Warum Yoga mein Leben verändert hat (und der Hype auf Instagram berechtigt ist).

„Das Bauchgefühl zu trainieren, ist halt auch wichtiger als den Bauch selber“ habe ich letztes Jahr getwittert und das auch so gemeint. Um ehrlich zu sein, ich meine das auch heute noch so. Doch in den letzten Monaten ist viel passiert – vor allem auf Bauchhöhe.

Trüffelnougat und Rückenschmerzen

Zu dem Zeitpunkt des Tweets machten in meiner Realität nur diejenigen Sport, die keine Ahnung haben, welche Glücksgefühle ein Abend mit Netflix und Trüffelschokolade auslösen kann. Ja, Sport setzt die ebenfalls frei, aber wofür quälen, wenn ich nur in ein Stück Nougat beißen muss, wenn ich nur auf Play drücken muss und mich dabei bereits fantastisch fühle?

Zu dem Zeitpunkt habe ich aber auch „Gehen, um zu bleiben“ geschrieben, ich saß über Stunden hinweg am Küchentisch und am Abend bin ich aufgestanden und musste mich an den aufrechten Gang herantasten. Ich litt immer mehr unter Rückenschmerzen und alles, was in meinem Körper gepasst hat, war eben mein fabelhaft ausgeprägtes Bauchgefühl, das mir sagte: Irgendwas passt hier gar nicht.

Jogginghose und Selbstdarstellungssucht

Als ich mich Anfang des Jahres dann durch die perfekt gestylten Instagram-Videos schöner Yogamenschen gescrollt habe, ist mir eingefallen, dass ich das ja auch mal gemacht habe, dieses Yoga; vor Jahren, als noch viele ‚Was zur Hölle ist Yoga‘ gegoogelt haben. Heute macht derjenige Yoga, der ein bisschen was auf sich hält und derjenige, der so richtig was auf sich hält, lädt das Ganze auf Instagram hoch, mittlerweile gibt es ja auch die Storys, das macht die Darstellungssucht plötzlich denkbar einfach und so naheliegend, dass es schwierig ist, zu widerstehen. #guilty

Und genau das ist die Sache mit Yoga. Yoga-Menschen sehen toll aus, wenn sie Yoga machen. Weil Yoga toll aussieht. Wenn man es kann. Und das stellt eine Hürde dar für alle, die sich erst mal herantasten wollen. Anfangs verkroch ich mich deshalb mit meiner in die Jahre gekommenen Matte alleine im Schlafzimmer, in schlabbriger Jogginghose und dem billigen Sport-BH, den ich mir irgendwann einmal in der denkbar falschesten Größe gekauft habe. Nach außen hin wirkt Yoga nämlich oftmals so, als handele es sich dabei um eine rein anmutige, kaum anstrengende Sportart für schöne, junge, dynamische Städter (auf dem Land macht das ja eh keiner).

Yoga darf aber meiner Meinung nach nicht als reine Sportart verstanden werden, sondern vielmehr als die (durchaus schweißtreibende) indische Philosophie, die sie ist. Yoga kann außerdem als ganzheitlicher, bewusster Lifestyle funktionieren, mit dem Chia-Power-Whatsoever-Smoothie nach der Stunde und der Fairfashion-Shoppingtour.

 

Shavasana und Rastlosigkeit

Mein persönliches Credo: Macht Yoga, wenn ihr Bock drauf habt. Egal, was ihr dafür tragt, solange ihr euch wohl fühlt, egal, ob ihr Smoothies liebt oder hasst, egal, ob ihr in der Vorwärtsbeuge nur bis zum Knie kommt oder schon eure Füße umschließen könnt. Ihr werdet dorthin kommen, wo ihr hinwollt, und ihr werdet euch dabei fantastisch fühlen. Yoga ist eine verdammt alte, indische Philosophie, kein reiner Sportexkurs für rastlose Großstädter, deshalb will ich nur eine Sache noch mit auf den Weg geben. Macht die Endentspannung, Shavasana. Bleibt liegen. Sie ist so wichtig.
Manchmal schmerzt es mich nämlich, wenn ich die Stunde im Fitnessstudio mache und dann während der Entspannung, die ich mir doch so verdient habe, von einer Horde Gnus überrannt werde. Vor allem, wenn es diejenigen sind, die danach in den Cafés mit Klemmbrett und nackter Glühbirne an der Decke erzählen, wie „refreshing“ so eine Stunde Yoga doch ist.

