„Und dann, wie aus dem Nichts“ – Gastbeitrag von Julia-Maria

Hallo zusammen, mein Name ist Julia-Maria. Ganz nach den Worten von Anika: Eigentlich bin ich Schauspielerin. 24 Jahre alt und zur Zeit wohnhaft in Köln. Neu ist das hier allemal für mich, nicht das Schreiben, aber das Veröffentlichen meiner zu Papier gebrachten Welt. Nach einem langen „Ne, also das ist ja alles ganz schön und so, aber will das wirklich jemand lesen?“, danke ich Anika von ganzem Herzen, mich darin ermutigt zu haben, nicht zu zweifeln und den nächsten Schritt zu wagen: Sich zu trauen, furchtlos zu teilen, komme was wolle, denn dann leben wir. Oder wie es Henry Miller so schön schrieb: „Mein einziges Ziel beim Schreiben war, die Wahrheit zu sagen, so wie ich sie kannte.“

Liebe Anika, vielen Dank, für diese Möglichkeit und dass du mich teilhaben lässt an deiner wunderbaren Welt!


„Und dann, wie aus dem Nichts und scheinbar doch so vorherbestimmt, war er da!“

Ein Schritt vor, zwei zurück.

Ein Moment des Einbruches, des scheinbar unaufhaltsamen Niederganges des soeben erworbenen Schatzes. Wir alle kennen jene Momente.
Doch dann erscheint aus dem Winkel der Einsamkeit und der Peinigung ein kleiner Sonnenstrahl, der uns daran erinnert, wofür wir mal gekämpft.

Negatives mag sich immer schneller finden als Positives, doch erkennt man erst einmal die Kraft, dich sich hinter jenem Sonnenblitz verbirgt, dann kann man doch im Grunde nicht anders, als das Kopfkissen in eine Ecke des Zimmers zu werfen und sich auf den Weg zu machen.

Man wartet und wartet. Man sucht und sucht. Wie findet man die Liebe? Trifft man jemanden auf einer Party, in einer Bar? Beim Einkaufen oder in der Bahn? Und dann diese Grenzen. Diese Grenzen, die einen davon abhalten einfach mal jemanden anzusprechen, den man interessant findet. Warum? Weil wir Angst haben, etwas zu riskieren, Angst haben abgewiesen zu werden? Da Selbstzweifel in jenem Moment zum Gefährten werden?

julia1Aber geht es in der Liebe nicht genau darum? Dass man im eigenen Herzen glücklich ist, den Anderen lieben kann, aber nicht brauchen. Dass, egal welche Abfuhr oder Verneinung man bekommt, es nicht persönlich mit einem zu tun hat. Wir Menschen fühlen nun mal, sei es Zuneigung oder Abneigung. Und mal ehrlich, jeder von uns hat doch schon mal jemanden abgewiesen, ohne versucht zu haben, das Geheimnis des -oder derjenigen zu erkunden.

Als ich dieses Jahr spontan für einen Job die Koffer packte und im Süden Spaniens ankam, fühlte ich mich so gar nicht mehr als Frau. Zugemüllt von irgendwelchen Idealbildern, die ich versuchte zu sein, sei es vom Aussehen her oder der Einstellung, war das Selbstwertgefühl alles andere als liebevoll. Äußerlichkeiten, die wichtig schienen, Vergleiche, die einen unbedeutender machten, die Sehnsucht im Herzen, Schwermut, unwissend aus welchen Ursprung sie entstanden, und der unaufhörliche Wunsch nach Liebe.

Wir alle kennen diese Sprüche: „Versuche nicht, die Liebe zu finden, denn sie findet dich.“ „Man muss sich zuerst selbst lieben, bevor man jemand anderen lieben kann“, „Dann, wenn du am Wenigsten damit rechnest, passiert es!“
Einer der schönsten Dinge, die mal jemand zu mir sagte, war: „Halte die Augen offen, er ist schon auf dem Weg zu dir!“

So schön diese Worte auch klingen mögen, so schmerzvoll können sie auch sein, in Zeiten, in denen uns jegliche Zuversicht verlassen hat, in Zeiten, in denen man glaubte, dass die Liebe einen einfach ignorieren würde, schien sie doch bei allen Menschen um einen herum stetig anzuklopfen.

