freund und mich trennen zehntausend Kilometer. Ja, wenn man sich die Zahl anschaut, fühlt es sich wirklich so an, als würde sie mit dem Knüppel ausholen und einen erschlagen. In dem Fall mich. Denn wenn ich mir masochistischer Weise ab und an vor Augen halte, dass wir uns auf verschiedenen Kontinenten in verschiedenen Zeitzonen befinden, zieht sich in meiner Brust – eventuell mein Herz – etwas ganz stark zusammen. Wenn ich den Gedanken allerdings nur ein bisschen loslassen kann und feststelle, dass er meist nur einen Klick weit entfernt ist, kann ich mich entspannen. Und dem Fortschritt der Technik meinen aufrichtigen Dank erweisen.

Es ist kein Spaß, das ist klar. Aber man kann etwas Schönes aus etwas anfangs Hässlichem zaubern. Beispielsweise, wenn man bereit ist, sich neu kennenzulernen. Die eigenen Grenzen erforschen und schauen, was geht, wenn man auf sich alleine gestellt ist. Ab und an mal wieder eine Entscheidung trifft nur für sich. Und wenn man am Ende feststellt, dass man es schafft, irgendwie eine Balance zu halten, irgendwie sein Plätzchen in diesem beschissenen Gefühlschaos zu finden, dann fühlt sich das an, als hätte man Goliath bezwungen anstatt ihm nur ans Bein zu pinkeln.

Und du hast Recht, liebe Gina, jemanden festzuhalten, jemanden an seinen  Träumen zu hindern, ist schlichtweg falsch. Keine Liebe, irgendwas anderes.

Ich persönlich möchte an dieser Stelle sagen, weil ich erst gestern mit einem Bloggerkollegen darüber geredet habe, wie schwer es ist, sich selbst zu loben und Lob von außen anzunehmen: Ja, ich habe in den letzten Wochen einen verdammt guten Job gemacht.

 

4 comments

  • Schau mal was ich gefunden habe. Bin schon länger eine stille mitleserin deines Blogs … vielleicht interessiert dich das ja 🙂
    https://www.agla-medien.de/index.php/alltaeglich/article/9-nicht-kategorisiert/105-bloggergewinnspiele

    • Liebe Mary,

      vielen Dank!
      ich bin allerdings für zwei Monate in Süd- und Nordamerika und komme erst Mitte Mai zurück. Aber sehr lieb von dir. Bewirb dich selbst, Monaco ist super 🙂

  • Liebe Ani,

    du hast absolut Recht, wenn du sagst, dass man daran wachsen kann. Letztenendes sind es doch meistens Herausforderungen, die einen stärker machen und zwei Menschen zusammenschweißen.
    5 Jahre Ferne und viele verschiedene Orte in 8 Jahren Beziehung haben bei meinem Freund und mir ein-zwei mal beinahe das Aus bedeutet und immer hat es sich gelohnt zu kämpfen. Mittlerweile wohnen wir seit zwei Monaten zusammen und lernen nun, obwohl wir uns so gut kennen, jeden Tag neue fantastische Facetten voneinander kennen.

    Verliere nicht den Mut, du machst das toll und es wird euch stärker machen!

    P.S.: ich liebe deinen Blog. Ich persönlich finde, es ist der beste der in der Blogwelt so herumschwirrt.

    • Christina,

      wow, ich bin erstmal geplättet von deinem letzten Satz. Ich glaube, den drucke ich mir aus und schaue drauf, wenn ich mal wieder an mir zweifele. VIELEN DANK!
      Ich schaue mir gleich mal deine HP an.

      Und ebenfalls vielen Dank für deinen wundervollen Kommentar. Das macht wirklich Mut zu lesen und auch glücklich. Ich schaue oft in Augen, die sagen, „was, wie habt ihr das bloß geschafft? Für mich wäre das nichts!“, aber dieses „für mich wäre das nichts“ bedeutet augenblicklich ein Nein an die Beziehung. Und das ist doch sehr drastisch.

      Alles Liebe!
      Anika

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