Das Schöne an der ganzen Sache: Yoga findet für mich, mit mir und in mir statt. Etwas, das heimlich, still und leise passieren kann, sofern man vier Quadratmeter Platz zuhause hat. Es ist anstrengend und entspannend zugleich, außerdem macht es, Achtung, nicht für jeden was: unfassbar glücklich.

 

Kopfstand und Bauchgefühl

Kürzlich hatte ich diesen Schlüsselmoment, den es braucht, um stabil im Kopfstand stehen zu können. Ich weiß nicht, was genau mein Körper getan hat, doch ich konnte darauf vertrauen, dass er es wusste und schneller, als mir lieb war, stand meine Welt Kopf. In meinem unaufgeräumten, uninstagramten Wohnzimmer. Natürlich habe ich meinen Freund gebeten, ein Video davon zu machen. Natürlich nur für Mama. Und für meine Instagram-Story. Schuldig im Sinne der Anklage – ich war zu euphorisch, um den Moment nicht zu teilen. Und verstand plötzlich, warum es so viel Spaß macht, auch mal stolz sein zu dürfen. Den Stolz zu zeigen und noch ein bisschen stolzer zu sein, wenn andere sich mit freuen.

Die Aufnahme leuchtet weiterhin tapfer im gedämmten Licht meines Dachgeschossapartments, zwischen einem Glas Rotwein und Erdnüssen, wie ein Licht am Ende des Tunnels. Und sie steht für Folgendes: Schon richtig – das Bauchgefühl ist wichtiger als ein trainierter Bauch. Aber auf Beides zu achten, das schließt sich nicht aus.


Tipps

  • Nach zwei Monaten fast täglicher Yoga-Praxis, habe ich die Schlabberhose wieder zur Schlafhose umfunktioniert und Geld in die Hand genommen, um in ein so perfekt sitzendes Yoga-Outfit von Hey Honey (keine Werbung) zu investieren, dass ich manchmal gar nicht merke, überhaupt etwas zu tragen. Kein Witz, bequemer ist nur nackt. Noch dazu wird es vollkommen nachhaltig produziert.
  • Hier ist noch ein Link zu Maddie, die mehrere Adressen zusammengeschrieben hat zu nachhaltig produzierter Mode, darunter auch Yoga-Fashion.
  • Meine Matte ist so alt, dass ich gar nicht weiß, ob es sie noch zu kaufen gibt. Zum Reisen benutze ich diese hier, weil sie leicht und dünn ist (Achtung: Leider nicht geeignet für Leute, die viel schwitzen. Oder einfach Handtuch drüberlegen)
  • Wenn ich mit YouTube-Anleitung übe, dann schalte ich übrigens bei Mady Morrison oder Erin Motz ein. Außerdem habe ich den Kopfstand mit dieser tollen Hilfestellung gelernt!

 

Namasté! (das mit dem Namasté Bitches gewöhnt ihr euch besser gar nicht an. Was für ein Schwachsinn.)

P.S. Die Bilder fungieren lediglich für die Untermalung des Artikels und zeigen meinen derzeitigen Trainingsstand. Für die korrekte Ausführung wendet ihr euch besser an ausgebildete YogalehrerInnen.

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6 comments

  • Liebe Anika,

    ich danke dir für diesen schönen und motivierenden Artikel – ich doktore schon eine ganze Weile an meinem Yoga-Start herum, bin aber bisher irgendwie noch nicht so richtig dahinter gekommen, am Ball zu bleiben.
    Aber ich denke, jetzt werde ich das noch einmal probieren – denn ich bin ebenfalls fest davon überzeugt, dass an dem tollen Gefühl etwas dransein muss. Danke dir für die Verlinkung des Anfänger-Programms – das wird jetzt durchexerziert. Und der Beginn ist definitiv heute! 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Oh, was für ein toller Kommentar – vielen Dank, Jenni! Mir ging es jahrelang (!) so, dass ich Yoga vor mir hergeschoben hab und dann macht es auch keinen Spaß. Aber irgendwann machts Klick (oder auch nicht) und wenns Klick macht, ist es nicht mehr wegzudenken.