Ich habe Momente erlebt, in denen gerade Verlassenen erzählt wurde, es gäbe ja noch „andere Fische im Teich“. Wie unglaublich unsensibel, dachte ich in diesem Moment. Natürlich gibt es die, aber ganz ehrlich, will man so etwas denn hören, wenn man im tiefsten Innern leidet, weil man jemanden verloren hat, den man bedingungslos liebte? Wäre ich in diesem Moment diejenige gewesen, ich wäre zu tiefst verletzt gewesen.

julia2Seit Spanien bin ich allerdings von einer Sache überzeugt:  Es trifft wirklich immer dann zu, wenn man am Wenigsten damit rechnet. Immer dann, wenn man meistens keine Zeit dafür hat oder wenn es unpassend ist, dann wenn man gerade glaubt, sein Leben wieder geordnet zu bekommen, bis einen der Schlag trifft und nichts mehr so sein wird wie zuvor.

Don´t expect, simply be!“, meinte meine liebe spanische Freundin. Leichter gesagt, als getan, denn es ist ungefähr die gleiche Hilflosigkeit, nicht an den rosa Elefanten zu denken.

Dennoch versuchte ich es, dennoch gab ich mir Zeit, dennoch lies ich los.
Und dann, wie aus dem Nichts und scheinbar doch so vorherbestimmt, war er da. Plötzlich, da stand er vor mir und jene schmerzvolle Sehnsucht verwandelte sich in zauberhafte Magie, denn ich glaubte etwas gefunden zu haben, das ich so lange schon vermisste.

Seine tiefen blauen Augen, so unendlich, so klar. Braune Fäden, die am Rande seiner Pupillen rangen und sich wie Feuerwerk um die zwei schwarzen Tiefen wanden. Seine Haut braungebrannt, dunkle Locken, die sich um seine Ohren kringelten, ein orangefarbenes Leinenhemd, das über seiner kurzen schwarze Hose lag, die mit Hilfe eines Schnürsenkels auf seiner Hüfte Halt fand und ausgelatschte Turnschuhe, die seine Füße umwarben.

„Hey you!“, waren seine ersten Worte.
„Hey!“, erwiderte ich.
Da standen wir also, sahen uns an, ohne viele Worte und wir lächelten.

Es gibt Menschen, die trifft man. Einfach so. Manchmal vielleicht durch gegebene Umstände. Natürlich führt uns das eine oder andere zu diesem Menschen. Das Kennenlernen ist im Grunde nur ein Wiedersehen, denn am Ende merken wir, dass wir uns noch nie fremd waren.

julia3Dieses unglaubliche Gefühl überkam mich, als es längst vergessen ward. All die Zeit habe ich geglaubt, ich müsse irgendwohin gehören, ich müsse dies oder jenes sein oder erreicht haben, um überhaupt etwas zu bedeuten, um überhaupt zu SEIN. In jenem Moment, in dem man im Herzen ankommt, in jenem Moment, in dem jegliche Angst schwindet, jeglicher Zweifel überflüssig wird und sei es eben nur für diesen einen Moment, ja, in jenem Moment habe ich erkannt, dass ich nirgendwohin gehören muss, niemand sein muss, denn alle wollen automatisch zu mir gehören, denn Ich Bin schon längst.

„Siehst du dich selbst, dann sieht dich die Welt!“ und es gibt nichts, das dir etwas anhaben kann. Wir sind der Architekt unseres Lebens und ja, wir mögen viele Sichtweisen auf dies oder jenes haben, eine Meinung zu ihm und ihr, Ansichten, Urteile, Fragen, doch das sollte uns im Entwerfen und Erbauen wirklich nicht behindern! Nach der Wahrheit des Lebens suchen wir doch alle irgendwie. Aber anstatt grübelnd und haarsträubend darauf zu warten, eine Antwort zu bekommen, rate ich jedem, einfach mal die Koffer zu packen und sich überraschen zu lassen, denn fernab von jeder Sicherheit und Gewohnheit verbergen sich so manche Schätze, die nur darauf warten, endlich von euch entdeckt zu werden!

Danke, Julia!

3 comments

  • „Siehst du dich selbst, dann sieht dich die Welt!“

    welch schöner SATZ und eint in sich jenes, was als Manifest des Lebens gilt: „Der Beginn des Neuen liegt stets als Geschenk in sich SELBST geborgen“.

    Ich danke Euch für diesen Text – ein Genuss ihn in sich aufzunehmen, sinken zu lassen, sacken lasse, werden zu lassen … inneres Echo zu hören. ✿◠‿◠)✿….

  • vielen Dank für die schönen Worte, liebe Daniela!

  • Vielen Dank für diese lieben Worte! Ich bin überwältigt von der Resonanz der Menschen, die meine Worte gelesen haben! Tausend Mal Danke, dir Anika für den Anstoß! Ich denke, ich traue mich nun endlich, mehr zu teilen und deinem Beispiel zu folgen! Und tausend mal Danke, dass du mich immer wieder inspirierst mit deiner „zu Papier gebrachten Welt!“ =)

Join the discussion

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.