Liebe Inselbewohner,
ich bin heute morgen drei Stunden am Strand entlang gelaufen. Bin über feinen Kies gegangen, bin über den feinsten Sand gelaufen, bin über schwarze Felsen geklettert. Manchmal hat mich ein Hund begleitet. Von La Preneuse nach Flic en Flac, ein bekannter und beliebter Weg unter all denen, die es nicht erfüllt, tagein tagaus am Pool herumzuliegen.
Drei Stunden Zeit, um viel nachzudenken. Zum Beispiel darüber, dass mich der Post-Travel-Blues hier in Mauritius schon überfällt, bevor ich überhaupt ins Flugzeug steige. Ich will nicht wirklich nach Hause, um ehrlich zu sein. Obwohl dort Freunde warten, eine Lesung, eine neue Herausforderung, viele Aufgaben, der Mann.
Als es mir in Goa damals genauso ging und jede Zelle meines Körpers sich weigerte, nach vier Wochen Freiheit an den Flughafen von Mumbai zu fahren, hat Deniz zu mir gesagt:
„Manchmal ist etwas deshalb so schön, weil es einen Anfang und ein Ende hat.“
Ich weiß nicht, ob ich diesem Satz bis heute so viel Bedeutung schenke, weil ich poetische Weisheiten von ihm eher selten zu hören bekomme, oder, weil ich immer noch darüber grübele, ob er einen wahren Kern beinhaltet.
Ich glaube, manchmal trifft es zu. Manchmal lebt ein schönes Bild von einem noch schöneren Rahmen. Ohne Rahmen fällt man aus dem Erlebnis heraus. Verpasst den Absprung. Wir gehen, wenn’s am schönsten ist.
„Du kamst für den Strand unter den Füßen. Und gingst mit Sand in den Schuhen. Die Zukunft in deinem Blick. Kam in der Gegenwart zu ruhen.“ (Spaceman Spiff)
Gestern saß ich barfuß auf einer Holzterrasse. Ich trug ein rotes Kleid und roten Lippenstift. Ich habe hier Rot für mich entdeckt. Einzelne meiner dunkelblonden Haare sind sonnengebleicht. Ich habe mich zurückgelehnt, mit einem Glas Wein in der Hand, und habe einen umwerfenden Sternenhimmel bestaunt. Vor mir spielte eine kleine Jazzband die bekanntesten Songs der letzten Jahrzehnte. Über dem Pool, in einem großen, flach gewachsenen Baum, hingen kleine Lampions. Hätte ich mich kneifen sollen? In dem Moment, in dem ich die Ruhe selbst fand und mit ihr verschmolz? Ich habe es gelassen, zu groß war die Angst, ich würde aufwachen.
Bettina, die neben mir saß und die Schwester eines Freundes ist, erzählte mir dann Folgendes: „Weißt du, als ich in einem 9 to 5 Job hier steckte, hatte ich gar nichts von der Insel. Ich kam erschöpft nach Hause, ging zum Sport und das war’s dann. Aber wenn du eine schlimme Woche hattest oder einen anstrengenden Tag, dann kannst du zumindest am Wochenende immer hierherkommen. Du bist im Paradies und alles ist sofort wieder gut. Dieser Anblick entschädigt für alles.“
Und deswegen bleibt mir nichts anderes übrig, als diese Insel in mein Herz auf- und somit mit nach Hause zu nehmen. Ich habe viele schöne Seiten an Mauritius entdecken können. Nicht nur Bilderbuchstrände, aber vor allem auch die:
Da war die Teeplantage Bois Chéri mit einem umwerfenden Ausblick und einem sehr schönen, sehr angenehmen Tea Tasting.
Da war eins meiner Highlights, das Chateau Labourdonnais.
Da waren sämtliche Wasserfälle und der atemberaubende Ausblick über den Nationalpark.
Da war Chamarel mit seiner „Seven coloured earth“, wo frühere Vulkanaktivität verschieden farbige Mineralienböden zurückgelassen hat, die bei Regen schimmern und in der Hitze matt wirken.
Da war der Pamplemousses Botanical Garden.
Und natürlich war da auch die raue Südküste nahe Gris Gris, wo man sich bewusst machen muss, dass ab hier nichts mehr kommt, außer ein paar Eisberge und letztendlich der Südpol. Dort habe ich auch den Strand für alle entdeckt, die Kitesurfen lieben, das Fleckchen Le Morne.
In ein paar Tagen fliege ich zurück. Werde zuhause Sand in meinen Taschen finden und die verklebte Sonnencreme zurück in den Schrank stellen. Aber ich werde auch endlich wieder durchschlafen können in meinem eigenen Bett. Ohne summender Klimaanlage. Und mir am Morgen per Knopfdruck den besten Kaffee machen, dessen Duft die ganze Wohnung erfüllt.
Nach dem Reisen ist vor dem Reisen.
Letzte Umarmung aus Mauri,
Ani
P.S. Wuerde euch ein Artikel interessieren, wie man Mauritius erleben kann, ohne danach von Wasser und Brot leben zu muessen?









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7 comments on Drei Stunden. | Die Mauritius Tagebücher (4)
Kristin
Das sind wunderschöne Bilder. Ich kann die Entspannung spüren, die man dort erfahren kann. Einfach nur herrlich.
Ja, so ein Artikel wäre nicht schlecht. Mauritius ist eine Reise wert.
Anika (author)
Sabrina (todayis)
Ich glaube das mit dem Anfang und dem Ende stimmt. Manche Sachen wären nur halb so schön, wenn man nicht wüsste, dass sie irgendwann vorbei sind! Und ja mich würde der Artikel total interessieren
Teresa
Wow, bin begeistert von Deiner Art zu schreiben und zu erzählen. Ich bin über den Artikel über Isabel in Mumbai auf Dich gestoßen, denn ich bin die Isabels Chefin und Modedesignerin von Glimpse Clothing:) Und mein Verlobter kommt aus Mauritius und ich war noch nie dort und nun nach Deinem Artikel wächst meine Sehnsucht natürlich umso mehr. Ich bin demnach auch für eine Erzählung darüber, wie wir uns die Reise in seine Heimat doch leisten könnten:)
Anika (author)
Danke und schön, dass du hergefunden hast
Der Artikel kommt!
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Erika
Du hast einen sehr schönen authentischen Schreibstil! Und einen Artikel über Mauritius mit Tipps wäre sehr gut. Liebe Grüsse Erika