      Liebe Grüße mit den Videos!
      Anika

  • Toller Artikel! Ich war gerade zwei Wochen auf Bali und konnte Yoga in Deutschland nie etwas abgewinnen, hätte es aber für extrem fahrlässig gehalten, wenn es im Yoga-Mekka nicht nochmal versucht hätte. Resultat: 5 Stunden habe ich genommen (in Worten: fünf). Und in diesen Stunden war es genau diese Endentspannung, die mich immer wieder zur nächsten Stunde gehen ließ und mir Energie gegeben hat.
    Ob ich in Deutschland weitermache? Ich weiß es nicht, meine bisherigen Kurserfahrungen haben mich nicht überzeugt, aber vielleicht schaffe ich es ja für mich mit YouTube am Ball zu bleiben. Ich bin auf jeden Fall dank deines Posts noch ein bisschen mehr motiviert dran zu bleiben (ich komm übrigens maximal zu den Knien bei der Vorbeuge :-D)
    Liebe Grüße
    Nathalie

    • Wie toll! Als ich im Oktober auf Bali war, hab ich gerade erst wieder angefangen, mich für Yoga zu interessieren, aber ich war viel zu faul und es war viel zu heiß, meine Lieblingsausreden dort, und ich habe es kein einziges Mal gemacht. Insofern: Hut ab!
      Ich hoffe, du kannst zuhause weitermachen, egal wie und wo 🙂

      Liebe Grüße in die Vorwärtsbeuge!
      Anika

  • Das erste Mal Yoga gemacht habe ich – muss kurz nachdenken – vor locker mindestens 15 Jahren. Seither mache ich es mal mehr, mal weniger. Manchmal auch gar nicht, nur um festzustellen, gar nicht geht gar nicht. Alles was du sagst, stimmt absolut. Die tägliche Praxis habe ich bisher noch nicht (dauerhaft) hinbekommen, obwohl mich das wahrscheinlich noch einen Quantensprung nach vorne brächte. Aber es macht etwas mit einem selbst und dem Körper und das fühlt sich total gut an.

    Ich hatte übrigens eine ähnliche „Erweckungserfahrung“ mit Essen. Bin ja schon lange Vegetarier und ernähre mich ziemlich gesund. Mit ein paar Abstrichen. Aber eigentlich fand ich es ganz okay. So ganz die Kurve zu komplett vegan habe ich nicht bekommen. Wenn mir irgendwelche Instagramer vorgeschwärmt haben, wieviel „energy“ sie doch durch ihr „plantbased food“ haben, dachte ich immer: „Naja, so ein Unterschied kann’s jetzt nicht sein.“ Dann habe ich mir vor kurzem ein ziemlich cooles Kochbuch zu „Buddha Bowls“ gekauft, dem Liebsten unter die Nase gehaltene und gesagt: „Das probieren wir jetzt auch mal.“ Der Mann hat genickt. Seither gibt’s hier täglich Bowls in tausend Varianten und was soll ich sagen: Yep, es macht einen Riesenunterschied. Sagt auch der Mann. Wir fühlen uns beide extrem gut. Jede Menge Energie. Kein Heißhunger mehr auf Schokolade, Käse oder was man sonst noch gerne mal in sich hineinstopft.

    Wollte ich mal kurz erzählt haben. Liebe Grüße nach München!

    • Finde ich total spannend, wie viele sich als Yoga-Anhänger outen (15 Jahre, wow!). Und schön. Wenn wir mal auf gemeinsame (Presse-)Reise gehen, machen wir dann alle zusammen Yoga.

      Vielen Dank für den Tipp! Meine veganen Freunde sagen das auch immer und ich bin derzeit auch auf der Suche nach Lösungen gegen Heißhunger und vor allem Hunger auf Süßes. Ich bestell mir das Buch mal und probiere es ebenfalls aus.

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